Geschichten mit Groove

Gestohlene Stradivaris, tote Rockstars, Heiratsschwindler mit Jazz-Obsessionen und Gangsta-Rapper - John Harveys Kurzgeschichtensammlung "Blue Lightning" ist ein gelungenes Arrangement verschiedenster literarischer wie musikalischer Stile.

"Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum", hat Nietzsche einmal gesagt. Unter diesem Motto präsentiert John Harvey, Autor von zahlreichen Kurzgeschichten mit Detektiv Charlie Resnick, eine Sammlung mit neun Short stories, die sich alle irgendwie um das Thema Musik drehen. Dabei ist der Stil der vertretenen Autoren genauso unterschiedlich, wie das Spektrum an vorhandenen Musikrichtungen breit ist.

So berichtet Liza Cody in "Walking Blues" vom traurigen Leben und Sterben des Rockstars Robber und wie seine Freundin damit zurecht kommt; in Jeffrey Deavers "Nocturne" bekommt man die Erlebnisse eines jungen Polizisten zu lesen, der sich erfolgreich auf die Suche nach einer gestohlenen Stradivari macht. James Sallis philosophiert in "Abgesänge" über Musik im allgemeinen und kommt dabei von Mozart zu "Casablanca"; Neville Smith erzählt in "Kummer am Abend" eine subversive, eigentlich ganz amüsante Story über korrupte Polizisten; und schließlich läßt Herausgeber John Harvey in "Cool Blues" seinen Detektiv Resnick einen Heiratsschwindler anhand dessen Jazz-Vorlieben schnappen. Gut gelungen ist auch die nett geschriebene Titelgeschichte "Blue Lightning" von Walter Mosley, in der der Ex-Häftling Socrates Fortlow die Möglichkeit bekommt, in die Gesellschaft zurückzukehren; dann aber erkennt, wer er ist, und sich dazu entscheidet, mit dem, was er hat, zufrieden zu sein und sich mit seinem einfachen Leben abzufinden.

Von Pop und Rock über Rap, Country und Blues bis zu Jazz ist jede erdenkliche Musikrichtung in einer oder mehreren Geschichten vertreten, die bis auf ein paar wenige Aussetzer durchwegs gut gelungen und amüsant zu lesen sind. Am Ende des Buchs findet man kurze Biographien der Autoren, Anmerkungen zu deren Musikgeschmack sowie Kommentare zu ihren Kurzgeschichten.

Nicht zu Unrecht bezeichnet die London Times die Sammlung von Kurzgeschichten als den "... unterhaltsamsten Krimi des Jahres". Schade nur, daß die deutsche Version im Gegensatz zu den achtzehn Geschichten der Originalausgabe nur eine Auswahl von gerade einmal der Hälfte enthält; trotzdem eine durchaus nette Sammlung von Kriminalstories zum Thema Musik.

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Über den Herausgeber:
John Harvey, der Herausgeber, wurde 1938 in London geboren und ist Lehrer, respektierter Lyriker, Verleger und - seit dem ersten Auftritt seines Helden Charlie Resnick - fester Bestandteil der internationalen Literatur-, Jazz- und Krimiszene. Harvey lebt mit seiner Familie in London.