Video_DVD-Tips 4/2006

Sherlock und Adolf

Finstere Wälder, dystopische Comic-Visionen und tödliche sekundäre Geschlechtsorgane aus Polen treffen im DVD-Land auf koksende Meisterdetektive und zynische Produzenten.    03.11.2006

 

Jürgen Fichtinger

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The Woods


(USA 2005/Region 2/MGM)

 

Still und heimlich hat er sich unter die hiesigen DVD-Veröffentlichungen geschummelt: Lucky McKees neuer Horrorstreifen "The Woods". Der Regisseur, der bereits mit seinem morbiden tapferen Schneiderlein "May" zu gefallen wußte und in der "Masters of Horror"-Episode "Sick Girl" auf den Spuren der Fliege wandelte, erzählt diesmal von einem Mädcheninternat in den 60ern, in dem reichlich Unfug und Hexerei betrieben werden. Und auch ein Männlein steht im Walde - allerdings ist es alles andere als still und stumm, da es immerhin von der einzig männlichen Scream-Queen, Mr. "Evil Dead" Bruce Campbell, verkörpert wird. Diesen Schatz gilt es zu heben

 

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V wie Vendetta


(USA 2005/Region 2/Warner)

 

Alan Moore hat es eindeutig nicht leicht, wenn es um die Verfilmung seiner Comics geht. Während Frank Miller dank "Sin City" eindeutig auf der Siegerstraße ist (auch der erste "300"-Trailer läßt Großes vermuten), mußte sich Moore mit höchst halbgaren Streifen zufrieden geben: "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" war im Vergleich zum Original eine Farce, und auch "Constantine" wurde dem echten "Hellblazer" keine Sekunde lang gerecht. Lediglich "From Hell" konnte man noch durchgehen lassen ...

Leider kann es auch "V for Vendetta" nicht mit der wirklich großartigen Vorlage aufnehmen - aber wen wundert´s, wenn die Gebrüder Wachovski ihre Finger im Spiel haben. Auch die DVD-Umsetzung läßt zu wünschen übrig. Um überhaupt etwas für sein Geld zu bekommen, muß man zur Doppel-DVD-Variante greifen und erhält neben einer hübschen Blechschachtel trotzdem nur ein paar blasse Featurettes. Ob Marvel oder DC nun die besseren Superhelden hat, muß jeder selbst für sich entscheiden; wenn es jedoch um DVD-Dokumentationen geht, haben die Herrschaften rund um Stan Lee eindeutig die Nase vorn. Auf "V wie Vendetta" gibt es nicht einmal einen Audiokommentar für jene Fans, die viel zuviel Zeit haben. Vielleicht hätte sich der Regisseur darin rechtfertigen müssen, warum sein Film auf der Leinwand nicht zu überzeugen wußte und man nach Ansicht des Trailers bereits alles Wichtige gesehen hat. Warten Sie also lieber, bis der Titel ins Nice-Price-Segment gewandert ist und investieren Sie stattdessen in die unbedingt lesenswerte Comic-Vorlage (ursprünglich beim Speed-Comics-Verlag erschienen, inzwischen vom "Fastfood-Riesen" Panini neu aufgelegt).

 

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Napoleon Dynamite


(USA 2004/Region 2/Paramount)

 

Wie der Alltag amerikanischer Durchschnitts-Teenager laut Hollywood aussieht, weiß man spätestens seit "American Pie" - und "Elephant" offerierte das amoklaufende Gegenstück dazu.

In Jared Hess´ MTV-Movie wiederum wird endlich gezeigt, daß auch das Nerd-Dasein einem langen, ruhigen Fluß gleicht, wenngleich einem mit vielen skurrilen Blubberbläschen. Wenn Napoleon Dynamite (Jon Heder) und sein Kumpel Pedro (Elfren Ramirez) unter anderem für die Schulpräsidentschaft kandidieren oder versuchen, ein Date für den Abschlußball zu ergattern, während Onkel Rico Tupperware und Brustvergrößerungsapparaturen verkaufen will, muß man einfach schmunzeln. Trotz fehlender Spannung oder mitreißender Momente - auf platten Schenkelklopfhumor hat Hess glücklicherweise ebenfalls verzichtet - will man sich einfach nicht von diesen Herrschaften trennen. Kritische Geister werden nach Ansicht des Spektakels vielleicht dennoch die berühmte Frage "Was ist Sinn von dieses" stellen ...

Als Bonus gibt es neben Deleted Scenes ein Audiopalaver von Regisseur und Drehbuchautor.

 

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Teuflische Brüste 1 & 2


(USA 1974/Region 2/cmv Laservision)

 

Dank der (inzwischen leider verstorbenen) Doris Wishman erhielt die Phrase "You´re busted" in den goldenen Siebzigern eine ganz besondere Bedeutung - schickte die Regisseurin doch das polnische Busenmonster Chesty Morgan gleich zweimal ins Rennen, um bösen Buben höchst mütterlich den Garaus zu machen.

