Literatur_John Ridley - Those Who Walk in Darkness

We don´t need another hero!

Ein Glück für Professor Xavier & Co., daß Soledad O´Roark mit den X-Men nichts am Hut hat. Statt dessen spielt sie in einem neuen Roman aus der US-Krimiszene die erste Geige.    18.02.2004

Während Hollywood gerade versucht, jeden jemals halbwegs erfolgreichen Comic-Superhelden auf die Leinwand zu bringen, werden diese übermenschlich begabten Gestalten bei John Ridley schnurstracks unter die Erde verfrachtet. Das neueste Werk des jungen Noir-Meisters John Ridley handelt nämlich von einer Welt, in der Superhelden, Mutanten und ähnliche Leute als Ausgestoßene behandelt werden. Undankbar, wie die Menschheit nun einmal ist, macht sie ihre Erretter wegen eines an "Ground Zero" erinnernden Zwischenfalls zu Sündenböcken und ruft zu deren Bekämpfung eine eigene Spezialeinheit namens M-Tac ins Leben, gegen die heutige S.W.A.T.-Teams wie die Wiener Sängerknaben aussehen. Aufgabe der Organisation ist es, sich mit den Freaks auseinanderzusetzen, die sich einer "freiwilligen" Deportation nach Europa verweigern.

Als die junge Polizistin Soledad O´Roark dem erfolgreichsten M-Tac-Unit von L.A. zugeteilt wird, erhält sie dank ihrer gnadenlosen Methoden und ihrem lodernden Haß gegenüber Superhelden und -schurken bald einen Namen zugeteilt: "Bullet". Denn um menschliche Fackeln, Telepathen oder andere Absonderlichkeiten zu bekämpfen, bedarf es besonderer Mittel - und die hat sich O´Roark Form einer speziellen Schußwaffe selbst gebastelt. Leider wird ihr dies auch zum Verhängnis, da ihr tödliches Gadget vom Department nicht abgesegnet ist. Als sie dann auch noch aus Versehen einen Engel erschießt und einer gewaltigen Verschwörung auf die Spur kommt, bricht in Los Angeles schließlich die Hölle aus.

Obwohl die Handlung von "Those Who Walk in Darkness" verteufelt nach einem "normalen" Fantasy-Roman klingt, darf man nicht vergessen, wer dafür verantwortlich zeichnet. So erschafft Ridley eine durch und durch mißratene Welt, eine zerrissene Heldin par excellence und generell eine Grundstimmung, wie sie schwärzer nicht sein könnte. Der Roman verfügt somit nicht nur über einen originellen Plot, sondern stellt auch ein Sammelbecken an kreativer Energie dar und transferiert das Noir-Element endlich wieder in eine andere Welt, fernab des sogenannten Realismus.

Übrigens existiert bereits eine "Animated Version" des Romans auf DVD; die Rechte für eine Realverfilmung hat sich Joel Silver gesichert.

 

Jürgen Fichtinger

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John Ridley - Those Who Walk in Darkness

ØØØØØ


Warner Books (New York 2003)

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