Stories_EVOLVER Books

Wider den ranzigen Senf

Österreichs erstes E-Zine bekommt einen papierenen Ableger: Mitbegründer Peter Hiess und Langzeit-Kollaborateur Robert Draxler gründen mit EVOLVER BOOKS einen Verlag für exklusive Literatur, diesmal in Buchform. Klaus Hübner wollte wissen, warum – und erfuhr alles über Internet-Zombies und die "Generation Deppert".    26.04.2010

 

Vor 15 Jahren schickte Peter Hiess erstmals eine Textdatei durch das Internet; genauer gesagt, per Modem und Datenkabel übers Telefonnetz. An die Zeitschrift WIENER ging sie, die damals noch in Klosterneuburg produziert wurde und Leser hatte. Kurz danach begann er an einer "Netzzeitschrift" mitzuarbeiten, als deren Chefredakteur er am 25. September 1996 ans Netz ging - mit dem EVOLVER, Österreichs erstem E-Zine. Entworfen wurde die Plattform für Popkultur-Experten für Netscape Navigator 1.0 (aber das sagt heute keinem mehr was), und sie war von Anfang an ein Riesenerfolg. In Folge lieferte der EVOLVER zahlreiche Pionierleistungen, darunter die erste Live-Video-Übertragung Österreichs von der "Free Party"-Parade 1997. Multimedia, Interaktion, Provokation - alles wurde ausgereizt, lange bevor der gemeine Firmenboß mitbekam, daß man einen Internet-Link nicht doppelklicken muß. Aber das ist einige Zeit her ...

Nach 15 Jahren hat Hiess in vieler Hinsicht genug gesehen vom Internet. Deshalb würdigen er und sein Mitstreiter im Worte, EVOLVER-Veteran Robert Draxler, ab sofort die Tatsache, daß manche traditionellen Kulturtechniken nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben.

 

 

EVOLVER: Nach fast eineinhalb Jahrzehnten Pionierarbeit in Sachen Web-Publishing startet ihr nun ein Print-Projekt: EVOLVER BOOKS. Warum bleibt ihr nicht digital?

 

Peter Hiess: Mehr als 13 Jahre EVOLVER, als Mitgründer, Chefredakteur, Textchef, Herausgeber, Korrekturleser - das war natürlich eine schöne und wichtige und lehrreiche Zeit, aber andererseits eine unbezahlte Halbtagsarbeit, die viel Energie gekostet hat. Dabei wollte ich vor zehn Jahren schon sowas wie EVOLVER BOOKS starten, weil ich spätestens seit damals fix davon überzeugt bin, daß sich das Internet nicht halten wird. Das heißt, es wird bleiben, so wie das Telefon, aber es wird sich wohl weiterhin hartnäckig weigern, eigene mediale Qualitäten zu entwickeln. Was wir heute im Netz erleben, ist die Invasion der Unfähigen: Amateure, die über jeden Gegenstand der Popkultur ihren ranzigen Senf loswerden wollen; scheißliberale Journalistenbeamte, die in ihren Weblogs denselben Unfug verzapfen wie die verblödeten Kommentarschreiber bei sogenannten Qualitätsmedien; und als Tiefpunkt der Entwicklung das Web 2.0, bei dem mir immer das Gleichnis von den Affen und den Schreibmaschinen einfällt - nur, daß die Affen bei Facebook garantiert nie was Vernünftiges zusammenbringen werden.

Kurz und gut: Es ist höchste Zeit, endlich zum gedruckten Wort zurückzukehren. Und jetzt haben sich auch alle notwendigen Elemente zusammengefunden, um den lange angestrebten Verlag endlich gründen zu können. Aber was heißt "notwendige Elemente" - es ist ja vor allem ein Element: der Herr Draxler, ohne den das alles nicht möglich gewesen wäre, wie wir bei den Oscar-Ansprachen immer sagen. Also übergebe ich jetzt das Wort an ihn.

