Kristofer Åström & Hidden Truck - So Much For Staying Alive
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Startracks/V2/edel (Schweden 2005)
Kristofer Åström versucht, aus der Stille zu flüchten und schlägt sich dabei scheinbar auf die Fireside durch. 29.03.2005
Beim robusten Sound seiner Hauptband Fireside angekommen ist der Schwede freilich noch nicht. Das hat er sich ohnehin nicht zum Ziel gesetzt, denn er würde sich kaum zweimal derselben Musik verschreiben wollen. Nicht ohne Grund hatte er ja nebenher mit und ohne den Musikern von Hidden Truck zu veröffentlichen begonnen. Die leichtfüßigeren, wenn auch von einer schwelenden Traurigkeit durchzogenen Stücke boten ein ideales Gegengewicht zu Fireside. Während der letzten Jahre rückte das Ausgleichsprogramm immer stärker ins Zentrum der Beschäftigung - mit dem Resultat, daß Åström mittlerweile eine Auflockerung für seine Soloaktivitäten braucht. So hat er die auf "Loupita", seinem letzten Album, noch vielgebrauchte akustische Gitarre von den Aufnahmen zu "So Much For Staying Alive" verbannt. Dadurch bekommen Songs wie "The Wild" gleich einen völlig anderen Anstrich; der Name hat endlich seine richtige Paßform. Tatsächlich ist in mehreren Stücken ein Extrakt Fireside´scher Ausgelassenheit spürbar. Auf der Suche danach wird man in erster Linie zwischen den Zeilen fündig. Thematisch dreht sich Åström immer noch viel zu gern im Kreis um menschliches Versagen mit einem Hang zur Selbstanklage. Durch die Arrangements verliert sich aber jegliche Wehleidigkeit. Es ist nämlich deren Umsetzung, wodurch sich die neuen Stücke von der bisher vertrauten Norm unterscheiden. Zartgefühl wird durch rauere Gitarrengriffe stärker als bisher auf die Textebene geschoben und die Melodie allein bedrückt nur mehr in Fällen des völligen Verzichts auf die Stromgitarre ("Empty Hands"). Ansonsten läßt sie sich auch gar nicht mehr die Zeit, um zu Herzen zu gehen, sondern nimmt die Abzweigung in andere Körperteile. Je schwungvoller die Lieder sind, desto ungeduldiger wirken sie auch. Durch "The Good You Bring" etwa streicht eine gewisse Rastlosigkeit. Bei "The Black Dog" preßt Åström seine Stimmbänder derart zusammen, daß ein Krampf eigentlich nicht ausbleiben kann. Auf diese Weise verdichtet er seine Energie jedoch derart, daß man dem Schweden abnimmt, er hätte mit mühsam unterdrückter Wut zu kämpfen. Bevor sie zum Ausbruch kommen kann, wird sie durch das überlegte und für ihn typischere "Man Of Steel" abgebremst.
Und doch ist kein durchgehend wilder Gitarrenrock auf "So Much For Staying Alive" zu finden. Vielmehr hat es Kristofer Åström hingegen geschafft, sich aus einer kleinformatigen Songwriteridylle herauszuheben.

Kristofer Åström & Hidden Truck - So Much For Staying Alive
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Startracks/V2/edel (Schweden 2005)
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