Ein mörderischer Künstler

Dieses Buch könnte Alpträume bescheren - zumindest wenn es in Österreich nur halb so viele mordsattraktive Tiefgaragen gäbe wie in deutschen Fernsehkrimis. Aber Renate Kampmann ist ja auch eine TV-Serien-erprobte Autorin, wie sie in ihrem Roman "Die Macht der Bilder" beweist.

Schon den Beruf von Leonie Simon würden viele als düster charakterisieren. Als Gerichtsmedizinerin ist sie - neben der Dokumentation von Gewaltverletzungen - für die Obduktion von Mordopfern zuständig. Doch Renate Kampmanns Krimiheldin findet den Leichenkeller viel weniger gruselig als so manches, was zwischen Lebenden geschieht.

Kaum hat sie nach langer Abwesenheit eine neue Stelle in ihrer Heimatstadt Hamburg angetreten, wird sie auch schon mit einer Serie ungewöhnlicher Frauenmorde konfrontiert. Die toten Frauen sind am Tatort wie berühmte Gemälde drapiert (z. B. wie die den Buchumschlag zierende "Proserpina" von Dante Gabriel Rossetti). Zusätzlich verfolgen Leonie eigene traumatische Erinnerungen und Alpträume.

Es geschehen immer weitere Morde, aber die polizeilichen Ermittlungen rund um den Banderas-Verschnitt Kaminski treten auf der Stelle - trotz Psychologin, die ein Täterprofil zu erstellen versucht. Involviert sind auch ein berühmter Thriller-Autor, der angeblich die Morde vorhersieht und dabei selbst in Verdacht gerät, dessen Schwester sowie ein aufdringlicher Polizeiphotograph. Und das obligatorische Hamburg-Feeling wird natürlich ebenfalls mitgeliefert.

Im unterirdischen Obduktionsraum findet - wie könnte es anders sein? - nach über 500 Seiten Suspense schließlich das Finale statt. Ein bißchen bleibt trotzdem offen, und das wirkt wie ein Hintertürchen für weitere (Serien-?)Fälle.

Kampmanns Roman "Die Macht der Bilder" ist, ebenso wie das Pathologische Museum in Wien, unter Garantie ein guter Tip für hitzegeplagte Menschen, die sich nach ein bißchen Gänsehaut sehnen. Das Buch ist spannend und routiniert, aber keineswegs stereotyp geschrieben und bietet interessante Einblicke in einen Job, den man in der Krimiszene erst in den letzten Jahren ein bißchen besser kennenlernt. Was fehlt, ist allerdings ein Glossar zu den vielen Fachbegriffen. Denn kaum ein Leser wird sich - im Gegensatz zur Autorin, die als Hospitantin in der Gerichtsmedizin tätig war - das notwendige Wissen angeeignet haben...

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Über die Autorin:
Renate Kampmann, 1953 in Dortmund geboren, lebt in Hamburg. Sie arbeitete als Journalistin, Theaterdramaturgin und TV-Produzentin in Hamburg und Berlin; seit 1995 ist sie freie Schriftstellerin und schrieb zahlreiche Drehbücher. "Die Macht der Bilder" ist ihr erster Roman.