Die Tiefseetaucher
ØØØ 1/2
(The Life Aquatic with Steve Zissou)
USA 2004
119 Min.
dt. Fassung und engl. OF
Regie: Wes Anderson
Darsteller: Bill Murray, Owen Wilson, Cate Blanchett u. a.
Haubentaucher are go: Wes Andersons skurrile Tauchfahrt mag konstruiert wirken und ihre Längen haben. Einige der grandiosesten Szenen dieses Filmjahres bietet sie trotzdem. 21.03.2005
Steve Zissou (Bill Murray) hat schon bessere Zeiten gesehen. Die Karriere des einstmals weltberühmten Meeresforschers bekam deutliche Schrammspuren, seine Frau (Anjelica Huston) entfremdete sich von ihm, und sein bester Kamerad wurde von einem mysteriösen Hai gefressen. Eben dieses Tier, den sogenannten Jaguarhai, aus Gründen der persönlichen Rache zur Strecke zu bringen, scheint für den zynisch gewordenen Ozeanographen die letzte Möglichkeit, um sowohl Ruhm als auch innere Ruhe wiederzuerlangen. Also unternimmt er mit den verschrobenen Gestalten (u. a. Willem Dafoe als deutscher Ingenieur und Seu Jorge als Sicherheitsdirektor, der Bowie-Songs auf portugiesisch anstimmt) seines "Team Zissou" eine vielleicht letzte große Expedition mit seinem abgetakelten Schiff Belafonte. Vorher macht er allerdings noch die Bekanntschaft mit Ned (Owen Wilson), der sein unehelicher Sohn ist. Eventuell.
Es ist wirklich nicht leicht, den Inhalt von "The Life Aquatic with Steve Zissou" - leider sehr banal als "Die Tiefseetaucher" eingedeutscht - wiederzugeben, ohne dabei falsche Erwartungen zu wecken. Noch schwieriger ist es allerdings, mit sich selbst ins Reine zu kommen, was man denn von dem Gezeigten zu halten hat.
Nein, das ist kein Abenteuerfilm, keine Meeresdoku und auch keine Komödie. Und ist all das dann doch. Nur eben anders, auf einer Metaebene quasi. Der Humor ist so schrullig und unterschwellig, daß ihn ungeduldige Gemüter auch gut und gerne übersehen und -hören könnten, Action findet bis auf eine grandios over the top umgesetzte Schlacht mit Piraten (inklusive anschließender Inselstürmung) auch nicht statt, und die Untermeereswelten sind allesamt am Computer erschaffen, künstlich.
Und das ist auch das Wort, das den Film am besten umreißt: künstlich. Damit muß man klarkommen, denn das ist von Regisseur Wes Anderson bewußt so gewollt. Anderson wird ja spätestens seit "The Royal Tenenbaums" gern als Musterschüler eines neuen, nonkonformistischen Hollywood-Kinos gepriesen. Doch so unorthodox, clever und schräg sein Zugang auch sein mag, verliert er sich doch auch bei "Life Aquatic" gerne in übertriebener Detailverliebtheit und selbstreferentieller Verschrobenheit - und der Film als Ganzes damit sein Gerüst. Merkwürdigerweise stört dies das Vergnügen aber kaum, was nicht zuletzt an der toll aufspielenden Darstellerriege liegt. Kurzum: "Die Tiefseetaucher" ist kein Film, den man unbedingt lieben wird, wohl aber einer, den man sich wegen vieler überzeugender Momente immer wieder gerne ansehen wird wollen. So paradox kann Kino sein.

Die Tiefseetaucher
ØØØ 1/2
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