Video_Kottan ermittelt

Die Kieberer sind immer aus Wien ...

Mit "Kottan ermittelt" schrieben Peter Patzak und Helmut Zenker Fernsehgeschichte. Nach 27 Jahren Pause kommt die Krimigroteske nun ins Kino - Grund genug, einen Blick zurück auf 19 Folgen Wahnsinn zu werfen.    07.11.2010

Als der Wiener Kriminalpolizist Adolf Kottan im Jahr 1976 einen Mord in der "Hartlgasse 16a" aufklärte, wußte vermutlich niemand im ORF davon, daß Regisseur Peter Patzak und Drehbuchautor Helmut Zenker (1949-2003) soeben ein Stück Fernsehgeschichte geschrieben hatten. Im nachhinein entpuppte sich "Kottan ermittelt" als die gemeinste, anarchistischste, manchmal subtilste und einfach beste Parodie auf Krimis und speziell das österreichische Kriminal- und Polizistenmilieu. Heute gehört Kottan neben dem Mundl ("Ein echter Wiener geht nicht unter") zu den vermutlich erfolgreichsten Markenschöpfungen des ORF.

"Der Kottan ist ein unbequemer Typ; von Beginn an ein kleinlicher Typ; ein Erfolgloser, der gern Erfolge haben möchte, aber nie zum Zug kommt", wird er von Peter Patzak im Buch "Filme" (Europaverlag) charakterisiert. "Vom gewohnten TV-Helden her gesehen, ist er einer, der wieder zum Verschwinden verurteilt ist. Er ist wirklich die Reduzierung auf das Normale." Auch Helmut Zenker beschreibt seinen Anti-Helden mit dem Wiener Dialekt als "durchschnittlich. Er steht seinem Beruf zwiespältig gegenüber, leidet fast unter seinen nicht besonderen Fällen, hat private Probleme. Kottan ist keine reale Figur, dennoch eine realistische, weil man seine Motive und Haltungen verstehen kann."

Als die Pensionistin Gertrude Klenner in ihrer Wohnung in der Hartlgasse tot aufgefunden wird, sucht Kottan, in den beiden ersten Folgen gespielt von Peter Vogel (der Schauspieler schied 1978 durch Selbstmord aus dem Leben), den Täter zunächst in einer Gruppe von Gastarbeitern, die mit der Toten in Verbindung gestanden waren. Obwohl es keine Beweise für deren Schuld gibt, ist der (anfangs rassistische) Kieberer  davon überzeugt, daß einer der Jugoslawen die Bluttat begangen haben muß. Detail am Rande: Die Adresse Hartlgasse 16 gibt es in Wien-Brigittenau tatsächlich, gedreht wurde allerdings im 15. Bezirk. Das Haus, das als Double fungierte, wurde längst abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. 

 

Letztlich findet Kottan seinen Mörder - allerdings nicht unter den Gastarbeitern und auch nicht "ruck, zuck!" (wie das der Kollege eigentlich immer erledigen sollte). Bis es soweit ist, wird allerdings das heute leider längst verschwundene Wiener Bassena-Mileu schonungslos enttarnt.

"Kottan ermittelt" war der Wirklichkeit näher, als es die meisten Fernsehserien sind, und aufgrund der zahlreichen Gags, mit denen Drehbuchautor und Regisseur den österreichischen Staatsapparat bedachten, für seine Zeit auch provokant. "Viele hielten Kottan (was uns freut) für den Treffer der Saison, preisverdächtig, eine Wohltat, den Helden der achtziger Jahre. Persönlich wurden (von vielen ORF-Anrufern) die Darsteller, der Regisseur und ich ins KZ gewünscht, an den Galgen oder zumindest ins immerwährende Berufsverbot", schreibt Helmut Zenker. "In einer Salzburger Tageszeitung wurde Kottan als Demokratiefeind und Terrorist bezeichnet. (Die Zeitung ist mittlerweile eingegangen, ihr Herausgeber ist als Intendant in den ORF zurückgekehrt.) Als wir während einer Kottan-Folge (zumindest laut Insert) unbekannte Flugobjekte bei Duisburg landen ließen, forderten viele ein endgültiges Verbot. (Denn: Weder der gemeinsame Flugzeugabsturz mehrerer Politiker oder die europäische Atomkatastrophe würden während einer KOTTAN-Sendung als wahr akzeptiert werden. Auf jeden Fall gehe es nicht an, daß der TV-Zuschauer nicht zwischen Wirklichkeit und TV-Programm unterscheiden kann; wozu er sowieso nicht in der Lage ist.)"

