All Stars - I´ve Seen You All Before
ØØØ 1/2
American Brother$ (Finnland 2003)
Statt Presseinfos verschickt die fünfköpfige Band aus Helsinki Wunschzettel mit ironischem Unterton. Warum sonst nennen sie sich auch All Stars? 20.04.2004
Das hauseigene Label American Brother$ erfüllt ebenso kaum den gewählten Werbeslogan von "The richest company in the world". "Yes, we are a band", sagen die All Stars. "We come from Finland, Helsinki. We come in peace." Und das mit merkwürdigen Künstlernamen im Gepäck, die sich andererseits in die gewählte Art der Band-Präsentation nahtlos einfügen. Mary Christmas etwa bezirzt das Mikro, um hinterher um Vergebung für die verdorbenen Sinne ihrer Bandkollegen zu beten. Aksu Blackrider wirft sich in Intelligenz heuchelnde Posen und ist im Kern doch "as stupid as a rubberboot". Die spinnen, die Finnen! Weder in Wort noch Bildsprache bleibt das Quintett ernsthaft genug, um das Grübeln über den Grad der Ironie auszusparen.
So detailverspielt wie im Begleittext mögen es die Fünf auch bei der Hauptsache. Obwohl Marys Vocals nie so hochseeklar ins Zentrum geschoben werden wie bei "Somebody to Love", ist die Assoziation mit Jefferson Airplane berechtigt, wie auch die mit Kate Bush in der Art, wie die Wörter ausdriften, durchscheint. Die "Critical Mass" ist ein protestierender Geräuschhaufen, aus dem sich der Gesang erst mit einigem Anlauf filtern läßt. "Breaker of the Heart" bestreitet in aller Klarheit, des Herzbrechens schuldig zu sein. Im kalten Kaffee nach Erinnerungen sucht "Better Alone" - und schafft es doch nicht hinlänglich, davon zu überzeugen, daß Einzelgänger besser dran sind.
"I´ve Seen You All Before" bietet elf Songs, die weit vom Chanson entfernt sind und trotzdem dessen luftig-leidende Note versprühen.

All Stars - I´ve Seen You All Before
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American Brother$ (Finnland 2003)
Thomas Hansen hat den Heiligenschein wieder hervorgeholt und aufpoliert. Der Norweger nimmt sich Zeit zum Erzählen von Geschichten, die der Nachdenklichkeit genug Raum und der Melodie ausreichend Auslauf bieten, um in Schwung zu kommen.
Seit 2002 geben vier Schwedinnen leise Laute von sich. Schlicht und bescheiden schwelgen sie in wohliger Traurigkeit, um gleich darauf mit einem Hochgefühl aufzuerstehen.
Für ihre Ausdauer beschenken sich die Lassos mit eigenen Songs und legen nach elf Jahren Band-Geschichte ihr drittes Album vor. Motto: wie früher, aber anders.
Melodienmangel und Ideenlosigkeit sind für ihn ebenso Fremdwörter wie Schreibblockaden. Auf seinem aktuellen Album übt Will Oldham sich in der Kunst des Loslassens.
Die Schweden machten nicht nur durch ihre Musik, sondern auch durch rotzfreche Vergleiche auf sich aufmerksam. Der naive Übermut ist weg - aber goschert sind sie heute noch.
Es war einmal ein Songwriter, der auf der Suche nach Musikern und einem passenden Namen in Hollywood fündig wurde. Wo ließe sich Erfolg auch besser lernen?
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