Print_Haruki Murakami - Gefährliche Geliebte

Eine phantastische Liebesgeschichte

Als verhängnisvolle Affäre entpuppt sich für Ehemann Hajime die Liaison mit der zwielichtigen Exfreundin.    02.09.2002

Haruki Murakamis "Gefährliche Geliebte" war das Buch, das das literarische Quartett um Marcel Reich-Ranicki zum Platzen brachte. Die allesamt betagten Herrschaften konnten sich nicht darüber einigen, ob es sich dabei um ein hocherotisches Werk handle - oder um Trash-Literatur eines überbewerteten japanischen Shooting-Stars. Die Geschichte des Romans ist schnell erzählt: Ich-Erzähler Hajime hat allen Grund, mit seinem Leben zufrieden zu sein. Er ist glücklich verheiratet, hat zwei Töchter und besitzt eine schicke Jazzbar in einem Tokioter Nobelviertel. Eines Tages taucht in eben jenem Club seine Exfreundin und große Liebe Shimamoto auf, und Hajime läßt sich wieder auf eine Affäre mit der mysteriösen Frau ein. Er will sogar seine Familie wegen ihr verlassen, doch nach einer romantischen Nacht in einem abgelegenen Ferienhaus ist die Nebenbuhlerin plötzlich spurlos verschwunden...

Man kann "Gefährliche Geliebte" als erotisches Buch lesen (explizit genug ist es ja) oder auch als Entwicklungsroman. In keinem Fall aber sollte man übersehen, daß die Story auch eine übernatürliche Komponente enthält, da die Figur der Shimamoto von Anfang an äußerst dubios angelegt ist; die Vermutung, daß sie aus dem Totenreich zurückgekehrt ist, drängt sich auf. Murakami erzeugt damit ein Gefühl der Verstörung, schafft jedoch gleichzeitig literarische Identifikationsfiguren mit denselben Bedürfnissen, Wünschen und Fehlern, wie sie auch der Leser kennen dürfte. Und das ist doch immer eine Erleichterung...

Walter Robotka

Haruki Murakami - Gefährliche Geliebte

ØØØØØ

(Kokkyo no minami Taiyo no Nishi)


btb/Goldmann (München 2002)

 

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