Helmut Krausser - UC
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Rowohlt (Reinbek 2003)
Nichts ist, wie es scheint. Daß muß auch Stardirigent Hermannstein erkennen, als er zum Hauptverdächtigen in einem 20 Jahre zurückliegenden Mordfall wird. 02.06.2003
Helmut Kraussers Bücher zeichnet seit jeher ein Hang zum Phantastischen aus. Wurde in "Der große Bagarozy" der Teufel noch höchstpersönlich heranzitiert, so sind die Identitäten in seinem neuesten Roman weniger eindeutig und bis zum Schluß unklar. Die Abkürzung "UC" steht für das griechische Wort "Ultrachronos" - ein Zustand, den der Mensch angeblich in der Stunde seines Todes erreichen soll, wenn sein Leben noch einmal wie ein Film vor ihm abläuft.
Arndt Hermannstein ist ein erfolgreicher Dirigent, der ein sorgloses Leben führt - bis er zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall wird, der 20 Jahre zurück liegt. Die Ereignisse überschlagen sich: Angeblich seit Jahren Tote tauchen wieder auf, und eine Exfreundin gibt es plötzlich zweimal, während ein esoterisch angehauchter Guru Hermannsteins Leben besser zu kennen scheint als er selbst. Alle Möglichkeiten, die sich dem Dirigenten je geboten haben, existieren gleichzeitig und verwirren den Protagonisten so sehr, daß der einzige Ausweg der Tod zu sein scheint.
Krausser bezeichnet "UC" als sein bisher ambitioniertestes Buch, sein "Opus summum", das all seine bisherigen Geschichten und Themen in sich vereint. Die Handlung beginnt verworren, klärt sich langsam auf, und in dem Moment, wo man glaubt, die Geschichte zu verstehen, stellen sich alle Annahmen als falsch heraus. "UC" entzieht sich jeder eindeutigen Interpretation und Auflösung und bleibt somit ein faszinierendes Werk, das förmlich nach wiederholter Lektüre schreit.

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