 

Robert Draxler: Die aktuelle Entwicklung erfordert es, aus der rein digitalen Welt zu flüchten: Im Web veröffentlichte Texte werden immer kürzer, immer knapper - aber das allein wäre noch nicht bedenklich. Was mich hingegen mit allergrößter Sorge erfüllt, ist der Umstand, daß die Sinnhaftigkeit der Texte proportional zu ihrer Länge abnimmt. Kaum jemand in diesem Web-2.0-Bastelbogen für funktionale Analphabeten ist in der Lage, einen geraden Satz zu formulieren oder auch nur das geringste "Bild" mit Worten zu zeichnen. Das meiste ist Mist, entbehrlich, zum Kotzen, aber leider nicht flüchtig genug, um darüber hinwegsehen zu können, sondern penetrant in der Nachwirkung wie ein Bierfurz. Auch wenn es anachronistisch anmutet, auch wenn sich unser Steuerberater vor Verzweiflung über das Unternehmen sämtliche Haare ausreißt: Die Welt braucht einen Verlag wie EVOLVER BOOKS - und sie braucht ihn dringender denn je.

 

 

EVOLVER: Eure erste Publikation heißt "The Nazi Island Mystery". Worum geht´s da?

 

Draxler: Der Titel ist Programm. Es geht um das grauenvolle Geheimnis einer Nazi-Insel und um jene Person, die es letztendlich lüftet: Kay Blanchard. Die junge Frau spioniert für den britischen Auslandsgeheimdienst MI6. Ihre Arbeitsmethoden sind eher unkonventionell ... wie auch ihre Persönlichkeit. So würde ich die Story mit ein, zwei Sätzen beschreiben. Wer mehr wissen möchte, wird das knapp 140 Seiten starke Buch lesen müssen. Eine Beschäftigung, die sich auszahlt ...

 

Hiess: So ist es. "The Nazi Island Mystery" ist die wahre Rückkehr der Pulp-Fiction, nicht superironisch gebrochen wie bei Tarantino und seinen strohdummen Fans, sondern wie einst in den Romanen um Modesty Blaise, in den Ilsa-Filmen oder in den Ullstein-Krimis der sechziger und siebziger Jahre, die mit dem roten K, die von Autoren wie Nick Carter, John Edwards, Ellery Queen und anderen geschrieben wurden, leicht und locker in zwei, drei Stunden zu lesen und trotzdem sauspannend waren. Sex und Gewalt, Drogen und Rock´n´Roll - und dann noch einmal ordentlich viel Sex. Und weil der Draxler so bescheiden ist, muß ich es sagen: Der Autor vom "Nazi Island Mystery", ein gewisser r.evolver, das ist natürlich er selbst.

 

 

EVOLVER: Wie wird der Vertrieb laufen?

 

Draxler: Es liegen ein paar Vertriebskonzepte auf dem Tisch - wie es derzeit ausschaut, wird es ein Mix aus allen Möglichkeiten werden. Unser Hauptaugenmerk liegt natürlich auf dem Netz und den ihm innewohnenden kommerziellen Chancen. Ein Bestellformular gibt´s auf der EVOLVER BOOKS-Seite übrigens schon. Ein dritter Mitarbeiter - der berühmte Mann im Hintergrund - wird sich um Versand- und andere Offline-Dinge kümmern, da er bei sowas eindeutig die meiste Erfahrung hat.

 

Hiess: Sicher ist, daß wir einstweilen keinen normalen Vertrieb suchen werden, der unsere Werke in die Buchhandlungen befördert, weil da gleich einmal die Hälfte des Gewinns oder noch mehr weg wäre. Solange wir können, bleiben wir lieber unabhängig. In guter alter Fanzine- und EVOLVER-Tradition.

 

 

EVOLVER: Was sind die nächsten geplanten Bücher?

 

Draxler: Der nächste Titel ist eine Anthologie, in der die besten 20 oder 25 Beiträge aus dem Zombie-Kurzgeschichtenwettbewerb des EVOLVER veröffentlicht werden. Erscheinen wird das Paperback mit einem herrlich grauslichen Cover des Comiczeichners Jörg Vogeltanz im Herbst 2010.