 

Der Duisburg-Scherz ist tatsächlich legendär: In Anlehnung an die Originalausstrahlung des US-Hörspiels "War of the Worlds" von Orson Welles, das von Tausenden Hörern für wahr gehalten wurde, blendeten Patzak und Zenker in der Folge "Kansas City" ein Insert ein, demnach "unbekannte Flugobjekte" bei Duisburg gelandet seien. Weil tatsächlich eine Menge Leute die Landung sahen und verängstigt die Telefonleitungen lahmlegten, während andere nichts von der Landung bemerkten und deshalb beunruhigt halb Deutschland weckten, durfte es auf Wunsch des Mitproduzenten ZDF weitere Scherze dieser Art nicht mehr geben. Die Revanche des Teams folgte in der Episode "Mabuse kehrt zurück" mit einem Inserat am Beginn: "Dieser Film ist Duisburg und allen anderen von UFOs vernachlässigten Städten gewidmet."

 

Einer der geflügelten Witze, die sich Helmut Zenker über die einstigen Herren in Grün ausdachte, zog dereinst sogar eine parlamentarische Anfrage nach sich, ob denn so etwas in Österreich möglich und - vor allem - erlaubt sei: Wie fängt man alle Narren von Wien auf einen Schlag? Indem man ein Netz über dem Wiener Sicherheitsbüro auswirft! "Erst als nach einer parlamentarischen Anfrage der Innenminister persönlich die Sendung als Fiktion bezeichnete, wußte die Polizei, daß sie nicht gemeint war", berichtet Kottan-Verursacher Wolfgang Ainberger.

Vom ORF auf die Suche nach neuen Drehbuchautoren und -stoffen geschickt, war Ainberger auf Helmut Zenker gestoßen. Der damals fünfundzwanzigjährige Autor lieferte zwei Drehbuchvorschläge ab: "Die Initiative" (nach seinem Roman "Kassbach", der später von Peter Patzak sehr erfolgreich fürs Kino verfilmt wurde) und "Kottan ermittelt". Zenker erhielt den Zuschlag für den Wiener Kommissar und Wolfgang Ainberger, der den Deal zustande gebracht hatte, führte ihm "dann österreichische Regisseure mit ihrem Lebenswerk vor, bis wir uns schließlich auf einen einigten. Der willigte ein und hieß nicht Peter Patzak."

Letzgenannter stieß erst zum Kottan-Team, nachdem der Wunsch-Regisseur Zenkers Drehbuch gelesen und das Weite gesucht hatte. "Zu welcher Einschätzung man auch immer kommt, jedenfalls ist 'Kottan ermittelt' unsere Reaktion auf die vorherrschenden Fernsehprogramme. Die Serie erfüllt unseren Anspruch, provokativ und produktiv zu sein", meint Patzak.

