Video_DVD-Tips 3/2009

"With a little bit of luck ..."

Briten bescheren uns feinste B-Ware aus den Fünfzigern. Schweden zeigen vor, was für Geschichten man wirklich im Sozialbau erzählen kann. Ansonsten im Programm: seelenloses Blockbuster-Kino, abgehalfterte Genre-Stars, japanischer Irrsinn und zwei Musicals, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.    24.06.2009

Jürgen Fichtinger

Die Teufelswolke von Monteville

ØØØ/ DVD-Features: ØØØØ 1/2

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(GB 1958/Region 2/Anolis)

 

Mit seiner Edition Galerie des Grauens treibt das deutsche Liebhaber-Label Anolis Freunden alter B-Movie-SF mit Sicherheit den Freudenschweiß auf die Stirn. "The Crawling Eye", hierzulande als "Die Teufelswolke von Monteville" bekannt, eröffnet die neue Reihe. Basierend auf einem Drehbuch von Hammer-Veteran Jimmy Sangster inszenierte Quentin Lawrence einen herrlichen 90-Minüter: In der kleinen Ortschaft Trollenberg, inmitten der Schweizer Alpen, sorgen eine mysteriöse Wolke, verschwindende Bergsteiger und deren oftmals kopflose Leichen für Aufregung. Zum Glück kommt US-Wissenschaftler Alan Brooks (Forrest Tucker) mitsamt zwei medial begabten Urlauberinnen (bezaubernd: Janet Munro & Jennifer Jayne) daher und der Wurzel allen Übels auf die Spur. Es folgen schaurige Beobachtungen, Panik, großartige außerirdische B-Kreaturen (an die sich wohl auch Phil Tippet für das Design des Brainbug in "Starship Troopers" erinnerte) und jede Menge nonchalanter Genuß von Zigaretten und Alkohol. Ja, das waren halt noch Zeiten ...

Als besonderes Ausstattungszuckerl findet man auf der DVD neben dem sachkundigen Audiokommentar vom Genre-Experten Rolf Giesen einen weiteren - exklusiv für diese Auflage - von Maestro John Carpenter höchstpersönlich. Der hat den Film, wie es sich gehört, in seiner Kindheit gesehen und ließ sich davon gleich für den "Nebel des Grauens" inspirieren. Wir wünschen genußvolle Unterhaltung und freuen uns mit Ihnen auf weitere Ausstellungsstücke der Galerie.

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So finster die Nacht

ØØØØØ

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(Schweden 2008/Region 2/Ascot Elite)

 

Stellen Sie sich eine Mischung aus Angela Sommer-Bodenburgs "Der kleine Vampir" und dem schwülstigen "Twilight" vor. Jetzt machen Sie aus der Hauptfigur einen zwölfjährigen Außenseiter am Rande der Stockholmer Gesellschaft, dessen Eltern geschieden sind, den seine Mitschüler drangsalieren und der letztlich ein Kind der Nacht kennenlernt. Dann lassen Sie den ganzen Kitsch, Kinderkram und Hokuspokus weg. Heraus kommt ein Film, der mehr mit Abel Ferraras "The Addiction" und Tony Scotts "The Hunger" zu tun hat als mit den thematisch entfernt verwandten Streifen.

Thomas Alfredsons Verfilmung von John Erik Ajvide Lindqvists Roman "Låt den rätte komma in" ist nicht nur eine unaufdringlich inszenierte und berührende Geschichte, sondern mit Sicherheit einer der besten Genrebeiträge der letzten Jahrzehnte. Dringend sehenswert - und wirklich so gut wie überall behauptet. (Lesen Sie auch unsere ausführliche Besprechung.)

 

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My Name is Bruce

ØØ

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(USA 2007/Region 2/Capelight Pictures)

 

"Give me some sugar, baby!" lauteten die unvergeßlichen Worte der einzig männlichen Scream Queen Bruce Campbell in "Army of Darkness", Sam Raimis dritter Folge der seinerzeitigen "Evil Dead"-Reihe (hierzulande besser bekannt als "Tanz der Teufel"). Campbells Paraderolle Ash vergißt man bestimmt nie wieder; die immer noch riesige Fan-Gemeinde und die anhaltende Forderung nach "Evil Dead 4" belegen das ebenso wie die Beliebtheit seiner ersten Autobiographie "If Chins Could Kill: Confessions of a B Movie Actor". Was läge also näher, als eine Geschichte zu basteln, in der ein echter Trash-Dämon eine Kleinstadt bedroht und der town nerd sein Idol entführt, damit mighty Bruce den Herrschaften aus der Patsche hilft? Was nach einem wunderbaren tongue in cheek-Stoff klingt, entpuppt sich leider als ziemlich unbeholfener Blödsinn und ist maximal für Campbell-Fans sehenswert. Schauen Sie sich stattdessen lieber nochmals Don Coscarellis "Bubba Ho-tep" an oder warten Sie einfach, bis die US-Serie "Burn Notice" endlich bei uns anläuft, um Bruce wieder halbwegs in Form zu erleben.

