Musik_Nagisa Ni Te - Dream Sounds

Weniger ist mehr

Eile mit Weile, aber ohne diese japanische Band. Lärm und Zeitdruck haben in der Traumwelt von Nagisa Ni Te keinen Platz.    06.04.2005

Vier Stücke zeigt das Booklet an, die - will man der Übersetzung der Schriftzeichen ins Englische Vertrauen schenken - ohne sonderlich umfangreichen Text ihr Auslangen finden. Die zahlenmäßige Begrenzung legt die Vermutung nahe, "Dream Sounds" als EP beschreiben zu können, aber das funktioniert nicht ob der Maßlosigkeit der Spieldauer. Also doch ein Album. Damit nicht genug legen Nagisa Ni Te mit dieser langen Kürze nach dem Motto "Aus alt und neu wird neuer" eine Art Best Of vor. Tatsächlich eignet sich das Album hervorragend zum Einstieg in das Werk der Band. Nebenbei gewöhnt es an die hierzulande unverbrauchte fernöstliche Song-Sprache. Im Gegensatz zum unbeachtenden Geplätscher in Sushi-Restaurants macht sich "Dream Sounds" auch im Vordergrund gut.

Im Kern von Nagisa Ni Te stehen Masako Takeda und Shinji Shibayama, die sich sowohl die Schreibarbeit als auch den Gesang aufteilen. Der Wechsel von männlicher zu weiblicher Lead-Stimme

verhindert bei aller Harmonie eventuelles Aufkommen von Eintönigkeit im Ansatz. In der Tat geben sich die beiden meist sehr "kleinlaut" und bei der Zusammensetzung der Takte wenig impulsiv. Mit Überraschungen wie abrupten Themenänderungen in den Kompositionen oder übermütigen Ausbrüchen eines Instrumentes aus der Melodie muß nicht gerechnet werden. Auch das Gitarrensolo in "The True Sun" fügt sich mehr zum Ganzen als aus ihm herauszuragen. In den Texten gebärden sich Nagisa Ni Te als echte Kinder der Natur, was sich in den wortlosen Strecken zum Esoterischen zieht. Der Bandname ist als Ehrerweisung zu verstehen, bedeutet Nagisa Ni Te doch nichts anderes als "On The Beach". Das gab´s schon mal als Album, 1975, von Neil Young. Auf "Dream Sounds" verlaufen sich seine Spuren und machen gerade bei "Anxiety" einer entspannten Fröhlichkeit Platz, die zu jeder Party geladen werden sollte.

Bernadette Karner

Nagisa Ni Te - Dream Sounds

ØØØØ


Jagjaguwar/Cargo (USA 2005)

 

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Kommentare_

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