Kino_Falco - Verdammt, wir leben noch

"Des is ned leiwand, es Gfrasta"

Die Mythenmaschine rund um Österreichs einzigen weltweit bekannten Popstar hat nun also auch das unvermeidliche Biopic hervorgebracht. Weit mehr noch als Falcos Leben selbst ist der Film aber seltsam patschert, zerrissen und vor Peinlichkeiten sowie Übertreibungen nicht gefeit.    06.02.2008

Unter der prallen karibischen Sonne der Dominikanischen Republik biegt Hans Hölzels schwarzer Jeep auf die Hauptstraße. Ein Bus rast vorbei und fegt das Auto mit riesigem Krawall von der Fahrbahn. Thomas Roths "Falco - Verdammt, wir leben noch" beginnt und endet mit Falcos tödlichem Autounfall. Es ist kein besonders origineller Bogen, der hier gespannt wird, aber immerhin eine ansatzweise neue Perspektive: Die Kellnerin, gespielt von Grace Jones (!), erzählt Falcos letzte Stunden nach - auf dem Parkplatz vor ihrer Bar.

Dann geht´s aber wirklich los: Chronologisch werden Hölzels musikaffine Kindheits- und Jugendtage, seine ersten Auftritte mit der Hallucination Company und Drahdiwaberl abgespult. Es folgt die Erfindung der Bühnen-Identität Falco, die ihn schließlich mit "Rock Me Amadeus" auf Platz 1 der US-Billboard-Charts katapultieren soll. Es wird bebildert, wie Falco und Hölzel immer mehr zu einer Person verschmelzen und der Popstar mit Hilfe von Koks, Tabletten und reichlich Whiskey vorm Erfolgsdruck flüchtet. Dabei ist die Essenz immer, daß hinter dem arroganten Arschloch doch ein sensibler, aber komplizierter Mensch steht, der auf recht bürgerliche Art und Weise Halt und Liebe sucht - mittels Haus, Frau und Kind. Doch die Beziehung zu Jacqueline (Patricia Aulitzky spielt die Falco-Geliebte, die eigentlich Isabella hieß) funktioniert nicht, und nach acht Jahren Einsatz als "Bester Papa der Welt" erfährt Hölzel noch dazu, daß die gemeinsame Tochter nicht von ihm ist. So weit, so bekannt.

Der Film basiert auf biographischen Fakten, im Detail ist er aber Fiktion. Soll heißen: Die Dialoge, Szenen oder Einzelheiten wie die Freundschaft zu Billy von Kindheitstagen an sind frei erfunden. Was gar nicht schlimm wäre, wenn man mit etwas Einfallsreichtum an die Sache herangegangen wäre. Doch Falcos Frauengschichtln, Drogeneskapaden, Höhenflüge und Abstürze werden in wenig aussagenden Mini-Szenen ausformuliert: Hans als Kind vorm Bordell, als Erwachsener im Bordell - wir haben´s begriffen, er ist Nutten nicht abgeneigt. Aber muß das wirklich so plump daherkommen? Auch die Dialoge wirken eher patschert und unecht (wenn etwa die Mama zum Hans meint: "Siehst, das Üben hat sich auszahlt."). Besonders ernüchternd sind die Live-Szenen, die zwar musikalisch gut sind (Rubey singt alles selbst, die Produktion arbeitete mit den Originalproduzenten Rob und Ferdi Bolland zusammen und nahm alle Lieder neu auf), aber eher an eine Karaoke-Show als an Rock-Konzerte erinnern. Angesichts von fast vier Millionen Euro Budget ist das irgendwie schade.

 

Bei heruntergeschraubten Erwartungen vermag neben der Musik aber zumindest die Besetzung teilweise positiv zu überraschen. Schlimmer hätte es etwa bei der Auswahl des Falco-Darstellers kommen können. Manuel Rubey macht seine Sache gut - besonders, wenn man bedenkt, daß er schauspielerisch ein unbeschriebenes Blatt ist (von "Tatort" und "SOKO Kitzbühel" einmal abgesehen). Vielmehr ist er Ö3-Hörern als Frontmann der Band Mondscheiner bekannt. Man merkt, daß er lange vor dem Spiegel geübt hat, um den Falken möglichst authentisch-arrogant rüberzubringen. Klar, den Falco gibt´s nur einmal, und außerdem hätte sich die Maske etwas mehr Mühe geben müssen, um den jungen, burschikosen Rubey auch wirklich in ein 40jähriges Wrack zu verwandeln. Doch Robert Stadlober, der sich der Rolle nicht gewachsen fühlte, oder - noch schlimmer - Manuel Ortega wären sicher nicht die bessere Wahl gewesen.

Was beim Hauptdarsteller gelungen ist, ging bei den (kleineren) Nebenrollen jedoch daneben. Sie wirken unecht und sind aufgestylt, als kämen sie gerade von einer Faschingsparty - von einigen Lichtblicken wie den originalen Drahdiwaberl-Outfits einmal abgesehen. Gerettet wird das Kasperltheater durch Profis wie Christian Tramitz als Manager Horst Bock oder Nicholas Ofczarek als Markus Spiegel. Auch Susi Stach als Falcos Mutter Maria Hölzel und Patricia Aulitzky als seine On-/Off-Geliebte Jacqueline schlagen sich ganz gut. Aulitzky spielt emotional und mit viel Energie, was die mißglückte Darstellung der ambivalenten Liebesbeziehung aber auch nicht mehr retten kann. Die schwierige Beziehung zwischen ihr und dem Menschen hinter Falco hätte man lieber anders vermittelt bekommen als durch ewiges Ein- und Ausziehen im Hause Hölzel. Bei "Walk the Line" hat das ja auch ganz gut geklappt.

