Moneybrother - Blood Panic
Burning Heart/edel (Schweden 2004)
Der Beginn der trüben Jahreszeit ist ideal, um Einkehr zu halten und das bisherige Jahr Revue passieren zu lassen. Eines der Konzert-Highlights lieferte dieser Schwede. 09.11.2004
"Wie bitte? Ich glaube, ich habe nicht verstanden, worauf du hinauswillst."
Na gut, dann eben noch einmal und ein wenig umformuliert: Mit bürgerlichem Namen heißt Moneybrother Anders Wendin, und er brachte vor dem Durchstarten mit seinem gegenwärtigen Projekt bereits eine kleinere Musikerkarriere hinter sich. Einst war er Mitglied der Punkband Monster und arbeitete somit in einem Genre, das Melodien gern mit Inhalt und Bedeutung füllt.
Vor diesem persönlichen Hintergrund darf man doch darüber zu rätseln beginnen, ob mit der Wahl des Künstlernamens eine bestimmte Aussage getroffen wurde - vor allem dann, wenn Band-intern ein monetärer Widerspruch geliefert wird. Bei den Aufnahmen zu den bisherigen Tonträgern war nämlich ein Musiker namens Eksistensminimum dabei.
"Über diesen Gegensatz hab´ ich mir eigentlich noch überhaupt keine Gedanken gemacht", sagt Wendin. "Ist mir bislang, ehrlich gesagt, auch gar nicht aufgefallen."
Aha. Wenn das so ist, dann weiter zum Ausräumen des nächsten Trugschlusses.
Die an der ersten EP "Thunder in My Heart" beteiligten Musiker werden im dazugehörigen Beiheft unter "My band, my friends, my inspiration" aufgereiht. Auf "Blood Panic" finden sie sich wieder, in gleicher Abbildungsgröße wie der Sänger. Da liegt doch die Annahme nahe, daß die Begleitung gewissen Einfluß - zumindest als "Inspiration" - auf die Songs hat, auch wenn die von Anders Wendin allein geschrieben wurden. "Ich habe keine feste Band in dem Sinn, sondern einfach Freunde, die mich im Studio unterstützen und die ich dann auch mit auf Tour nehme", meint er dazu. "Einfluß auf die Songs haben sie aber keinen, wenn man einmal davon absieht, daß natürlich jeder seinen eigenen Spielstil hat."
Von einer internen Beeinflussung will Anders also nichts wissen. Wie sieht es aber mit der anderen Richtung aus? Schließlich können Stücke ja auch durch von außen gegebene Impulse verfeinert bis erheblich verändert werden. Und Produzenten vergessen bekanntlich auch nie auf das Wörtchen, das sie mitzureden haben. In Schweden tauchen beispielsweise immer wieder die gleichen Namen auf, die für ihre Erfahrungen jenseits der Aufnahmeregler vielfach bekannter sind als für ihre Produktionstätigkeit. Nicht zu übersehen sind etwa Björn Olsson (vormals Union Carbide Productions), Kalle Gustafsson Jerneholm (TSOOL), Per Gunnerfeldt (Fireside), Björn Yttling (Peter, Björn & John).
Für "Blood Panic" wählte sich Moneybrother wieder Jari Haapalainen (The Bear Quartett, Heikki). Warum eigentlich? "Er ist der einzige, von dem ich mir etwas sagen lasse, dessen Urteil ich respektiere", sagt Anders. "Er hat ein sehr spezielles Musikverständnis und weiß genau, wie man das Beste aus einem Song herausholt." Bei Moneybrother bedeutet das einen professionellen Melodieverbau ohne die Fehlbesetzung eines einzigen Tones, quer durch alle Streicher-, Gitarren- und Saxophonschichten hindurch. Empfindungen halten sich auf Dauer nicht bedeckt, sondern brodeln immer wieder bis an die Oberfläche dieses Sound-Gefüges, das trotz der Auffettung spontan, direkt und ehrlich bleibt.
Bei sowas muß natürlich auch das Label mitspielen. Ohne den nötigen Rückhalt seitens der Plattenfirma, an die man sich gebunden hat, und eine finanziell machbare Umsetzung richtet die gute Chemie zwischen den beteiligten Kreativen wenig aus. Solche Begleitumstände lassen sich oft auch in der Musik selbst ablesen. "Thunder in My Heart", eine EP mit vier Liedern, darunter das auf "Blood Panic" vertretene "The Pressure", erschien bei Startracks - einem Label, das sich doch eher auf ruhige Töne ausrichtet und das Singer/Songwritertum hegt und pflegt. "Schweden ist ein kleines Land, in dem es auch wieder nicht so viele Stellen gibt, an die man sich wenden könnte und von denen man sich gut vertreten fühlt", erklärt der Bandleader. "Zu Burning Heart passe ich ja auch nicht wirklich."
Der Firmenwechsel hatte jedoch einen anderen, einfacheren Grund: "Natürlich spielte da auch das Geld eine Rolle." Der Moneybrother macht seinem Namen also zumindest im Ansatz Ehre. Aber er hat auch Ideale: "Mir war es wichtig, mit meiner Musik mehr Leute erreichen zu können." Burning Heart hat eben ein ausgeprägteres Netzwerk, um einen lokalen zum nationalen Act zu machen; ein Netzwerk, das sich über die Landesgrenzen hinaus erstreckt.
Anders Wendin, der in seiner Heimat längst ein Star ist, schickt sich also an, nun auch den Rest der Welt zu erobern. Wie weit er damit kommen, wie lange der Ruhm anhalten und die Zeit als Berühmtheit dauern wird, läßt sich nicht abschätzen. Genau das beschäftigt ihn ohnehin am wenigsten: "Man kann sich zwar vornehmen, Erfolg zu haben, und sein Handeln danach lenken, muß dafür aber viele Kompromisse schließen. Natürlich kann auf diese Weise der Durchbruch glücken und sich auch längerer Erfolg einstellen, aber Garantie gibt´s dafür keine. Also warum sich selbst beschränken und sich durch Zugeständnisse der Kreativität versperren? Ich hatte jetzt zwei sehr gute Jahre - schauen wir einmal, wie es weitergeht. Ich mache mir da keine sonderlich großen Gedanken."

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