Print_Veronika A. Grager - Nanobots

Go Grey Go!

Eine ausgesprochen spannende Thriller-Melange: Unter kräftigem Umrühren der unerschrockenen Privatdetektivin Stella Marini wandeln sich wienerische "No Na - Partikel" zu unberechenbaren Nanopartikeln.    31.01.2012

Wir befinden uns in einer etwas verschlafenen Privatdetektei in der Grundäckergasse 15 in Wien Favoriten. Inhaberin Stella Marini, nebst ständigem - lebendem - Inventar Schäferhund Bertoni, fühlt sich unausgelastet und träumt seit Jahren von einem Fall, der endlich ihren Fähigkeiten gerecht wird. Bislang plagt sie sich mit faden Scheidungsfällen und unspektakulären Anfragen zum Personenschutz.

Gerufene Geister haben, obwohl sie sich naturgemäß viel Zeit lassen, doch
die Tendenz, in Erscheinung zu treten. In diesem Fall in der Person der Rita Prskavec, Ex-Nachtclub-Putzfrau unter Mordverdacht.

Der dazugehörige Tote heißt Peter Droemer, ist oder besser gesagt war Biochemiker und hat seine irdische Existenz in einem Müllcontainer vor Ritas Wohnung wahrscheinlich nicht ganz freiwillig beendet. Polizist Walter Pokorny glaubt hartnäckig an Ritas Verwicklung in diesen Mordfall. In Droemers Wohnung tauchen verschiedene Gegenstände aus ihrem Besitz auf; deshalb wendet sich die Verdächtige schließlich an Stella, um den oder die wahren Täter zu entlarven.

Gleichzeitig erhält Marini den Aufrag, das Verschwinden von Andreas Oriocho aufzuklären, ebenfalls Biochemiker. Sie beginnt, obwohl mit flauem Gefühl im Magen, sich darauf einzustellen, daß ihre Ermittlungen sie weit über die Grundäckergasse hinausführen werden und die Aufklärung beider Fälle, die immer verwirrender und mysteriöser werden, ihre Kapazitäten übersteigt. Die Suche nach einem Assistenten beschert ihr einen Partner, Barry Denton, zwei Meter groß, einen Meter breit, dröhnendes Lachen und die Gewißheit, sich zu hundert Prozent auf ihn verlassen zu können.

Was als Suche nach einem verschwundenen Ehemann und den Bemühungen um die Entlastung der immer noch unter Mordverdacht stehenden Rita Prskavec beginnt, nimmt immer ungeheuerliche Ausmaße an. Pflichtvergessene US-Generäle, fragwürdige Experimente mit Nanoteilchen in der Wüste von Arizona und ein gnadenloser Killer, der sich an ihre Fersen heftet, bringen nicht nur das mehr als dynamische Duo Marini/Denton in Lebensgefahr - auch Dentons Schwester Sam Evers, eine couragierte Journalistin, riskiert an ihrer Seite Leib und Leben im Kampf gegen Vertuschung und Korruption.

Die Suche nach der Wahrheit spannt einen weiten Bogen von Favoriten über Frankfurt, Ramstein und Washington bis nach Afghanistan. Bleibt nur noch zu klären: Wer hat Peter Droemer auf dem Gewissen?

Veronika A. Grager kennt die Anwort und sollte mit diesem Wissen auf keinen Fall alleine bleiben. "Nanobots", der mittlerweile fünfte Roman der in Niederösterreich auf einem Bauernhof mit Mann und jeder Menge Tieren lebenden Autorin ist spannend bis zum Schluß, ohne konstruiert zu wirken. Die Charaktere sind lebensecht und glaubwürdig gezeichnet, und bei der Beschreibung des Blizzards sollte man als Leser tunlichst ein zweites Paar Socken anziehen.

Obwohl ursprünglich als Reihe geplant, soll es vorläufig bei einem singulären Auftritt von Detektivin Stella Marini bleiben. Es ist aber sehr zu hoffen, daß hier das letzte Wort noch nicht gesprochen bzw. geschrieben ist und die Marini sich im Ringen mit der deutschsprachigen Verlagslandschaft ebenso bewährt wie im vorliegenden Werk.

Claudia Jusits

Veronika A. Grager: Nanobots

ØØØØØ

Gefährliche Teilchen

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P. Machinery M. Haitel (D 2011)

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Kommentare_

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Günter W. - 17.06.2012 : 20.55
Ein spätes Danke für den Tipp. Heute habe ich es fertig gelesen und auch gleich auf Amazon rezensiert: http://www.amazon.de/review/R1O87M9INP98N2/ref=cm_cr_pr_perm?ie=UTF8&ASIN=3942533227&linkCode=&nodeID=&tag=

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