Musik_Andrew Liles - Miscellany Deluxe

Frühes Opus magnum

Der britische Sound-Tüftler legt mit einer 13-teiligen CDR-Box sein komplettes Frühwerk in einer wunderschön gestalteten Spezialaufmachung vor.    14.01.2005

Spätestens seit Andrew Liles' sensationellem Wien-Konzert Ende letzten Jahres ist der Mann aus Brighton auch hierzulande kein Geheimtip mehr. Vor wenigen Jahren tauchte sein Name plötzlich im Umfeld solcher Ambient-Meister wie Colin Potter oder Andrew Chalk auf, und von dort ist er mit seinen sensationellen Releases seither auch nicht mehr wegzudenken. Liles verbindet dronige Ambientsounds mit einfachen, aber effektiven Melodien und streut gern das eine oder andere Störgeräusch ein, um seine Hörer herauszufordern. Sein musikalisches Hauptcharakteristikum ist dabei der Einsatz oft unheimlich wirkender Stimmen, die von Geisterkindern oder ähnlich spukigen Begegnungen erzählen.

Jetzt hat der Meister all seine vor seinem Debüt-Album produzierten Arbeiten in einer wunderschön gestalteten Box gesammelt und unter dem Namen "Miscellany Deluxe" herausgebracht. 13 CDRs finden sich darin, die alles von den ersten Aufnahmen im Jahr 1984 bis zu einem Livekonzert im Jahr 2003 in den USA enthalten.

 

"Birthday" ist das Re-Issue eines wunderschönen Albums, das ursprünglich in einer Auflage von drei Stück an Freunde zum Geburtstag verteilt wurde. Chinesisch angehauchte Melodien werden dem Geburtstagslied "Happy Birthday to you" entgegengestellt, wobei es Liles sogar mit diesen kindlich-kitschigen Zutaten schafft, das ganze ein wenig unheimlich klingen zu lassen. "I curse all who ever wronged us" wurde ursprünglich in Mini-Auflage bei einem Konzert in London vor fünf Jahren verkauft und ist ein Musterbeispiel für spannenden Minimalismus. Elektrische Störgeräusche treffen hier auf den sich ständig wiederholenden Satz "We hate you" und kulminieren später in einem krachigen Finale.

"Prelude to An Un-World" enthält Frühversionen und alternative Mixe des gleichnamigen Albums auf Infraction Records. "My pink Derriere" sammelt die ersten musikalischen Gehversuche und bereits diese klingen besser als 95% von dem, was im Bereich alternative Elektronik heute so herauskommt. Die Kompositionen sind noch melodielastiger als spätere Tracks, und es verirren sich auch ein paar Beats dazwischen. "Love Song" erschien ursprünglich als Vinylschallplatte und "Miscellany" ist ein Sampler von Bits and Pieces, die sich sonstwo im Liles´schen Archiv verloren hätten.

Die Cover sind in einheitlich-ansprechendem Design, oft wirken sie, als wären sie von oder für Kinder gemacht worden, die Kartonbox ist handgebastelt und mit Stempeln verziert. 13 CDRs, das klingt im ersten Moment viel, doch wenn man diese Box besitzt, dann kann man guten Mutes 20 CDs von anderen Genre-Künstlern wegwerfen. Und somit bekommt man nicht nur sensationell gute Musik zu hören, sondern kann auch noch im CD-Regal Platz sparen.

Walter Robotka

Andrew Liles - Miscellany Deluxe

ØØØØ 1/2


Macrophonies (GB 2004)

 

Erhältlich im Mord + Musik

 

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