Yella
ØØØØ
D 2007
89 Min.
Regie: Christian Petzold
Darsteller: Nina Hoss, Devid Striesow, Hinnerk Schönemann u. a.
Seelenkiller Kapital: In Christian Petzolds feinsinnigem Filmmysterium sucht eine entrückte Nina Hoss inmitten einer erkalteten Gesellschaft verzweifelt nach Halt. 15.01.2008
Die junge Yella (Nina Hoss) zieht es weg aus dem ökonomisch brachliegenden ostdeutschen Wittenberge. Hannover bietet Möglichkeiten für einen beruflichen Neubeginn. Yella klammert sich an diese Chance und sehnt sich nach einem Leben fernab der alten privaten und wirtschaftlichen Krisengebirge. Die Fahrt zum Bahnhof gestaltet sich dann auch als Flucht aus einem emotionalen Trümmerfeld: Ihre zerstörte Ehe, die in einer unseligen Wechselbeziehung mit dem Kollaps der Firma des labilen Exgatten Ben (Hinnerk Schönemann) untergegangen ist, läßt die wortkarge Frau ebenso hinter sich wie ihren abgekämpften Vater (Christian Redl), der im trostlosen Niemandsland von Wittenberge zurückbleibt.
Ben, der instabile Träumer mit ausgeprägter Stalker-Tendenz, zwingt sich Yella als Chauffeur zur Bahnstation auf und versucht bei dieser Gelegenheit, die Entfliehende von ihrem Unterfangen abzubringen. Mit seiner gemeingefährlichen Art kann er Yellas Abwehrhaltung jedoch nicht durchbrechen. Als die Situation schließlich eskaliert, steuert der erneut Zurückgewiesene den Wagen von einer Brücke direkt in die Elbe. Am Flußufer erwacht, verläßt Yella erschöpft und durchnäßt den Unfallort, verliert das eigentliche Ziel der abrupt beendeten Fahrt aber nicht aus den Augen. In Hannover folgt allerdings sogleich die Ernüchterung: Den anvisierten Job gibt es nicht, und Yellas Zukunftspläne scheinen sich in Rauch aufzulösen ...
Eine Frau im Umbruch, auf der Suche nach finanzieller Stabilität: Yella will raus aus der Provinz, weg aus der Tristesse und wirtschaftlichen Stagnation und weg vom erfolglosen und aggressiven Ex. Eine Festanstellung würde Unabhängigkeit schaffen und ihr die Möglichkeit geben, sich der unliebsamen Gespenster aus Wittenberge zu entledigen und den zurückgelassenen Vater zu stützen. Bei ihren Bemühungen, ein kleines Stückchen vom kapitalistischen Kuchen abzubekommen, verbucht Yella Teilerfolge. Es sind kleine Triumphe an der Seite des schwer einschätzbaren Geschäftsmannes Philipp (Devid Striesow), als dessen Assistentin sie unverhofft agieren darf. Wie Yella bald erkennt, spielt Philipp nicht nur seine Geschäftspartner brutal an die Wand, sondern zieht zudem auch die eigenen Auftraggeber über den Tisch.
Doch ein Gefühl der Unwirklichkeit überlagert ihre neue Situation: Yellas durch Fremdeinwirkung in Mitleidenschaft gezogenes Hotelzimmer, ihre merkwürdig abgekoppelte Wahrnehmung der Umwelt und natürlich Ben, der sie weiterhin zu beobachten und verfolgen scheint. Setzen ihr posttraumatische Nachwirkungen des Autounfalls zu? Wird die nervlich lädierte Yella durch einen paranoiden Schub aus der Bahn geworfen? Oder sind gar übernatürliche Kräfte am Werk?
"Yella", das ist kühles, stilles und geheimnisvolles Kino: Kalte Architektur dominiert, einsilbige, schemenhaft anmutende Mitmenschen, die selbst fast wie leidlich lebendige Bausteine in der sterilen Kulisse aufgehen, bestimmen das Erscheinungsbild des Films. Mittendrin agiert eine glaubhaft verstört aufspielende Nina Hoss als fremdkörperartige, desorientierte Yella, die doch nur versucht, ihre Lage zu begreifen und einen Platz zu finden. Fast kammerspielartig fallen die Szenen zwischen Hoss und Striesow aus. Zugleich verpassen weitläufige, sterile Außenareale, monochrome Glaspaläste und unpersönliche Hotelkorridore der mit bedächtigem Tempo fortschreitenden Handlung eine gespenstische Note.
Es ist ein subtiles Rätsel, das uns Christian Petzold ("Die innere Sicherheit") mit "Yella" aufgibt. Das feine Mystery-Drama mit gesellschaftskritischem Einschlag wird aber die Aufmerksamkeit so manch geduldsamen Beobachters belohnen.

Yella
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