Stories_In 3 Tagen bist du tot 2/Interview Pt. 2

Big Brother is watching you

Bei Sabrina Reiter hat sich der Einfluß des großen Bruders durchaus positiv ausgewirkt. Der EVOLVER unterhielt sich mit Österreichs erster Scream-Queen. Teil zwei: über die Anfänge als Schauspielerin, ihre Lieblings-Horrorfilme und den Hang zur Komödie.    22.12.2008

EVOLVER: Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?

Reiter: Das war schon immer ein Kindheitstraum von mir, Schauspielerin, Sängerin oder Moderatorin. Moderiert hab´ ich ja dann - und gemerkt, das ist es nicht. Davor habe ich eine Ausbildung zur Zahnarztassistentin gemacht, einfach, um einen sicheren Job zu haben. Nach dem Moderieren dachte ich mir, jetzt brauchst du einmal einen Job, um Geld zu verdienen, weil Schauspielschulen sind ja teuer. Ich habe mich in einer Werbeagentur beworben, dort auch gearbeitet, und wollte dann Ende 2005 auf eine Schauspielschule in Berlin. Dann war im April ´05 das Casting, das war wirklich Schicksal. Da ist beim Weggehen auf einmal eine Casting-Agentin vor mir gestanden, hat mir einen Flyer in die Hand gedrückt und gesagt "Hey, komm morgen zum Casting." Ich bin hin - und hab´ die Hauptrolle bekommen.

 

EVOLVER: Welche Filme interessieren dich privat?

Reiter: Ich bin mit Horrorfilmen aufgewachsen, weil ich einen älteren Bruder habe, der die seit eh und je sammelt. Bis 17 war ich totaler Horror-Fan und habe mir alles angeschaut, was es gegeben hat. Ganz weggekommen bin ich immer noch nicht, aber mittlerweile bin ich doch ein bisserl übersättigt - zumindest von den neuen Sachen. "Tanz der Teufel" (wegen der Szene mit dem Ast), "Bad Taste", das "Texas Chainsaw Massacre" und diese Schiene finde ich super, "Hostel" und den Kram kann ich mir nicht anschauen. Mein Bruder versucht mir zwar immer noch klar zu machen, warum das gut ist, aber ich find´s trotzdem scheiße. Wobei die, die aus dem asiatischen Raum kommen, da sind schon gute Sachen dabei. Das ist ja die neue Liga der Horrorfilme, schon arg, was die für Filme machen. Momentan schau ich aber lieber ... der Jesse-James-Film ist zum Beispiel einer meiner Lieblingsfilme oder Dramen und Komödien. Ich liebe Ben Stiller und Adam Sandler, sowas kann ich mir immer anschauen.

 

EVOLVER: Welches Projekt würdest du denn gern als nächstes anpacken?

Reiter: Eine Komödie wär´ cool, weil ich, glaub´ ich, ziemlich lustig bin und viel Scheiß machen könnt´. Und ich hätte auch große Lust darauf, weil man da aus sich herausgehen kann. Mal sehen, was kommt. Angebote sind schon da, aber es ist noch nix fixiert.

 

EVOLVER: Du hast ja dazwischen auch unter anderem bei "Soko Donau" gespielt?

Reiter: Ja, nach dem ersten Teil habe ich "Soko Donau" gedreht, bin dann schwanger geworden und hab´ noch schnell in "Ermittelt" gespielt und dann "In 3 Tagen bist du tot 2" und danach "Kleine Fische". Das ist eine Familientragikomödie von Novotny und Novotny, die kommt nächstes Jahr in die Kinos. Also für Österreich, glaub´ ich, ganz o.k.

Ja, so zwei große Filme pro Jahr wären ideal, weil dann kannst du davon leben. Das wär´ super. Jetzt bin ich aber eh in Karenz, mein Hauptjob ist Mama-sein. Dafür habe ich mich entschieden. Wenn was Gutes kommt, gern. Mein Sohn ist jetzt ein Jahr alt.

 

EVOLVER: Mit dem Vater bist du nicht mehr zusammen?

Reiter: Nein.

 

EVOLVER: Du wohnst ja derzeit in Wien ...

Reiter: Seit drei Jahren, und da will ich auch bleiben. Weil es sehr anonym ist. In Salzburg kennen mich ja doch alle, es ist einfach zu klein, um anonym zu bleiben. In Wien ist es wurscht, wie ich ausschaue. Da kann ich auch im Pyjama rausgehen.

 

EVOLVER: Der Vorteil in Österreich ist ja auch, daß die Fans nicht so ein Theater machen, oder?

Reiter: Ja, das ist ganz anders. Ich hatte den Vergleich, wie ich bei den "Shooting Stars" in Berlin war. Da hatten wir eine Vorstellung, und wie ich da rausgegangen bin, sind lauter Leute mit riesigen Photos von mir dortgestanden. Die ärgsten Fans sind eh aus Deutschland, die schicken mir Fotos zum Signieren.

 

EVOLVER: Wie ist es, wenn man da auf Tour geht? War Locarno spannend?

Reiter: Das Festival in Locarno war super, weil du sitzt mit 8000 Leuten im Publikum und schaust dir den Film an. Das ist schon geil, der Szenenapplaus - und die Leut´ schrecken sich. Das beste Feedback, das du gleich kriegen kannst.