 

Hiess: Und wenn wir die restliche Jury dafür einsperren und ihr Nadeln unter die Fingernägel treiben müssen ... Ich gebe ja zu, es war nicht leicht: Mit sagenhaften 249 Einsendungen zu dem Wettbewerb hat wirklich niemand gerechnet. Aber auch nicht damit, daß einer der Juroren ob der Lektüre jede Kommunikationsfähigkeit und Arbeitsmoral verliert, ein weiterer den Kontakt zu uns völlig abgebrochen hat - und zwei, drei andere in Gefahr sind, ihr soziales Leben einzubüßen, weil ihnen keine Ausreden mehr einfallen und sie sich bei jeder Gelegenheit verleugnen lassen. Es ist traurig, was diese Aufgabe bei den Beteiligten angerichtet hat. Aber wir werden sie abschließen, so oder so. Und dann erscheinen die Zombies. Versprochen! Und danach starten wir den nächsten Literaturwettbewerb und fangen das Theater von vorne an.

 

 

EVOLVER: Gibt es eine Art Schwerpunkt oder bestimmte Genres, auf die sich der "Verlag" EVOLVER BOOKS spezialisieren wird?

 

Hiess: Warum betonen Sie "Verlag" so komisch, Sie Interviewer? Natürlich sind wir ein richtiger Verlag, wenn auch ein kleiner, und ohne eine richtige Firma dahinter, sondern stattdessen einem Verein. Dem Verein EVOLVER nämlich, der für diesen Zweck äußerst praktisch ist. Spezialisieren wollen wir uns auf alles, was uns interessant erscheint, Freude macht, Geld bringen könnte - und was wir im Laufe der jahrelangen Tätigkeit bei der Netzzeitschrift EVOLVER an Talent und Qualität entdeckt haben; da schlummern ungehobene Schätze in Form von Kolumen, Editorials und Stories. Aber nicht mehr lange ...

 

Draxler: Die ersten beiden Ausgaben der EVOLVER BOOKS erwecken vielleicht den Eindruck, daß unser Verlag in erster Linie eine neue Heimat für die Trash-Literatur sein will. Aber das stimmt bei aller Liebe zu Schmutz und Schund natürlich nur bedingt. Klarerweise wollen wir den begabten Autoren und -innen Asyl bieten, über die man bislang bei namhaften Verlagen bestenfalls die Nase gerümpft hat. Andererseits überlegen wir uns auch, spezielle Ausstellungskataloge, Wander- und Reiseführer, True-Crime-Bücher, wichtige Reprints usw. usf. herauszubringen. Irgendwann wollen wir ja auch Geld verdienen.

 

 

EVOLVER: Was macht EVOLVER BOOKS sonst noch?

 

Draxler: Einen schlechten Eindruck ... das ist jetzt wohl die aufgelegte Antwort, oder?

 

Hiess: Schwierigkeiten. Das kann man heute schon sagen. Aber so soll es ja auch sein.

 

 

EVOLVER als E-Zine wollt ihr trotzdem weiterbetreiben?

 

Hiess: Der EVOLVER soll einstweilen bitte so weitermachen, wie er es gerade tut - was für meinen Geschmack ein bißchen sehr langsam und ziellos ist, aber das geht mich ja nur mehr bedingt was an. Man muß das Kind auch einmal auf eigenen Beinen stehen und gehen lassen; und das sage ich, obwohl ich von Kindern absolut nichts verstehe, mich aber freue, wenn sie irgendwann wieder weggehen. Nein, im Ernst: Der EVOLVER läuft unter der Chefredaktion von Jürgen Fichtinger weiter. Ich habe zwar einige Ideen, was man wie ändern könnte und sollte, aber ich werde das bestimmt nicht machen, sondern höchstens im Hintergrund die Weichen stellen und bei einigen mir lieben Autoren - so wie heute auch - auf die Textqualität achten. Momentan und in absehbarer Zeit sind mir die Bücher wichtiger.

 

Draxler: Wie es mit dem EVOLVER weitergeht, das liegt überhaupt nicht in meiner Hand. EVOLVER BOOKS ist - wenn man so will - ein eigenständiges Tochterunternehmen. Ich freue mich, wenn es den EVOLVER weiterhin gibt, aber mit seiner redaktionellen Zukunft habe ich nur peripher zu tun, am ehesten noch, wenn ich selber wieder einmal einen Beitrag in die Tasten klopfe.

 

 

EVOLVER: Hat bedrucktes Papier langfristig Zukunft oder setzt ihr heimlich auch auf eBooks, zum Beispiel für das iPad?

