Kino_Lone Ranger

Totgesagte leben länger

Mit seiner "Fluch der Karibik"-Trilogie spülte das Trio um Jerry Bruckheimer, Gore Verbinski und Johnny Depp rund 2,6 Milliarden Dollar in die Kinokassen. Nun schickt Disney die drei in die Wüste - zumindest in die des Wilden Westens. Ihre Blockbuster-Adaption einer US-Kultfigur scheint allerdings zu floppen. Und das zu Unrecht.    12.08.2013

Vor ein paar Wochen erst prophezeiten Steven Spielberg und George Lucas an der University of Southern California bei einer Institutseröffnung eine Blockbuster-Implosion. Vier oder mehr Filme mit Megabudget würden eine finanzielle Bruchlandung hinlegen, mit Auswirkungen auf die Zukunft des Kinos und der kreativ an ihm Beteiligten.

Mit derartigen Bruchlandungen kennt man sich bei Walt Disney seit vergangenem Jahr aus, als "John Carter" zum Kassen-Reinfall wurde. Dabei war der Film keineswegs schlecht, sondern einfach nur katastrophal vermarktet worden. Und auch dieses Jahr steht Disney scheinbar wieder ein Flop in Form von "Lone Ranger" ins Haus.

 

Mit kolportierten Produktionskosten von 250 Millionen Dollar ist die Adaption des kultigen US-amerikanischen Radio- und Fernsehhelden der bis dato teuerste Western aller Zeiten. In den USA spielte der Film an seinem Startwochenende jedoch nicht einmal ein Achtel seines Budgets wieder ein, die schlechten Kritiken im Feuilleton tragen ihren Teil dazu bei.

In "Lone Ranger" erzählt Regisseur Gore Verbinski die Geschichte des gesetzestreuen Anwalts John Reid (Armie Hammer), der aus New York gen Westen heimkehrt. Dort muß Reid mit ansehen, wie der Kriminelle Butch Cavendish (William Fichtner) seinen Bruder und dessen Texas Rangers ermordet. Knapp mit dem Leben davongekommen, verbündet sich Reid als maskierter Lone Ranger mit dem Komantschen Tonto (Johnny Depp).

Tonto hat selbst noch eine offene Rechnung mit Cavendish. Als wäre das nicht schon genug, müssen Reid und er auch noch einen Krieg zwischen Weißen und Indianern verhindern, als der Eisenbahner Latham Cole (Tom Wilkinson) seine Zuggleise durch das Land der Ureinwohner legt und noch dazu in Besitz von Reids Jugendliebe und Schwägerin Rebecca (Ruth Wilson) sowie ihres Sohnes kommt.

 

Es ist somit jede Menge los im Wilden Westen, den Produzent Jerry Bruckheimer ähnlich pompös in den Bundesstaaten New Mexico und Utah zum Leben erweckte wie einst die Piratenlandschaft seiner "Fluch der Karibik"-Filme. "Diese Figuren konnten seit ihrer Erfindung noch jede Generation für sich begeistern", sagte Bruckheimer im Vorfeld über das US-Kulturerbe Lone Ranger und Tonto.

Im Jahr 1933 als Radiohörspiel entwickelt, wurden über einen Zeitraum von 21 Jahren immerhin fast 3000 Folgen der Abenteuer des Duos ausgestrahlt. Nicht minder populär war die Fernsehserie, die von 1949 bis 1957 lief. Zu jener Zeit war der Western die Mutter aller Genres - und erst im Januar 2013 erklomm Quentin Tarantinos Rache-Western "Django Unchained" als aktuelle Version die Kino-Jahrescharts in Österreich und Deutschland.

 

"Lone Ranger" zeigt sich sichtlich bemüht, in die Fußstapfen seiner Vorgänger zu treten. So integriert Verbinski dutzende Referenzen an Klassiker des Genres, von "Der General" über "Zwei glorreiche Halunken" bis hin zu "Spiel mir das Lied vom Tod" und "Vier Fäuste für ein Halleluja" - ob es sich nun um Requisiten, Zitate, Kameraeinstellungen oder musikalische Anklänge an Ennio Morricone handelt.