In den ersten Episoden, "Hartlgasse 16a" und "Der Geburtstag", ist Adolf Kottan ein zynischer Krimineser - Anfang 40, verheiratet, ein Kind. Verkörpert wird die Rolle anfangs vom Schauspieler Peter Vogel, dann von Franz Buchrieser und ab Episode sechs vom Kabarettisten Lukas Resetarits. Ihm zur Seite stehen seine Kollegen Paul Schremser (im Roman "Kottan ermittelt - Alle Morde vorbehalten" als "einbeiniger Hobbykoch und Vielfraß vom Dienst; trotzdem Dezernatsleiter" charakterisiert; gespielt vom 2003 verstorbenen Walter Davy) und der einfältige Alfred Schrammel ("kriminalistisches Glühwürmchen, unbedeutender Autor und werdender Liebhaber"; gespielt vom 2004 verstorbenen C. A. Tichy). Kottan selbst wandelt sich mit wechselnder Besetzung vom Spießer zum aus der Bahn geworfenen Outlaw: "Einen glücklichen Kottan kann es genauso wenig geben wie einen glücklichen Clown", meinte Patzak über seinen Anti-Helden.

 

Mit dieser Besetzung hat "der Kottan" jedenfalls Fernsehgeschichte geschrieben. Als er gedreht wurde, hieß die Wiener U-Bahn noch Stadtbahn,  die Gasometer waren noch nicht besiedelt, und man sah jede Menge VW-Käfer durchs Bild fahren. "Bei den frühen Folgen mit Buchrieser und Vogel hat manche deutsche Krimireihe fleißig Anleihen gemacht", schrieb Helmut Zenker in seinem Kottan-Lesebuch. "Dagegen haben wir gar nichts. Der TATORT-Schimanski wäre - ohne KOTTAN-Kenntnis - gar nicht entstanden. Daß Schimanski manchmal gleiche Dialoge und Szenen wie früher Kottan hat, finde ich auch nicht aufregend. Daß manche Zeitungen in der Bundesrepublik unüberlegt und lässig Kottan als Alpen-Schimanski begreifen, ist ärgerlich."

Daß der Kottan Ende der 70er Jahre tatsächlich provozierend wirkte und heftigste Publikumsreaktionen hervorrief, charakterisiert sowohl die damalige Fernsehlandschaft als auch das alpenländische Weltbild (wobei sich am Selbstverständnis mancher Politiker und Behörden bis heute nichts geändert hat). In den ersten beiden Folgen mit Peter Vogel spiegelt sich die erwachende Ablehnung der während der sozialistischen Hochkonjunktur ins Land geholten Gastarbeiter wieder. Vom einsetzenden Wohlstand auf die Probe gestellt, waren sich Herr und Frau Österreicher bald zu gut dafür, ihre Drecksarbeit selbst zu erledigen. Die "Einheitszeitung" beispielsweise, in der Kottan & Co. blätterten - manchmal war es auch ein chinesisches Tagblatt oder die "Prawda", um keine tatsächlich existierenden Zeitungen zu zeigen -, gibt es noch immer.

 

"Kottan ermittelt" bezieht seine Zeitlosigkeit nicht zuletzt aus der Reduktion. Deshalb sieht er auch Jahrzehnte später nicht alt aus, obwohl weder Computer noch Mobiltelefone noch DNS-Analysen vorkommen. "Alt" sind manchmal nur die Bilder - oder vielmehr die Motive. Sozusagen nebenbei ist "Kottan ermittelt" auch ein bißchen die Dokumentation einer Stadt in Veränderung, mit archetypischen Schauplätzen, vom Gemeindebau bis zur "Gstettn". Die weitgehend unverbaute Donauinsel, auf der "Totenvogel" Drballa noch ungestört übernachten und am Morgen die obligate Leiche finden konnte, gibt es so heute nicht mehr. Der Bahnhof Landstraße wird seit seinem Kottan-Debüt in "Wien Mitte" bereits zum zweiten Mal komplett umgebaut, und auch der Blick vom "Am Himmel" auf die Stadt hinunter (in "Räuber und Gendarm") zeigt 2010 eine ziemlich in den Himmel gewachsene Skyline. Apropos Gendarm: Der ist als solcher auch nur mehr Überlieferung, weil seit dem Jahr 2005 Teil des Polizeiapparats. Und dessen Dienstkleidung ist längst nicht mehr grün.