In "Deadly Weapons" rächt Chesty ihren Liebsten, der von ein paar schmierigen Ganoven kalt gemacht wurde; in "Double Agent 73" spielt sie die Geheimagentin Jane inklusive in die Brust implantierter Kamera. Eingedenk der Tatsache, daß die gute Frau Wishman (Jahrgang 1912!) selbst im neuen Jahrtausend noch Streifen mit den Titeln "Satan Was A Lady", "Each Time I Kill" und "Dildo Heaven" inszenierte, ist es offensichtlich, daß sie ihre kultige Nudie-Nische durch und durch liebte. Ebenfalls mit dabei: Harry Reems, der sowohl in "Deep Throat" als auch "The Devil in Miss Jones" ordentlich zuzustechen wußte und des öfteren neben Altstars wie Linda Lovelace, Ginger Lynn usw. bestehen mußte, sowie Gaylord St. James, den man vielleicht noch aus Wes Cravens diabolischem "Last House on the Left" in Erinnerung hat.

Wer sich von Doris Wishman meyereske Erotik erwartet, sollte allerdings lieber die Finger von diesen Machwerken lassen, da es hier bloß schmierigen Trash in Reinkultur zu sehen gibt. Aber mehr will man ja gar nicht, oder? Da verzeiht man auch die Kargheit der beiden DVDs in Sachen Bonusmaterial - immerhin haben nicht einmal die amerikanischen Kollegen von Image Entertainment diesbezüglich etwas vorzuweisen.

 

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Sherlock Holmes im Doppelpack


Sherlock Holmes Classics Collection - Teil 1

(USA 1939-1943/Region 2/Koch)

Sherlock Holmes - Staffel 2

(GB 1986/Region 2/Koch)

 

Was die eine in der Brust hat, hat der andere im Kopf. Die kleinen grauen Zellen des britischen Meisterdetektivs führten so manchen gefinkelten Ganoven seiner gerechten Strafe zu.

Die klassische Holmes-Film-Reihe mit Basil Rathbone und Nigel Bruce serviert uns in gestochen scharfer Bildqualität die beiden ersten Klassiker "Der Hund von Baskerville" und "Die Abenteuer des Sherlock Holmes". Danach mutierte der geniale Ermittler in "Die Stimme des Terrors" und "Die Geheimwaffe" zum Pulp-lastigen Actionhelden im Kampf gegen die bösen Nazis. (Ja, auch damals hatten US-Marketing-Abteilungen schon supergute Ideen ...) Im beiliegenden Booklet erfahren wir, welche Dialog-Gags und -Anspielungen in den deutschen Synchrofassungen "weggelassen" wurden, und auch die Audiokommentare des Holmes-Spezialisten David Stuart Davies haben einen ordentlichen Informationsnährwert.

In der zweiten Staffel der britischen Holmes-Fernsehserie kehrt dafür wieder Jeremy Brett als nadelverliebtes Superhirn mit einer gehörigen Portion Arroganz zurück, natürlich wieder in Begleitung von Edward Hardwicke. Ebenfalls mit an Bord: vier bisher unveröffentlichte Folgen sowie ein 96 Seiten starkes Buch.

 

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Action

Import-Tip: USA


(USA 1999/Region 0/Sony)

 

Bevor Ricky Gervais mit seinen "Extras" Gemeinheiten innerhalb des Filmgeschäfts ansiedelte, drehte sich bereits in der von Joel Silver produzierten Serie "Action" alles um die haßgeliebte Branche. Mit viel bösem Humor, Seitenhieben auf reale Persönlichkeiten und den in keiner Weise romantisierten Hollywood-Alltag sticht und schneidet die erste Season im Blockbuster-Geschäft herum, daß es eine Freude ist.

Wer kann dem Produzenten Peter Dragon (Jay Mohr) schon widerstehen, wenn er dem Senatsausschuß bei einem Hearing bezüglich filmischer Gewaltglorifizierung auf die Frage, ob er seiner Tochter noch in die Augen schauen könne, antwortet: "I manage. I never voted to subsidize the growing of tobacco, while turning my back on food programs for starving kids. I´ve never vetoed a gun control bill; all MY guns are fake, Senator. I´ve never rushed to the defense of Kuwaiti oil fields, while ignoring genocide in Africa, because big oil companies that line your fat pockets aren´t concerned with black Africa. Those are all productions of YOUR company, Senator, this company right here!"

Szenen wie diese sind wahrscheinlich einer der Gründe, warum man das schwarze Schaf nach der wunderbar boshaften und politisch völlig unkorrekten ersten Staffel abgesetzt hat. Das einzig vergleichbare Werk: George Huangs "Swimming With Sharks" mit einem nicht minder fiesen Kevin Spacey als Producer Budy Ackermann.

 

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