 

Draxler: Natürlich hat Papier Zukunft. Übereifrige Trendsetter werden bald sehen, wie spannend ein Thriller ist, wenn auf dem Klo plötzlich der Akku des eBook-Readers den Geist aufgibt, oder wenn am Strand des Ferienclubs die mediterrane Sonne aufs Display scheint. Auch wenn´s ein paar Idioten noch immer nicht glauben wollen: Trotz der lässigen Lifestyle-PR ist die Disponibilität dieser Geräte eingeschränkt. Wir setzen als zukunftsorientiertes Verlagsunternehmen lieber auf echte Innovationen: Wenn Brainports so weit entwickelt sein werden, daß es möglich ist, Schundromane direkt als Bilderstrom ins Gehirn der Leser zu schleusen, sind wir als erste mit dabei.

 

Hiess: Wer so wie ich den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzt - und sind das in unserer beschissenen Dienstleistungsgesellschaft nicht die meisten Menschen, die des Lesens und Schreibens gerade noch mächtig sind? -, der wird in seiner Freizeit nicht schon wieder auf einen Bildschirm starren wollen, wenn er ein Buch liest. Weil dazu gibt es ja Bücher - eine Technologie, die seit Jahrhunderten nicht wesentlich verbessert werden konnte und das auch gar nicht notwendig hat. Wenn uns einer die e-Book-Lizenz für eines unserer EVOLVER BOOKS abkaufen will, dann kriegt er sie ...

 

Draxler... für viel Geld ...

 

Hiess: ... für sehr viel Geld, und auf Wunsch machen wir aus "The Nazi Island Mystery" auch eine Klingeltonsammlung und SMS-Kurzfassung. Für noch mehr Geld. Aber wir sind ehrlich genug, uns einzugestehen, daß wir die "Generation Deppert", deren Kulturtechnik sich darauf beschränkt, den halben Tag in ihr Handy zu glotzen und dann "Oida!" zu brüllen und auf den Boden zu spucken, auch mit einer qualitativen Meisterleistung wie EVOLVER BOOKS nicht erreichen werden. Die erreicht niemand mehr.

 

 

EVOLVER: Tagtäglich erscheinen unbewältigbare Massen an Büchern. Warum sollte ein Leser gerade zu euren greifen?

 

Draxler: Das Neue an EVOLVER BOOKS ist, daß nicht der angepaßte Herdenmensch entscheidet, ob er uns lesen möchte - sondern wir entscheiden, ob er uns lesen darf. Unsere Themen, unsere Stoffe, unsere Aufmachung und unser Portfolio sind so speziell und exklusiv, daß davon ohnehin nur eine ausgewählte und verdiente Klientel bedient wird. Die Libro-Wühlkörbe überlassen wir gern den Ratgeber- und Eso-Verlagen.

 

Hiess: ... oder auch denen, die zum x-ten Mal den Zweiten Weltkrieg und die Untaten des alten Adi aufarbeiten wollen, weil sie dafür endlos subventioniert und preisgekrönt werden. Wir stehen für den Dritten Weltkrieg, für die letzten Reste des selbständigen Denkens, gegen die Nichtraucher-Faschisten, die Gehirnwäsche-Medien, den hirnrissigen Schwindel vom Klimawandel, die Diktatur der EU-Kommissare ...

 

Draxler: Um Gottes willen, Herr Hiess, was reden Sie denn da?!

 

Hiess: Richtig. Was rede ich denn da?

Klaus Hübner

EVOLVER Books


Photos:

Hiess (oben): © Angie Hergovich

Draxler (unten): © er selbst

 