 

Während in der Ära Vogel/Buchrieser noch Kriminalfall und Milieustudie im Vordergrund standen, dominiert bei Resetarits bereits der Slapstick - was soweit geht, daß es oft gar keinen richtigen Fall zu lösen gibt und Kottan sogar den Polizeidienst quittiert, um als Privatdetektiv zu arbeiten. Anders als bei US-Serien wie "Dallas" oder "Dynasty", in denen Gesichtsoperationen, Unfälle und ähnliches als Grund herhalten müssen, wenn der Darsteller einer Rolle ausgewechselt wird, hat Frau Resetarits/Kottan die Bilder von Vogel/Kottan und Buchrieser/Kottan auf dem Kamin stehen - ein surrealistisches Element, mit dem herkömmliche TV-Konventionen aufgebrochen werden. "Wenn Kottan nicht stirbt, verändert er sich weiter", schrieb Helmut Zenker über seine Figur (was Kottan irgendwie mit Dr. Who aus der gleichnamigen britischen SF-Serie verbindet, der nach jedem Tod "regeneriert" und mit neuem Gesicht wiederkommt) und blickt sarkastisch in die Zukunft: "Ab 1985 spielt Peter Patzak den Kottan, Lukas Resetarits schreibt die neuen Folgen, die im Fußballer-Milieu oder in Bisamberg spielen werden, ich werde vielleicht Schriftsteller."

 

Daß letztlich doch alles ganz anders gekommen ist, beweist Peter Patzaks Kottan-Revival "Rien ne va plus", das am 3. Dezember ins Kino kommt. Es ist übrigens Kottans zweiter Ausflug auf die große Leinwand: 1980 drehte Patzak mit "Den Tüchtigen gehört die Welt" ("The Uppercrust") parallel zur laufenden Serie einen abendfüllenden Spielfilm, wie man das damals nannte. Allerdings stellten Patzak und Zenker das vom Fernsehen gewöhnte Serienschema auf den Kopf: Lukas Resetaris spielte den Bösen, während der bereits ausgeschiedene Franz Buchrieser den Inspektor gab. In "Rien ne va plus" ist Lukas Resetarits der einzige Überlebende der ursprünglichen Kottan-Crew. Der neue Schrammel wird von Robert Stadlober gespielt, Schremser von Johannes Krisch und Pilch von Udo Samel. Alle drei imitieren ihre Vorbilder nicht, sondern fügen sich in das weiterentwickelte Kottan-Universum ein. "Um es banal zu sagen", meint Lukas Resetarits, "Johannes Krisch hat zwei Beine und läßt Walter Davys Einbeinigkeit erahnen, und das ist einfach grandios." Es sind der gleiche Irrwitz und die karikative Wahrhaftigkeit, die wie eine gewaltige Klammer alles zusammenhalten, vom Mord in der Hartlgasse 16a im Jahr 1976 bis zu den toten Pyramidenspielgewinnern im Jahr 2010.

In "Kottan ermittelt" sind die Dinge nur selten so, wie sie auf den ersten Blick scheinen - vor allem, wenn es um das Fernsehen geht. Deutlich wird das vor allem, wenn die Fernsehsprecherin Chris Lohner plötzlich von der Mattscheibe herunter direkt mit Kottan zu sprechen beginnt, ihm das Programm des nächsten Tages vorlesen will und, als Kottan das Gerät abschaltet, unvermittelt an der Tür klingelt und die Ansage persönlich erledigt. "Natürlich haben wir vieles vergrößert oder verkleinert, übertrieben oder weggelassen", meint Peter Patzak in einem Gespräch mit Joachim Riedl: "Das entspricht auch Brechts Forderung zur Entstellung der Kenntlichkeit. Wir lassen Kottan aus der filmischen Realität heraustreten, etwa wenn er sich beim Publikum für vermeintliche Textschwächen entschuldigt. Er verhält sich sehr wohl unrealistisch und gewinnt dadurch seine eigene Wirklichkeit" - die bisweilen von ausgesprochen skurrilen Typen bewohnt wird, wie etwa vom Sandler Drballa. Der wohnt vornehmlich im Münzklosett und findet jene Leichen, deren Mörder wiederum Kottan finden muß. Auch er entwickelt sich weiter, wird im Laufe der einzelnen Episoden vom Unterstandslosen zum surrealen Totenvogel: Hat er eine Leiche entdeckt, öffnet er den Mund, und eine Sirene ruft Kottan zum Tatort. Seine Seelenverwandschaft mit dem Polizisten fußt auf einer einzigen Gemeinsamkeit: beide sind Verlierer.

