Musik_Wan Light - Let´s Wake Up Somewhere Else

Gutgefärbtes Erwachen

Simple Popmelodien, eingebettet in ein Futteral aus leicht hallender Elektronik, inspiriert von den Flaming Lips und 22 Pistepirkko - so klingen Songs, die Grübelhymnen sein wollen.    26.11.2003

Sie haben doch alle ihre großen Vorbilder...

Immer wieder stolpert man in Presseaussendungen und Band-Interviews über den Marketing-technischen Schachzug, Namedropping mit berühmten oder wenigstens mit "street credibility" ausgestatteten Musikgruppen zu betreiben. Schließlich färbt bei ein wenig Geschick der positive Mehrwert der erwähnten Kapelle auch auf den Nachwuchs ab - vor allem, weil ja gleich danach meist die gefinkelte Distanzierung von den Idolen folgt. Denn selbstverständlich ist die eigene Band etwas Besonderes, völlig Eigenständiges, das sich nicht an etablierte Namen anhängen müsse. So weit, so blabla.

Die Pressetexte von Wan Lights vergessen nie, der Band ein Naheverhältnis zu Mercury Rev und den Flaming Lips anzudichten. Mit Sicherheit haben Krister Svensson und Manne Karnock in ihren Stockholmer Wohnungen Alben wie "Yoshimi Battles the Pink Robots" auch tatsächlich griffbereit und in Hörweite. Und selbstredend blitzen auf ihrem eigenen Werk vertraute Klangelemente auf: Hier wie da intoniert mit sanftem Charme eine nicht vollkommen bruchfreie Stimme eingängige Popmelodien der gepflegten Nachdenklichkeit. "Let´s Wake Up Somewhere Else" enthält 15 solcher Songs. Der Unterschied in der Längenbemessung ändert nichts am einfachen Strickmuster der Beispiele für durchgängig gutes, tiefpunktloses Liedgut.

Tatsächlich ragt aber auch wenig aus dieser Ausgeglichenheit heraus. Es ist kaum anzunehmen, daß die Auskopplung von "Get It Straighter" durch langwierige Überlegungen verschleppt wurde...

 

Bernadette Karner

Wan Light - Let´s Wake Up Somewhere Else

ØØØØ


Labrador (Schweden 2003)

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Kommentare_

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