Kino_Resident Evil: Apocalypse

Böses für die Buben

Hirnloser Spaß, allerdings ohne Spaß. Die zweite Computerspiel-Verwurstung ist noch eindringlicher als die erste Beispiel dafür, wie Zombie-Filme nicht sein sollen.    22.09.2004

Die gute alte Tante Zombie-Flick feierte in den letzten beiden Jahren wegen Ganz- ("Dawn of the Dead"-Remake) bzw. Halbglanztaten ("28 Days Later") und brachial-ironischer Variationen ("Shaun of the Dead") ein unerwartetes, wenn auch ersehntes Revival im großen Stil. Das zum Kinofilm aufgeblasene Survival-Horror-Game "Resident Evil" hatte damit - entgegen manch fehlgeleiteter Annahmen - sehr wenig zu tun. Denn darin diente die Geschichte der Untoten lediglich als Action-dramaturgisches Vehikel, um so schnell und unmotiviert wie möglich von einem faden Shootout zum nächsten zu gelangen. (Teile der Redaktion wenden sich in aller gebotenen Deutlichkeit gegen diese Aussage, mit zwei Argumenten: 1. Milla Jovovich und 2. Manche mögen halt den Anderson, so wie andere die Coen-Brüder.) Doch weil massenhaft 15jährige Gamer ihre Konsolen zwei Stunden unbeaufsichtigt ließen und ins Kino stürmten, war eine Fortsetzung des dünnen Stoffes nur eine Frage der Zeit.

Doch auch das Sequel bietet leider kaum Gründe, gnädig darüber zu urteilen. Noch nicht einmal die Tatsache, daß das Untalent Paul W. S. Anderson (dessen nächstes Verbrechen, die Verfilmung des "Alien vs. Predator"-Comics im November anlaufen wird) das Regiezepter gegen die Drehbuchfeder getauscht hat. Im Gegenteil: so wenig Buch, so viel Dreh. Einen eineinhalbstündigen Action-Film (so man geneigt ist, "RE 2" überhaupt als solchen zu bezeichnen) mit dermaßen vielen Längen zu versehen, dazu gehört schon viel. Oder wenig.

Die Handlung selbst fände also wieder einmal auf einem Taschentuch Platz: Eine Gruppe Überlebender, geführt von der aus Teil eins bekannten Alice (Milla Jovovich), versucht aus der Stadt Raccoon City, in der durch den Ausbruch des Todesvirus bereits Teile der Bevölkerung zu lebenden Toten mutiert sind, zu flüchten. Doch die von der mächtig bösen Umbrella Corporation entwickelte genetische Kampfmaschine "Nemesis" soll genau das verhindern. Der Rest ist Showdown. Oder "wäre", denn "RE 2" fehlt dazu einfach alles: Drive, Witz und Tempo oder auch nur ein, zwei überraschende Ideen, ja, noch nicht mal richtig blutig oder böse geht es zu. Schlecht aus anderen Streifen zusammengeklaut, stümperhaft geschnitten und lahmarschig inszeniert - das sind vielmehr die Prädikate, mit denen sich Anderson-Adjutant Alexander Witt schmücken darf.

So schlecht, daß es beinahe schon wieder gut ist, also? Nein.

Es ist also nicht besonders kühn, zu behaupten, daß ein rund zehnminütiger Zusammenschnitt von Milla "Mademoiselle L´Oréal" Jovovichs Kampf- und Nacktszenen dem zu geschätzt 90 Prozent aus männlichen Jugendlichen bestehenden Publikum wohl auch gereicht hätte. Aber deswegen daraus gleich einen abendfüllenden Film machen? Noch dazu einen, der aussieht wie von Marketing-Fritzen in diversen Zwischenchefetagen ausgedacht? Wohl kaum.

Christoph Prenner

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Resident Evil: Apocalypse

Ø 1/2


GB/D/F 2004

94 Min.

dt. Fassung und engl. OF

Regie: Alexander Witt

Darsteller: Milla Jovovich, Sienna Guillory, Oded Fehr u. a.

 

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