Julie Doiron - Goodnight Nobody
ØØØØØ
Jagjaguwar/Cargo (USA 2004)
Anfang der Neunziger wurde sie als Mitglied der Psych-Folker Eric´s Trip bekannt. Seit der Auflösung der Band versucht es die Kanadierin als Singer/Songwriterin im Alleingang. 03.09.2004
Technischer Aufputz vermag unterdurchschnittliches Song-Material zumindest auf ein Mittelmaß zu heben. Worte werden in einem Klangmeer ertränkt, um von ihrer Bedeutungslosigkeit abzulenken. Die einfache, aber langweilige Melodie wird durch eine Harmonienverstärkung aufgefettet. Das Ergebnis wirkt bekannt und erweist sich unmittelbar nach der Veröffentlichung gerade deshalb als äußerst Airplay-tauglich; allerdings liegen Erscheinungs- und Ablaufdatum relativ dicht beieinander.
Solche und ähnliche Kritikpunkte zielen freilich mit beträchtlichem Abstand an Julie Doirons "Goodnight Nobody" vorbei. Das aktuelle Album der kanadischen Chanteuse besinnt sich nämlich auf das Wesentliche, auf die in Worten, Tönen und im Gesang bewiesene Ausdrucksstärke. Im Hintergrund geben irgendwo Drums den Takt vor, der Griff in die Tasten bleibt die Ausnahme ("Dance All Night"). In der Hauptsache liefern nämlich die von Herman Düne umsichtig gespielten Gitarren die Begleitung, die jedoch eindeutig Nebensache bleibt. Zur Seite drängt sie der klare Gesang der Kanadierin, der bei all seiner Einfachheit doch sehr präzise die Vielschichtigkeit der Stimmungslage wiedergibt.
Die Lieder und die in sie hineingepackten Gefühle stehen für sich selbst und haben auch so zu funktionieren, weshalb die karge Sound-Landschaft als Umsetzung auch am besten für sie paßt. Sie sind unaufdringlich und zurückhaltend, ohne dabei aber etwas verschweigen zu wollen. Die Kanadierin findet zu klaren Worten, denen jegliche Zweideutigkeit fern liegt. "Goodnight Nobody" ist ihr Rückzugsgebiet vorm Familienleben, auf das sie in den Texten Rückschau hält. Diese Lyrics wirken so, als wären sie in bewußter Trennung (auf Tour?) geschrieben worden, um eine genauer umrissene Reflexion zu ermöglichen.
Die Sehnsucht nach dem gewohnten Leben und Lieben ist unsentimental und gerade dadurch berührend in die Songs mit hineingeschrieben. Keine langatmigen Geschichten werden auf dem Tonträger aufgerollt. Vielmehr finden sich darauf zwölf knappe Episoden (inkl. einem Instrumental), die in keiner Weise konstruiert wirken, sondern einfach dem momentanen Gedankenfluß folgen.

Julie Doiron - Goodnight Nobody
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Jagjaguwar/Cargo (USA 2004)
Thomas Hansen hat den Heiligenschein wieder hervorgeholt und aufpoliert. Der Norweger nimmt sich Zeit zum Erzählen von Geschichten, die der Nachdenklichkeit genug Raum und der Melodie ausreichend Auslauf bieten, um in Schwung zu kommen.
Seit 2002 geben vier Schwedinnen leise Laute von sich. Schlicht und bescheiden schwelgen sie in wohliger Traurigkeit, um gleich darauf mit einem Hochgefühl aufzuerstehen.
Für ihre Ausdauer beschenken sich die Lassos mit eigenen Songs und legen nach elf Jahren Band-Geschichte ihr drittes Album vor. Motto: wie früher, aber anders.
Melodienmangel und Ideenlosigkeit sind für ihn ebenso Fremdwörter wie Schreibblockaden. Auf seinem aktuellen Album übt Will Oldham sich in der Kunst des Loslassens.
Die Schweden machten nicht nur durch ihre Musik, sondern auch durch rotzfreche Vergleiche auf sich aufmerksam. Der naive Übermut ist weg - aber goschert sind sie heute noch.
Es war einmal ein Songwriter, der auf der Suche nach Musikern und einem passenden Namen in Hollywood fündig wurde. Wo ließe sich Erfolg auch besser lernen?
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