 

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Eagle Eye

ØØ 1/2

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(USA 2008/Region 2/Paramount)

 

Mit der Spielberg-Produktion "Disturbia" positionierte Regisseur D. J. Caruso shooting star Shia LaBeouf am Blockbuster-Horizont; ein paar Roboterkämpfe und Peitschenschwingereien später wollte man den damaligen Erfolg wiederholen. LaBeouf spielt diesmal einen jungen Taugenichts, der aus heiterem Himmel tonnenweise Terroristenbedarf sowie ein volles Bankkonto geliefert bekommt und prompt ins Visier diverser Regierungsbehörden gerät. Lediglich eine mysteriöse Frauenstimme ist ihm per Handy immer einen Schritt voraus und lenkt seine Schritte. Dabei kontrolliert sie scheinbar nicht nur sämtliche elektronischen Geräte - von der Verkehrsampel bis hin zum Baukran -, sondern stellt ihm auch noch eine weibliche Komplizin zur Seite. Gemeinsam müssen die beiden jede Anweisung befolgen und sind ihren Verfolgern oft nur eine Nasenlänge voraus ...

Konnte man "Disturbia" noch guten Gewissens als soliden Nervenkitzler durchgehen lassen, ist bei "Eagle Eye" das Malen-nach-Zahlen-Prinzip der Drehbuchautoren zu offensichtlich. Da jagt eine Explosion die nächste, während LaBeouf und Michelle Monaghan vor Billy Bob Thornton davonrennen und allesamt nur die üblichen Klischeefiguren verkörpern. Selbst die durchdrehende künstliche Intelligenz Aria wirkt im Vergleich zu ihren Vorfahren - man erinnere sich an Colossus, Proteus IV, HAL 9000 oder Skynet - wie ein aufmüpfiger iPod. Lediglich ihre Motivation (die wir Ihnen nicht verraten wollen) fußt auf einem interessanten Gedankengang. So bleiben leider nur unspektakuläres Möchtegern-Spektakel und eine DVD mit minimalen Extras. Schade drum.

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Fast Forward


Futureworld

ØØØ 1/2

(USA 1976/Region 2/Koch Media)

 

Zwei Jahre hat es gedauert, bis Delos ihren Freizeitpark nach dem "Westworld"-Debakel wieder eröffnen konnten. In der im All angesiedelten Installation will man dem Besucher wieder die ultimative Traumwelt anbieten; das Ergebnis sieht naturgemäß anders aus. Das Reporterduo Peter Fonda und sein widerspenstiges Liebchen Blythe Danner läßt sich von der PR-Maschinerie jedenfalls nicht einlullen, findet den Fehler im System und muß ihn an die Öffentlichkeit bringen.

Richard T. Heffron ist mit "Futureworld" ein flottes Sequel zur Michael-Crichton-Verfilmung gelungen, das trotz seines Alters keinerlei Staub angesetzt hat und unterhält. Schade nur, daß keinem der beiden Filme bisher eine Umsetzung als Special Edition zuteil wurde. Verdient hätten sie´s.

 

The Machine Girl

ØØØ

(Japan 2008/Region 2/I-On New Media)

 

Daß mit japanischen Schulmädchen nicht zu spaßen ist, wissen wir spätestens seit Takashi Miikes "Fudoh - The New Generation". In Noburu Iguchis "Kataude mashin gâru" legen es ein paar junge Tunichtgute - Ninja-Yakuzas (!) - trotzdem darauf an. Als Waisen-Teenie Ami ihr Brüderchen gegen die Rabauken verteidigt, schnappen sie sich die Göre. Sie nehmen sie ordentlich her, hacken ihr zum Abschluß den Arm ab und verschaffen ihr dadurch den Platz für ein mörderisches Accessoire ... "The Machine Girl" ist ein wunderbar überdrehter B-Movie-Blödsinn, der leider für die deutsche Veröffentlichung einiges an Splatter-Federn lassen mußte. Da greift man sich angesichts der "Keine Jugendfreigabe"- Kennzeichnung erneut an den Kopf und hofft, daß der verantwortliche Zensor in seinem nächsten Glückskeks keinen Sinnspruch findet, sondern das entsprechende Filmzitat: "Du schneidest dir jetzt einen Finger ab und entschuldigst dich bei ihm!" Freunde des Genres können trotzdem einen Blick riskieren.

Ob die fehlenden fünfeinhalb Minuten den Import der der ungeschnittenen US-Version oder limitierten japanischen Collector´s Edition rechtfertigen, bleibt jedem selbst überlassen. Das Sequel "The Hajirai Machine Girl" ist jedenfalls schon fertig.


Repo! The Genetic Opera

Ø 1/2

(USA 2008/Region 2/Kinowelt)

 

Ein finsteres Endzeitszenario mit Biotech-Corporation, Organhandel und Gesang? Klingt wunderbar, und die ersten Bilder ließen seinerzeit hoffen. Das Ergebnis ist leider nicht nur unterdurchschnittlich und höchst langweilig, sondern auch mit schlechten Musical-Einlagen gespickt. Schade drum.

 

My Fair Lady - Special Edition

Nice-Price-Tip

ØØØØ 1/2

(USA 1964/Region 2/Warner)

 

Apropos schlechte Musical-Einlagen und Langeweile: keines von beidem findet man in George Cukors Klassiker "My Fair Lady". Wenn Rex Harrison als Linguistik-Professor Henry Higgins einer Wette wegen dem Gossenmädchen Eliza Doolittle (Audrey Hepburn) via Sprachunterricht über die Grenzen der Klassengesellschaft hinaushelfen will, ist das trotz einer Laufzeit von knapp drei Stunden immer noch ein exquisites Vergnügen, schon wegen Harrisons wunderbarer "Ode to Him" und der umfangreichen DVD-Ausstattung. Bei der Gelegenheit legen Sie sich am besten gleich "The Sound of Music" zu. In diesem Sinne: Climb every fuckin´ mountain!

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