Games_Manhunt

Reality-TV für Massenmörder

Take 2 präsentiert mit diesem Titel ein Spiel, das in punkto Brutalität und Gegner-KI seinesgleichen sucht. Manchmal lohnt es sich halt einfach, ein Psychopath zu sein.    14.01.2004

James Earl Cash ist ein zum Tode durch die Giftspritze verurteilter Schwerverbrecher. Lionel Starkweather wiederum ist der Prototyp des gelangweilten, dekadenten Millionärs. Gemeinsam bilden die beiden das wohl infernalischste Duo der Spielgeschichte.

Nach seiner offiziellen Exekution erwacht James in einem heruntergekommenen Saal und wird sofort von seinem künftigen Mentor Lionel begrüßt, der aus Gründen der Sicherheit via Lautsprecher mit ihm kommuniziert. Dem wahrlich unsympathischen Protagonisten wird daraufhin der Grund seiner "Wiedergeburt" eröffnet: Er soll die Hauptrolle in einem Film der etwas anderen Art übernehmen. Mr. Starkweather dreht nämlich sogenannte Snuff-Videos, also Filme, in denen Menschen auf brutalste Art und Weise exekutiert werden. So kommt es, daß der ehemalige Schwerverbrecher und hoffnungsvolle Massenmörder in einer Gegend ausgesetzt wird, in der es von "Jägern" nur so wimmelt. Die Gruppe der Hunter setzt sich aus grotesken Psychopathen, korrupten Bullen und militärischen Eliteeinheiten zusammen. Fortan meuchelt James Szene für Szene, Level für Level alles, was sich ihm in den Weg stellt, und das mit Hilfe exakter Regieanweisungen, die ihm sein neuer Freund per Kopfhörer übermittelt.

Da Cash aber nicht über die Ausrüstung seiner Gegner verfügt, muß er sich mit dem begnügen, was er sozusagen am Wegesrand vorfindet. Dazu gehören solche Klassiker wie Glasscherben, Baseball-Schläger, Stacheldraht, Totschläger, Brecheisen und sogar Plastiksäcke. Der Protagonist hält im Vergleich zu anderen Games zwar recht viel aus, steht aber im Nahkampf dennoch auf verlorenem Posten - also muß er sich auf die Kunst des "heimlichen Tötens" besinnen, und so wird auf Teufel komm raus geschlichen und gemordet.

Wer in "Manhunt" jetzt aber einen bloßen "Metal Gear Solid"-Verschnitt vermutet, wird positiv überrascht sein, da die Atmosphäre des Spiels und die hervorragende Gegner-KI das große Stealth-Vorbild wie einen dummen Schuljungen aussehen lassen. Wo Snake genug Waffen mit sich herumtragen kann, um ein kleines Land auszurotten, muß Cash mit nur jeweils einem Waffentyp auskommen, was die Sache um einiges schwieriger werden läßt. Außerdem setzt, wie schon erwähnt, die KI in manchen Abschnitten regelrecht neue Maßstäbe, sodaß sich auch Profis gelegentlich die Zähne ausbeißen werden. Zum Glück gibt es im Spiel immer wieder Speicherpunkte, die den Frustlevel gering halten, denn im weiteren Verlauf werden sogar Hardcore-Action-Experten vor gewaltige Probleme gestellt. Die Steuerung von "Manhunt" ist recht simpel, aber dennoch äußerst effektiv ausgefallen: Gekämpft wird entweder mit der X- oder der Vierecktaste, je nachdem, ob man einen leichten oder einen schweren Angriff starten will - und auch die frei drehbare Kamera leistet hervorragende Dienste.

Graphisch ist das Game zwar kein Überflieger, doch weitaus besser, als es die Screenshots anfangs aussehen lassen. Die Herstellerfirma Rockstar punktet mit Level- und Gegner-Design, die beide schlichtweg genial sind und das Gefühl von Trostlosigkeit, Gewalt und Perversion so gut vermitteln wie noch kein Spiel zuvor. Untermauert, hervorgehoben und auf die Spitze gebracht wird dieser Eindruck allerdings erst durch den Sound. Der ist stellenweise derartig realistisch, daß einen das Gefühl überkommt, als sei das Wohnzimmer jetzt wirklich mit Kies und Glassplittern übersät. Hinzu kommt eine Sprachausgabe, die ihresgleichen sucht. Vor allem das hingehauchte und -gestöhnte Lob des Snuff-Regisseurs bei einem besonders guten Kill läßt einem die Haare zu Berge stehen und potenziert die abartige Atmosphäre des Spiels um ein vielfaches.

Zum Abschluß noch ein Rat an Leute, die einen schwachen Magen haben beziehungsweise daran denken, ihren minderjährigen Sprößlingen das Spiel zu schenken: "Manhunt" hat nicht umsonst eine FSK-Freigabe "Ab 18". Die Nahaufnahmen der "Stealthkills" sind nichts für schwache Nerven, die dazugehörige Atmosphäre schon gar nicht. An diesem Game werden sich die Geister sicher scheiden, da die Jungs von Rockstar hier nicht mehr an der Grenze des guten Geschmacks entlangwandeln, sondern sie um einiges überschritten haben.

All jene, die jedoch Spaß am "Töten" haben, sollten sich dieses Spiel unbedingt zulegen, solange es noch erhältlich ist, denn es besteht durchaus die realistische Möglichkeit, daß es bei uns - wie in Neuseeland - bald auf die Liste der verbotenen Games gelangt.

Dragan Andjelkovic

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Manhunt

ØØØØ


(Rockstar North/Take 2/Jack of All Games)

erhältlich für PS2

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