Literatur_Gilles Boulenger - John Carpenter

Gespräche mit dem dunklen Stern

Knapp 300 Seiten hochinteressanten Gesprächsstoff gibt es in dieser Doppel-Conférence mit dem Altmeister des Schreckens nachzulesen.
   08.04.2004

Während es zu allen möglichen Popsternchen und verkaufsträchtigen Regiegrößen Bücher wie Sand am Meer gibt, existiert über Filmemacher wie John Carpenter nur eine Handvoll Publikationen (die entweder schamlos überteuert, qualitativ mittelmäßig oder überhaupt gleich vergriffen sind). Dabei lieferte Carpenter entscheidende Beiträge zur Filmgeschichte mancher Genres ab, und viele seiner Werke tragen verdientermaßen das ansonsten so inflationär gebrauchte Prädikat "Kult". Der Franzose Giles Boulenger, Herausgeber der Zeitschrift "Cinephage", raffte sich dazu auf, die cineastisch-historische Lücke zu schließen, und gewährt dem Leser in "John Carpenter: The Prince of Darkness" mittels 22 Interviews Einblick in das Schaffen und die Denkweise des legendären Regisseurs.

Nach einem Vorwort von Carpenter-Mitstreiter Tommy Lee Wallace folgt als Eingangsgespräch eine Auseinandersetzung über das Filmemachen im allgemeinen sowie Motive und Werte des mittlerweile in die Jahre gekommenen Schöpfers von Klassikern wie "Halloween", Assault on Precinct 13" oder "Escape from New York".

Danach folgen Interviews zu jedem Eintrag des Carpenterschen Œuvres, in denen sowohl über die Story an sich als auch über Produktionsverlauf und Rezeption des fertigen Werks diskutiert wird. Zusätzlich finden sich in jedem der Beiträge immer wieder Verweise auf das Medium Film im Wandel der Zeit - den Übergang von einer künstlerischen Plattform des Geschichtenerzählens zum modifizierten Produkt einer marktorientierten Geldmaschinerie. Natürlich reflektiert Carpenter auch höchstpersönlich die eigene Entwicklung als Schöpfer einprägsamer Schreckensvisionen wie den klar an die Lovecraft-Mythologie angelehnten "In the Mouth of Madness" oder die Campbell-Adaption "The Thing".

Somit stellt "John Carpenter: The Prince of Darkness" für Freunde des Maestros eine unverzichtbare Anschaffung dar; wer mit den Werken des Regisseurs jedoch nicht vertraut ist, sollte zuvor seinen Wissensstand etwas aufpolieren.

Bleibt letztlich nur die Frage, wann Carpenters aktivem Gehirn endlich wieder ein anständiger Film entspringt ... 

Jürgen Fichtinger

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