Dabei verkommt der Film aber nicht zur bloßen Sammel-Hommage, sondern bemüht sich durchaus, selbst Originelles auf die Beine zu stellen. Bemerkenswert ist zudem, daß versucht wurde, die Antagonisten etwas individueller als sonst in Blockbustern zu gestalten. Zum Beispiel ist Latham Cole zwar ein geldgieriger, aber auch einsamer Mann, der sich eine Familie wünscht.

Auch Barry Pepper in einer Nebenrolle als korrumpierter Kavallerist ist weniger klassischer Bösewicht denn jemand, der einen Fehler gemacht hat und keinen Ausweg mehr sieht. Weitaus weniger Profil erhält da schon Helena Bonham Carter in einem vergessenswerten Gastauftritt als Bordellbesitzerin. Der Fokus, daraus macht der Film keinen Hehl, liegt aber klar auf Tonto und dem Lone Ranger. In dieser Reihenfolge.

 

War Tonto einst der treue Sidekick des maskierten Gesetzeshüters, so wirken die Rollen in diesem Film eher vertauscht. Johnny Depps Komantsche fungiert nicht nur als Erzähler der Geschichte und somit als narrative Klammer, sondern seine Motivation für die Jagd nach Cavendish ist letztlich auch die weitaus prominentere im Filmgeschehen. Überraschend ist, daß "Lone Ranger" nicht an kritischem politischen Subtext spart.

Die Verletzung von Verträgen, die Rolle des Landesdiebstahls für den Aufstieg Amerikas zur Weltmacht und der kalkulierte Genozid an den Ureinwohnern werden von Verbinski, wo es sich anbietet, in die Handlung eingestreut. Daß der Regisseur dabei bald die gedrückte Stimmung durch einen visuellen Gag wieder aufhellt, wirkt zwar mitunter deplaziert, mindert aber nicht die Intention der Szenen.

Zuvorderst will der Film jedoch ein Western-Abenteuer mit humoristischen Untertönen sein – und dies gelingt ihm eigentlich über seine gesamte Laufzeit hinweg. Die ist mit zweieinhalb Stunden zwar etwas länger geraten als nötig, aufgrund der unterhaltsamen Darbietung stört dies aber nicht wirklich. Ein paar Szenen hätte man aber durchaus kürzen können, da sich bisweilen Redundanzen einstellen.

 

Immerhin kommentieren auch die übrigen Figuren dann die Tatsache, daß Tonto und Reid mehr als einmal von den vermeintlich Toten wieder zurückkehren. Aber gerade das grandiose Zugfinale wäre noch imposanter ausgefallen, wenn der Film seine erste Action-Szene nicht bereits ebenfalls für einen Zug verwendet hätte. Dennoch zählt das Finale mit zu den spektakulärsten Action-Einlagen, die das Kino 2013 zu bieten hat.

Es wäre gelogen, zu behaupten, "Lone Ranger" hätte keine Schwächen. Im Gegenteil, davon hat der Film mehr als genug. Seine Qualität zeigt sich jedoch darin, daß man sie ihm nur bedingt zum Vorwurf machen will. Zu vergnüglich gerät das Zusammenspiel von Depp und Hammer, zu unterhaltsam der gesamte Film als solcher. Daß er nicht im Studio gedreht und anschließend in schlechtes 3D konvertiert wurde, verdient ebenso Lob.

Infolge der Reinfälle von "John Carter" und "Lone Ranger" wird man sich bei Disney nun wohl zwei- bis dreimal überlegen, in welchen Film man als nächstes Summen um die 200 Millionen stecken will. Noch hat Gore Verbinskis Western-Hommage aber die Chance, mit ihrem Kinostart in Europa das Ruder herumzureißen - und damit wie ihre beiden Helden zu zeigen, daß Totgesagte eben doch länger leben.

Florian Lieb

Lone Ranger

ØØØ 1/2

Leserbewertung: (bewerten)

USA 2013

149 Min.

 

Regie: Gore Verbinski

Darsteller: Johnny Depp, Armie Hammer, William Fichtner u. a.

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tinti - 09.12.2013 : 16.57
würde gerne wissen, wieso der gefloppt ist u die piratenfortsetzungen nicht. der bohnenriesenfilm vom singer und der battleship sind auch nicht so schlecht wie alle tun

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