Ein weiterer Verlierer ist Kottans höchster Vorgesetzter, der Polizeipräsident Heribert Pilch (gespielt zuerst von Harald von Koeppelle, nach dessen Tod dann von Kurt Weinzierl - der mittlerweile ebenfalls verstorben ist). Sein Abscheu gegen Insekten, speziell gegen Fliegen, läßt ihn ständig am Rande des Wahnsinns entlangtaumeln und die verrücktesten Taktiken entwickeln. Am Ende ist er so weit, daß er mit dem Schnuller im Mund den Kaffeeautomaten im Polizeipräsidium terrorisiert. Auch er ist mit Kottan/Resetarits seelenverwandt: Beide versuchen sich neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als Sänger zu profileren - als Playback-Interpreten von Helmut Zenkers Lieblings-Songs. Den Durchbruch schaffen beide nicht. Über Auftritte bei Gartenfesten an der Alten Donau wird "Kottans Kapelle" nicht hinauskommen, zumindest nicht im Film.

Zur großen Gemeinde der Loser gehören auch jene Politiker und Beamte, die sich seinerzeit nicht entblödeten, öffentlich nach Zensur zu schreien. Aber die Zeit ist gerecht: Die Politiker von damals sind heute kein Thema mehr; entweder sind sie über ihre eigenen Skandale gestolpert oder, ohne einen nennenswerten Abdruck in der Zeit zu hinterlassen, in Pension gegangen. Fest steht hingegen: Den Kottan gibt es immer noch, auf Video, als geschätztes Wiederholungsprogramm und im Kino. Letzteres dauerte immerhin mehr als ein Vierteljahrhundert, und nicht ohne Grund stammt die Schlußnummer der letzten Episode von den Rolling Stones: "The Last Time" in der Version von Bobby Bare. "Nach dem Ende der Serie gab es diese Trauer, vor allem über die Art, wie der ORF das abgesetzt hat, und danach die klare Haltung: 'Das kann man nicht aufwärmen, das ist kein Gulasch, das mit jedem Aufwärmen besser wird.' " 

 

Wenn im Kinofilm "Rien ne va plus" Kottans Suspendierung nach 27 Jahren kurzzeitig aufgehoben wird, ist aus ihm fast das Gegenteil des Kieberers geworden, der in der Hartlgasse 16a nach Jugoslawen gesucht hat. Auch der Rebell der späten TV-Folgen ist in die Jahre gekommen, und das hat dem Charakter durchaus gut getan. Ein bißchen hat man den Eindruck, als wäre Adolf Kottan dem Glücklichsein am Ende doch noch zumindest nahegekommen.

"Zerschossene Träume hieß ein früher Kinofilm von Peter Patzak, Wahnsinnig glücklich ein Theaterstück von Helmut Zenker", schreibt Wolfgang Ainberger. "Ihre letzte gemeinsame Kinoarbeit nannten sie Den Tüchtigen gehört die Welt. In allen drei Titeln versteckt sich Ironie."

Tatsächlich.
 

 

Dem Volk aufs Maul geschaut

Ausgewählte Zitate rund um die "Kottan"-Erstausstrahlung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Drballa: "Den Erwin hat’s erwischt."

