Musik_All Stars - I´ve Seen You All Before

Etikettenschwindel

Statt Presseinfos verschickt die fünfköpfige Band aus Helsinki Wunschzettel mit ironischem Unterton. Warum sonst nennen sie sich auch All Stars?    20.04.2004

Das hauseigene Label American Brother$ erfüllt ebenso kaum den gewählten Werbeslogan von "The richest company in the world". "Yes, we are a band", sagen die All Stars. "We come from Finland, Helsinki. We come in peace." Und das mit merkwürdigen Künstlernamen im Gepäck, die sich andererseits in die gewählte Art der Band-Präsentation nahtlos einfügen. Mary Christmas etwa bezirzt das Mikro, um hinterher um Vergebung für die verdorbenen Sinne ihrer Bandkollegen zu beten. Aksu Blackrider wirft sich in Intelligenz heuchelnde Posen und ist im Kern doch "as stupid as a rubberboot". Die spinnen, die Finnen! Weder in Wort noch Bildsprache bleibt das Quintett ernsthaft genug, um das Grübeln über den Grad der Ironie auszusparen.

So detailverspielt wie im Begleittext mögen es die Fünf auch bei der Hauptsache. Obwohl Marys Vocals nie so hochseeklar ins Zentrum geschoben werden wie bei "Somebody to Love", ist die Assoziation mit Jefferson Airplane berechtigt, wie auch die mit Kate Bush in der Art, wie die Wörter ausdriften, durchscheint. Die "Critical Mass" ist ein protestierender Geräuschhaufen, aus dem sich der Gesang erst mit einigem Anlauf filtern läßt. "Breaker of the Heart" bestreitet in aller Klarheit, des Herzbrechens schuldig zu sein. Im kalten Kaffee nach Erinnerungen sucht "Better Alone" - und schafft es doch nicht hinlänglich, davon zu überzeugen, daß Einzelgänger besser dran sind.

"I´ve Seen You All Before" bietet elf Songs, die weit vom Chanson entfernt sind und trotzdem dessen luftig-leidende Note versprühen.

Bernadette Karner

All Stars - I´ve Seen You All Before

ØØØ 1/2


American Brother$ (Finnland 2003)

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Kommentare_

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