Alles in allem ist "Falco - Verdammt, wir leben noch" der gescheiterte Versuch, den Menschen hinter Falco cineastisch und gleichzeitig authentisch darzustellen. Es ist mehr als fraglich, ob Hölzel dazu seinen "Des is leiwand"-Segen abgegeben hätte. Bestenfalls hätte er über Manuel Rubey gesagt: "Der is ganz leiwand - aber die Kopie wird nie an das Original heranreichen."

Bettina Figl

Falco - Verdammt, wir leben noch

ØØ 1/2

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Ö 2007

109 Min.

Regie: Thomas Roth

Darsteller: Manuel Rubey, Patricia Aulitzky, Christian Tramitz u. a.

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Kommentare_

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Falco123 - 12.02.2008 : 13.30
Ich habe den Film zwar noch nicht gesehen aber ich denke nicht das man diese Kritik auch nur in irgendeiner Form ernst nehmen kann.
es gibt 1000 andere Kritiken welche jeden der oben genannten punkte als Positiv hervorgehoben haben da kann das ja nur ein Blödsinn sein.....
junger römer - 12.02.2008 : 13.50
naja, das geht so natürlich nicht. den film noch gar nicht gesehen haben und ihn dann auf die lächerlichst mögliche art zu verteidigen - nämlich sich auf pressestimmen zu berufen, die es so nicht gibt. jede und zwar wirklich jede halbwegs seriöse filmreview (und ja sogar das opportunisten-organ tv-media) fand den film auf die eine oder andere art mißlungen. glaube daher nicht, daß man dieses posting in irgendeiner form ernst nehmen kann.
Jennifer Stacelberger - 20.02.2008 : 12.18
Der Film ist der reinste Horror.
Sj - 23.02.2008 : 09.04
Der Film ist wirklich sehenswert. Manuel Rubey ist eine tolle Besetzung für diese Rolle. Ich würde den Film jedem, dem Falcos Musik gefällt, weiterempfehlen. Ein starker österreichischer Film!!!
brüllantinbrutal - 23.02.2008 : 13.19
ich kann der kritik nur zustimmen. habe den film gestern gesehen und war trotz niedriger erwartungen enttäuscht. diverse dokus (zb das falco-tribute von 1998) waren spannender...der film wirkt eher flach, zu lange, hat keine höhepunkte, und ich finde der aufwand, sogar die originalvideos nachzustellen, hat sich nicht gelohnt. zwecks wiedererkennungswert hätten sich vielleicht einige originalausschnitte meiner meinung nach besser geeignet. trotzdem hochachtung vor der leistung des hauptdarstellers.
Andreas - 26.02.2008 : 14.19
Hab den Film Gestern gesehen. Ich muss dazusagen das ich keine Falco Fan bin. Aber ich habe nichts neues erfahren. Der Film zeigt nette liebe Menschen. Er hat mich 100 Minuten auf Distanz gehalten. Ich find nur den Tod und Grace Jones gut.

Der Film versucht das Leben von Falco zu rekonstruieren und dabei versucht er die Psychischen Hintergründe zu erklären, bleibt aber nur an der Oberfläche und scheitert kläglich. Es wird eine Ehe Konflikt seine Eltern gezeigt - Aus der Subjektiven wie der kleine Hans seine Eltern streiten sieht. Es geht um Ehebruch... der Dialog - Konstruiert Oberflächlich wie der ganze Film. Im Eiltempo werden alle Up und Downs erzählt. Wirklich Menschliche Abgründe bleiben aussen vor. Alle sind nett. Wenn man sicher erwartet Emotional an einer Geschichte teil zunehmen ist man im falschen Film. Der Film hat mich immer auf Distanz gehalten. Und wirkte wie ein Wikipedia Eintrag - Trocken kühl sachlich... mit dem versuch dem ganzen eine Hintergrund zugeben. Das scheitet meiner Meinung daran - das es keine guten Site Storys gibt.... z.B. schwänzt der klein Hans und Billy die Schule. Was machen Sie in den 3 Wochen? Was verbindet sie? Diese Fragen werden Sachlich beantworte... ein kurzes Gespräch mit einer Prostituierten... und eine Telefonat... wir gründen eine Band... doch nicht... Jede persönliche Beziehung jeder Karakter dieses Film ist nett und Oberflächlich. Der Hintergrund wir in Dialogen erzählt die alles aussprechen... so verbindet der Ehestreit der Eltern, sich mit einen Gespräch mit seiner Ehefrau später (Aha deshalb scheitert seine Beziehung). Daher kommt nie so etwas wie Spannung auf. Es wird alle geradlinig erzählt.

Manuel Rubey fand ich sehr gut in der Rolle als - er hat gut gespeilt - davon war ich positiv überrascht.
Ich verstehe nicht warum man nicht die Original Songs verwendet hat.

Jenny - 18.03.2008 : 23.51
Ich hab den Film schon 2x gesehen und werd ihn mir nochmal anschauen. Ich muss dazu sagen ich hab vorher nicht wirklich viel von Falco mitbekommen und mich auch nicht mit ihm beschäftigt.
Aber durch den Film hab ich ihn ein bisschen kennnen und auch mögen gelernt. Der Film ist sowas von gut, und ich finde nicht, dass die Besetzung schlecht ist. Vorallem Manuel ist einfach fantastisch, dieses schauspielerische Talent ist einfach der Wahnsinn.
Auch die anderen Schauspieler machen ihre Sache gut.

Dieser Film ist sehenswert, kann ihn nur weiterempfehlen, auch Leuten, die mit Falco nichts am Hut haben!
Sandra - 21.04.2008 : 23.55
manuel rubey ist die perfekte besetzung für den film, ich war total begeistert!

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