Horvath: "Wen?"

Drballa: "Der Erwin bin i."

Horvath: "Wer hat dich erwischt?"

Drballa: "Die Krise!"

(aus: "Kottan ermittelt - Wien Mitte")

 

"Diffamierung eines ganzen Berufsstandes und Entwürdigung der Kriminalpolizei."

(Stefan Haiden, Landesvorsitzender der öffentlich Bediensteten Oberösterreichs über "Kottan ermittelt - Wien Mitte" in den Oberösterreichischen Nachrichten, 1977)

"Eine ausgemachte Schweinerei!"

(Hofrat Dr. Johann Feldbacher, stellvertretender Polizeidirektor in Salzburg über "Kottan ermittelt - Wien Mitte" zum Salzburger Volksblatt, 1977)

"Kottan, ein Berg im Krimi-Flachland."
(Westfälische Rundschau über "Kottan ermittelt - Hartlgasse 16a", 1976)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
"Mich wundert, daß die Polizei sich das gefallen läßt. Ein Kriminalbeamter, der sich so benimmt wie dieser Herr Vogel, gehört entlassen. Ich war selber 45 Jahre Polizist und weiß darüber etwas auszusagen."
(Leserbrief in der Südost Tagespost über "Kottan ermittelt - Hartlgasse 16a")

"Ein heiter-spannender Kriminalfilm mit typisch wienerischer Provenienz, der sich sehen lassen kann."
(Die Presse über "Kottan ermittelt, Hartlgasse 16a", 1976)

"Statt des Menschlichen die nackte Niedertracht, statt des wienerischen Milieus die Gosse. Erstaunlich, daß sich Schauspieler wie Peter Vogel, Louise Martini, Heinz Ehrenfreund, Elfriede Ramhapp usw. dafür nicht zu gut waren."
(Salzburger Volksblatt über "Kottan ermittelt - Hartlgasse 16a", 1976)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pilch (liest Schlagzeilen aus der Zeitung vor): "Inspektor verletzt eigenen Kollegen mit Maschinenpistole schwer."

Kottan: "Des war net bei uns."

Pilch: "Polizei fährt nach Banküberfall zur falschen Filiale."

Kottan: "War in Innsbruck."

Pilch: "Und war hat zwei Funkstreifen die Reifen zerschossen?"

Schremser: "Der Schrammel."

(aus: "Kottan ermittelt - Die Einteilung")

 

"In einem Schreiben an den ORF-Generalintendant Oberhammer hat der Sicherheitssprecher der Wiener Volkspartei, Fürst, gegen die 'unverantwortliche Diskreditierung der Exekutive und ihrer Arbeitsmethoden' in der TV-Sendung 'Kottan ermittelt' protestiert."
(Tiroler Tageszeitung, 1977)

"Gewerkschaftsvorsitzender Rudolf Sommer verlangte in einem Telegramm an ORF-Generalintendant Oberhammer die Einstellung der Fernsehserie, andernfalls die Gewerkschaft geeignete Maßnahmen überlegen müsse."
(Salzburger Volksblatt, 1977)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Der ORF hat schon so manchen überflüssigen Film ausgestrahlt, aber der letzte Kottan hat alles übertroffen. Der Österreicher wird täglich mit primitiven Leuten konfrontiert, muß er sich auch am Abend, wo er eigentlich Erholung und Ruhe genießen will, solchen Unsinn ansehen?"
(Leserbrief an die Kronen Zeitung)

 

"Das Buch ohne Ideen war von Helmut Zenker, die einfallslose Regie von Peter Patzak."
(Insert am Schluß von "Kottan ermittelt - Kansas City")

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anm: Die Textzitate stammten, so nicht anders angegeben, aus den Büchern "Filme" von Peter Patzak und "Kottan ermittelt ... Ein Lesebuch" von Helmut Zenker, beide ursprünglich erschienen im Europaverlag. Beim Bildmaterial handelt es sich um Pressephotos oder um Screenshots aus der bei EuroVideo erschienenen DVD-Edition.