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Kommentare_

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Klaus Bergmaier - 28.04.2010 : 09.51
Bin zwar das, was hier als Nichtraucher-Faschist bezeichnet wird (zumindest wurde mir das im Facebook schon einige Male attestiert, als ich mich für das Rauchverbot in der Gastronomie ausgesprochen habe), freue mich aber trotzdem schon sehr auf das erste Buch der Evolver Books. Habe Kay Blanchards Abenteuer in der Webversion vor 10 Jahren begierig verschlungen.
Peter Hiess - 29.04.2010 : 08.21
@ Klaus Bergmaier: Schon gut, wenn Sie es nur einsehen. Es ist nur erstaunlich, daß sehr oft jene Leute, die überall böse Nazis vermuten und deren politisches Denken und Handeln sich auf das ebenso schwammige wie beliebte und von den Mächtigen geförderte "Antifa" beschränkt, die ersten sind, die jede Beschneidung der persönlichen Freiheit und Entscheidungsmöglichkeit unterstützen - ob es nun um das Rauchen oder die Meinungsfreiheit geht oder um andere Maßnahmen der NWO. Daher die Verwendung dieses Begriffs, mit dem ich ansonsten nicht so herumhaue, der aber in dem Fall paßt. Gruß, PH
Klaus Bergmaier - 29.04.2010 : 11.56
Ich fühle mich aber auch in meiner Freiheit eingeschränkt, wenn meine Kinder und ich zB beim Essen (oder bei der Arbeit als Livemusiker) OHNE ES ZU WOLLEN giftigen und stinken Rauch einatmen müssen. Das ist eine enorme Gesundheitsgefährdung, wenn man zB wie ich als Livemusiker 8 Stunden in einer "Rauchhölle" wie zB dem Innsbrucker Treibhaus zubringen muss.
Peter Hiess - 29.04.2010 : 12.20
Schauen Sie, es ist ja so: Jahrzehntelang waren Eltern gescheit genug, mit ihren Kindern an Orte essen zu gehen, wo wenig bis nicht geraucht wurde. Heute wollen dieselben Eltern (und vor allem Jungeltern sind in Hinsicht auf die angestrebte Freiheitsbeschränkung anderer das Übelste, was es gibt, ich sage nur: Mutterkreuz) anderen das Rauchen verbieten; aber dafür sollen sich die derart Vergewaltigten das Geschrei und schlechte Benehmen der antiautoritär verzogenen Bälger widerstandslos gefallen lassen. Ganz bestimmt nicht ...
Und zum zweiten Punkt: Wenn Sie als Musiker keinen Rauch vertragen, vertragen Sie wahrscheinlich auch keinen Bühnennebel und haben eindeutig Ihren Beruf verfehlt (ebenso wie ein Kellner, der keinen Rauch aushält - der soll halt was anderes machen). Und wenn ich mir ein Rock´n´Roll/Blues/Metal/Was-auch-immer-Konzert vorstelle, bei dem Rauchverbot herrscht, dann wünsche ich mir viele volle und leere Bierdosen, die das Publikum aus Protest auf die Bühne wirft. Irgendwann muß man sich ja wehren ...
Andererseits: Vielleicht wären Pfadfinderlieder eine Lösung - da sind Sie im Freien, vor jungen Menschlein und können zur Wandergitarre tirilieren. Und wenn´s wo raucht, ist es wahrscheinlich ein Waldbrand.
Klaus Bergmaier - 29.04.2010 : 16.59
Zum Glück gibt es in Italien, Holland, Frankreich, Deutschland, Slowenien und Belgien genügend Leute, die sich auch ein Rockkonzert ohne Zigaretten vorstellen können. Im Gegenteil, dort kommen (zB auf unsere Konzerte) wesentlich mehr Leute als in Österreich. Und zwar weil sie sicher sien können, nachher keine Brandlöcher in ihren Klamotten zu haben.
Peter Hiess - 29.04.2010 : 18.09
Das ist neu! Menschen gehen auf Rockkonzerte, weil sie keine Brandlöcher in ihren "Klamotten" (sind das alles Piefke?) haben wollen. Was lernen wir daraus? Die Rockmusik ist tot. War eh schon Zeit ...
T. - 03.05.2010 : 23.41
Ich habe in den letzten gut 12 Jahren Rockkonzerte und Festivals noch kein einziges Brandloch in Kleidung oder Haut davongetragen, obwohl so gut wie immer geraucht wurde. Stattdessen hab ich das ein oder andere Bier auf den Klamotten gehabt. Alkoholvebot? Zigarettengeruch in der Kleidung hält sich auch meist in Grenzen, wenn ich nicht grade in der hinterletzten Kellerbar gewesen bin. Und wenn ich damit nicht klarkomme, gehe ich eben woanders hin.
Dass ich im Restaurant nicht neben einem Pfeifenraucher (was mit normalerweise nichts ausmachen würde) sitzen möchte, sollte klar sein. Allerdings überlasse ich da dem Restaurant gerne die Regulierung und denke mir im negativsten Falle einfach schwäbisch "Do gang mer nemme na!".
Ich finde persönliche Rücksichtnahme und mündige Mitmenschen ja eigentlich auch schöner als diesen Regulierungswahnsinn. Das fängt beim starken Raucher an und hört bei den Eltern mit den plärrenden Kindern auf.

