Whitehouse - Bird Seed
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Susan Lawly (GB 2003)
Pure Noise Terror. Diese Band hat es immer schon verstanden, das Publikum musikalisch (ähem) und textlich abzuwatschen. Daß die Pseudointellektuellen-Mafia sie jetzt mit den Billigetiketten "Ironie" und "Satire" versieht, tut der Gewalt keinen Abbruch. 24.03.2003
Whitehouse gehören seit ihrer Gründung vor mehr als 20 Jahren zu den umstrittensten Bands der Musikgeschichte. Ihre frühen Alben ("Dedicated To Peter Kürten", "Buchenwald" etc.) setzten sich ausschließlich mit Mord, Vergewaltigung oder den Greueln des dritten Reiches auseinander. War es in den politisch korrekten 90er Jahren äußerst unpopulär, sich als Whitehouse-Fan zu outen, so gehören sie spätestens seit den Huldigungen eines Aphex Twin und Jean-Michel Jarre oder den Lobeshymnen im "NME" wieder zu den anerkannten Pionieren der experimentellen Elektronik. Man habe ja immer schon gewußt, daß Satire hinter den oberflächlich gewaltverherrlichenden Texten steht ...
Sound-mäßig haben sich Whitehouse seit ihren letzten drei Alben drastisch weiterentwickelt. Gab es früher pure Power-Electronics-Attacken mit weißem Rauschen, so verirrt sich heute auch der eine oder andere Rhythmus auf ihre CDs. Ihre einzigartige Kraft haben sie dabei keineswegs verloren, denn die Texte werden mit ungetrübter Leidenschaft ins Ohr des Hörers geschrien: "Just remind yourself: remember you´re fat, remember you´re stupid, remember you´re ugly. Just like your fucking mother. Just like your fucking father. You´re a disgrace, you´re a total disgrace" heißt es im Stück "Wriggle Like A Fucking Eel". Wer da die Ironie nicht erkennen will, dem kann leider nicht geholfen werden. Whitehouse sind halt immer noch das Original, und neben ihnen schaut so manche junge Noise-Band wie ein Haufen braver Klosterschüler aus.

Whitehouse - Bird Seed
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Susan Lawly (GB 2003)
Die Düsseldorfer Elektroniklegenden haben offensichtlich von den vielen Raubpressungen die Nase voll und bringen endlich ein offizielles Live-Album auf den Markt.
Eine wiederauferstandene deutsche Kultband zeigt den Jungspunden, wo der Bartel den Most herholt. Diesmal nicht nur auf Kassette.
Wie ein Berserker bastelt Steve Stapleton an seinem Klanguniversum - und schiebt drei neue Werke nach.
Zwei Damen liefern ein wunderbares Beispiel dafür ab, was man an klassischer Avantgarde alles hassen kann.
Die Edition Phantasia legt mit "Esswood House" eine seltene Novelle des renommierten Horror-Autors erstmals in ungekürzter Form auf.
Ambient, die x-te: ein weiteres angenehmes Album voller wabernder Elektronik-Sounds reiht sich nahtlos in eine lange Liste ein.
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