Chris Haderer

Kottan ermittelt

ØØØØØ

Die Serie

Leserbewertung: (bewerten)

1976-1984, 19 Folgen; Episoden 1-5 à ca. 90 Minuten, Episoden 6-19 à ca. 60 Minuten
Produktion: Satel-Film, ORF
Regie: Peter Patzak, Drehbuch: Helmut Zenker

Stammbesetzung: Peter Vogel (Kottan 1), Franz Buchrieser (Kottan 2), Lukas Resetarits (Kottan 3), C. A. Tichy, Walter Davy, Bibiane Zeller, Carlo Böhm, Harald von Koeppelle (Pilch 1), Kurt Weinzierl (Pilch 2), Gusti Wolf, Franz Surada

Die wichtigsten Gaststars: Maria Bill, Eddie Constantine, Chris Lohner, Stefan Weber (Drahdiwaberl), Louise Martini, Erni Mangold, Michael Schottenberg, Hanno Pöschl

Links:

Den Tüchtigen gehört die Welt

ØØØ

(The Uppercrust)

Leserbewertung: (bewerten)

Kinofilm, Ö/USA 1980, 113 Minuten

Produktion: Peter Patzak und Richard Chase in Zusammenarbeit mit Satel-Film, Wien, ORF und Baytide Films, San Francisco

Regie: Peter Patzak, Drehbuch: Helmut Zenker und Peter Patzak

Darsteller: Franz Buchrieser (Adolf Kottan), Bibiane Zeller, Walter Davy, Lukas Resetarits, Peter Neubauer, Maria Bill, Michael Schottenberg

Gaststars: Alfred Worm, Hanno Pöschl, Peter Turrini, Dieter Seefranz, Dieter Berner

Links:

Kottan ermittelt: Rien ne va plus

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Ab 3. 12. 2010 im Kino


Kinofilm, Ö 2010, 95 Minuten

Regie: Peter Patzak, Drehbuch: Jan Zenker
Darsteller: Lukas Resetarits, Bibiana Zeller, Robert Stadlober, Johannes Krisch

Links:

Was mag es bedeuten?

Für unsere deutschen Nachbarn ...


Bassena: "Wasserleitungshahn mit Becken, der sich auf dem Gang befindet; Substandardwohnungen heißen halbamtlich Bassenawohnungen; vom französischen bassin, ital. bacio = Waschbecken"

Ki(e)berer: "Kriminalbeamter, auch: Polizist; vom mittelhochdeutschen kieben = schelten oder - unwahrscheinlich - vom hebräischen kewjus = Sicherheit"

Krimineser: "a) Bewohner der Krim in Wien, b) Kriminalbeamter, c) Ausruf des Ärgers." Entscheiden Sie selbst.

Sandler: für: "Faulpelz, Schnorrer, Arbeitsloser, Unterstandsloser"

Schrammel, Alfred: Der Name kommt vom Ausdruck "Schrammeln", laut dem Dialektführer "Sprechen Sie Wienerisch?" von Peter Wehle: "Die Wiener Heurigenmusik: zwei Fiedln, a Klampfn, a Maurerklavier; Gründer waren die Brüder Josef und Johann Schrammel aus Litschau im österreichischen Waldviertel." Fiedln sind Geigen, a Klampfn eine Gitarre und ein Maurerklavier eine Ziehharmonika. Wenn Sie mehr über die Schrammeln wissen wollen, empfehlen wir den Film "Schrammeln" von Gezá von Bolvary mit Hans Moser und Paul Hörbiger (erschienen bei Taurus Film Video, München, und GIG-Video, Wien).

 

Zitate aus: "Sprechen Sie Wienerisch?" von Peter Wehle

Bild: Photogalerie des Landespolizeikommandos Oberösterreich

Links:

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