 

EVOLVER: Schreckt man sich nicht selbst ab und zu beim Drehen?

Reiter: Beim ersten gar nicht. Aber beim zweiten, da gibt es eine Szene ... Da läuft mir einer der drei Söhne dieser schrägen Familie nach, die dort lebt. Das war so arg. Weil ich bin überhaupt so; wenn mir wer nachrennt, dann pack ich´s nicht. Das hat mein Bruder immer bei mir gemacht. Der hat mich immer gejagt, und da krieg´ ich seitdem immer Verfolgungswahn.

 

EVOLVER: Der zweite Teil soll ja blutiger sein als der erste.

Reiter: Viiiiel. Und düsterer. Und besser. Ich bin gespannt, was ihr sagen werdet.

 

EVOLVER: Beide Teile sind ja auch optisch auf internationalem Niveau. Es ist also sozusagen die österreichische Handschrift à la "Tatort" nicht zu erkennen.

Reiter: Der Meinung bin ich auch, wir haben ja einen Super-Kameramann gehabt, den David Slama. Der hat auch bei "Gangs of New York" als operator mitgearbeitet.

 

EVOLVER: Sind durch die Dreharbeiten auch private Freundschaften entstanden?

Reiter: Ja, schon. Mit der Julia (Rosa Stöckl, Darstellerin der Mona) habe ich zwar auch Kontakt, wir sind aber jetzt nicht die dicksten Freunde. Um meine Freundschaft mit ihr glaubhaft darzustellen, mache ich es aber so wie alle anderen Schauspieler. Wenn zum Beispiel jemand stirbt, der dir nicht so viel bedeutet, denkst du einfach an jemanden, bei dem das so ist. Dann geht das.

 

EVOLVER: Was hältst du von Leuten, die sagen: Naja, man kennt das alles - und so besonders ist es gar nicht?

Reiter: Ich finde, so etwas muß man würdigen, weil wir die einzigen in Österreich sind, die das auf diesem Niveau gemacht haben. Wobei wir nach dem ersten Teil draufgekommen sind, als wir uns mit Andi "Freitag der 13." angeschaut haben, daß das mehr oder weniger dieselbe Geschichte ist. Er hat das auch nicht gewußt, aber was soll´s ... Wir haben zwei coole Filme gedreht, und das ist wichtig.

Nikolaus Triantafyllidis

Blutiges Schneegestöber

(Photos © Allegro Film/Bernhard Berger, Miguel Dieterich)


"In 3 Tagen bist du tot" war nicht nur der erste heimische Teenie-Slasher, sondern auch der meistbesuchte österreichische Film 2006. In Kürze startet das Sequel in den Kinos. EVOLVER sprach mit Hauptdarstellerin Sabrina Reiter über den Streifen und ihre Karriere. Lesen Sie den ersten Teil des Interviews.

Links:

Kommentare_

Kommentar verfassen

Stories
In 3 Tagen bist du tot 2/Interview Pt. 2

Big Brother is watching you

Bei Sabrina Reiter hat sich der Einfluß des großen Bruders durchaus positiv ausgewirkt. Der EVOLVER unterhielt sich mit Österreichs erster Scream-Queen. Teil zwei: über die Anfänge als Schauspielerin, ihre Lieblings-Horrorfilme und den Hang zur Komödie.  

Print
Chuck Palahniuk/Porträt

Master of Puppets

The first rule of Chuck: you talk about Chuck. Seine Bücher erreichen zwar nicht alle die Genialität von "Fight Club" - aber besser als das meiste auf dem internationalen Literaturmarkt sind sie trotzdem noch. Und das ist Grund genug für den EVOLVER, das bisherige Schaffen eines seiner Helden etwas ausführlicher zu betrachten.  

Print
Rex Miller - Fettsack

Dunkler Speck

Während die Buchempfehlungen in allen Medien derzeit weihnachtlich andächtig ausfallen, sucht EVOLVER noch einmal die dunkle Seite der Trash-Literatur auf und warnt: Für stille oder gar heilige Nächte ist dieser Titel garantiert nicht geeignet.  

Stories
In 3 Tagen bist du tot 2/Interview

Blutiges Schneegestöber

Mit "In drei Tagen bist du tot" drehte Andreas Prochaska nicht nur einen gelungenen Horrorstreifen, sondern auch den meistbesuchten österreichischen Film 2006. Und weil sich das Publikum für gelungene heimische Unterhaltung sehr wohl ins Kino begibt, startet in Kürze das Sequel. Der EVOLVER traf Hauptdarstellerin Sabrina Reiter und sprach mit ihr über die Fortsetzung.  

Video
John Rambo

There will be blood ...

... und zwar ohne Ende. Während es sich beim Titel des Andersonschen Ölfilms jedoch eher um eine leere Drohung handelt, fliegen in der neuen "Dschungelbuch"-Adaption à la Stallone gehörig die Fetzen.  

Print
Charlie Huston - Blutrausch

Von denen Vampyren auf Drogen

Im zweiten Teil seiner Blutsauger-Reihe begibt sich der amerikanische Noir-Autor mit Joe Pitt in ein neues Territorium der nächtlichen Parallelwelt New Yorks: Er soll eine Droge finden, die die Untoten nur allzu lebendig macht ...