Wünsche Euch jedenfalls auch ein gutes Gelingen mit dem Projekt. Klingt sehr vielversprechend und die Zombie-Anthologie wird wohl sowieso laufen... haben ja genug mitgemacht.
doc nachtstrom - 07.05.2010 : 07.24
danke für die grossartigen statements! ich freue mich schon auf viele (!) bösartige evolver bücher und hoffe gleichzeitig darauf, dass der evolver als meine liebste unkorrekte netzpostille niemals ausstirbt! es grüsst euch herzlich euer kettenrauchender docteur...
Peter Hiess - 07.05.2010 : 09.17
@ Doc Nachtstrom: Cher docteur! Ich sag´s ja immer - Gefangene werden nicht gemacht. Und für den EVOLVER hoffen wir doch alle, und hoffen, daß diese Hoffnung nicht hoffnungslos ist. Apropos: Schon ein Buch bestellt? Oder mehrere? Für die Passivraucher rundherum? Alles Liebe, PH
doc nachtstrom - 07.05.2010 : 10.44
maestro! wird heut noch erledigt! ganz der ihre, docteur
Alban Sturm - 09.05.2010 : 22.57
Sehr geehrte Herren,
das Konzept klingt interessant. Wenn Sie Ihr Gespür für Authentizität gleichermaßen auf die gewählten Texte anwenden (auch wenn Bühnennebel nur aus verdampfendem Kohlendioxid besteht: ein Rockkonzert mit Rauchverbot wäre natürlich ein Paradoxon), dürfen wir uns wohl auf spannende Publikationen freuen; umsomehr, als sie in der einzig wirklich lesbaren Form - also gedruckt - erscheinen sollen. Eine bescheidene Anmerkung zum Thema "Gleichnisse bundesdeutscher Zunge" sei mir dennoch gestattet: Zwar enthalten die Samenkörner von Senf knapp ein Drittel Pflanzenöle. Dennoch dürfte hierzulande das Adjektiv "ranzig" eher mit dem Zersetzungsvorgang tierischer Fette assoziiert werden (vgl. frz.:"rance", aus lat.:"rancidus"; siehe die halblustige wienerische Scherzfrage "Was ist der Unterschied zwischen Butter und einer Neunzehnjährigen? - 's Madl wird zwanzig, die Butter wird ranzig").
Was natürlich keine Entschuldigung für das erbärmliche Gestammel von "Web 2.0"-Schreiberlingen ist. Meine besten Wünsche zu Ihrem Projekt!
Peter Hiess - 10.05.2010 : 09.11
Sehr geehrter Herr Sturm! Wo Sie recht haben (und das ist fast überall, wie man weiß), da haben Sie recht. Aber es klingt besser als "Wider den schon etwas abgestanden schmeckenen Senf" - das müssen Sie doch zugeben. Alles Liebe, PH
M. H. - 16.05.2010 : 14.42
"Verlag für exklusive Literatur" - klingt gut. Aber was ist das eigentlich, "exklusive Literatur"? Und wenn ein Verlag diese Art von Literatur massentauglich macht, ist sie dann noch exklusiv?
Peter Hiess - 17.05.2010 : 00.04
@ M. H.: "exklusive Literatur": 1. was wir dazu erklären; 2. sicher nicht solche Wortklaubereien; 3. Sobald wir massentauglich sind und massenhaft Bücher verkaufen, überlegen wir uns was anderes.
r.evolver - 17.05.2010 : 09.36
@M.H.: exklusive Literatur, die 2te: Ich empfehle, mehr als nur den Vorspann zu lesen. Könnte nämlich sein, dass im Fließtext auf "angeteaserte" Schlagwörter näher eingegangen wird. Aber bitte: falls es uns tatsächlich gelingen sollte, exklusive Literatur massentauglich zu machen, wird sie vielleicht tatsächlich nicht mehr exklusiv sein (vielleicht diskutieren sie diesen Aspekt bei Gelegenheit auch mit den österreichischen Förderungsstellen und - so sie noch unter den Lebenden weilen - ihren bevorzugten Staatsautoren), dafür aber der Lebensstil der Verleger ... immerhin ...

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