Stories_Porträt: Lee Child

Für alle Fälle Lee

Er kennt alle Kniffe und weiß genau, was er tut: "Der Roman ist die reinste Form der Unterhaltung. Näher kommt kein anderes Medium an sein Publikum. Stundenlang ist der Leser mit dem Autor ganz allein - und hört ihm zu." Und dieser Brite hat dem Leser einiges zu erzählen ... Martin Compart berichtet.
   05.06.2007

Lee Child genießt seinen Erfolg: "Mit das Schärfste für einen Autor ist, zu sehen, wie Leute dein Buch im Flugzeug oder am Strand lesen, daß Hollywood dich im Zug anruft - und deinen Namen auf den Bestsellerlisten zu sehen."

Alles bereits erlebt. Child ist innerhalb von wenigen Jahren zum Bestseller-Garanten aufgestiegen. Jedes Jahr verkauft er eine Million Romane in 20 Sprachen. Da spielen die Lebenshaltungskosten in New York keine Rolle mehr. Vor ein paar Jahren ist er aus dem teuren London in die noch teurere US-Metropole umgezogen. Amerika war und ist aus mehreren Gründen wichtig für ihn: Er ist mit einer Amerikanerin verheiratet, und seine Karriereplanung als Bestseller-Autor war von Anfang an auf die Staaten ausgerichtet.

Deshalb hat er auch seine Serie über den Ex-Militärpolizisten Jack Reacher gezielt in den USA angesiedelt.

 

Es ist der größte Buchmarkt der Welt. Wer ihn erobert hat, dem stehen alle anderen Märkte offen. Durch meine Frau habe ich die USA regelmäßig besucht. Außerdem habe ich in all den Jahren beim Fernsehen eines gelernt: Du mußt dahin gehen, wo du das meiste Publikum erreichst. Die USA sind der größte Thriller-Markt. Ich nenne das meine Basketball-Theorie. Wenn du Basketballspieler werden willst, wirst du in Europa immer nur für die Zweitbesten spielen. Man muß in die Staaten zur NBA gehen, um rauszukriegen, ob man wirklich das Zeug zum Spitzenspieler hat. Dasselbe gilt für Schriftsteller.

 

Child ist freundlich und ein Gentleman. Die guten Manieren hat er jedoch nicht aus der Kinderstube: Er stammt aus Birmingham und wuchs mitten in den miesesten Industrieregionen auf, wo man schon ins Krankenhaus mußte, wenn man auch nur mit dem Flußwasser in Berührung kam. Kleine Konflikte wurden mit Fahradketten ausgetragen; alte Narben erinnern an die schönste Zeit des Lebens.

Der 1954 geborene Autor blieb nicht auf der Strecke und studierte Jura, ohne Anwalt werden zu wollen. Von Anfang an war sein Ziel das Showbiz. Nach dem Studium ging er zu Granada TV in Manchester, bekanntlich ebenfalls ein urbanes Juwel in der Krone Britanniens. Die Glotze brachte wichtige Erfahrungen:

 

Ich habe 17 Jahre lang Fernsehen gemacht. Ich weiß, wie das Spiel funktioniert. Als ich rausflog, war ich für 40.000 Stunden Qualitätsfernsehen mitverantwortlich gewesen, darunter Serien wie "Prime Suspect" und "Für alle Fälle Fitz". Das hat meine DNS auf spannende Unterhaltung programmiert.

 

Mit 41 war sein Leben auf Null gestellt: Granada TV feuerte ihn 1995. "Es war diese typische 90er-Jahre-Nummer", sagt Child. "Wenn Sie Ihren Job behalten wollen, müssen wir Ihr Gehalt halbieren." Da er Gewerkschaftsaktivist war, stand er nicht auf der Wunschliste anderer TV-Gesellschaften und wurde freudig gefeuert. Also setzte er sich hin und schrieb innerhalb weniger Wochen seinen ersten Thriller "Größenwahn", dessen Protagonist Reacher ganz anders war als die aktuell üblichen: "Ich wollte einen großen, starken Mann, ohne Bindungen und ohne die üblichen Freunde und Liebschaften - vor allem keinen blinden oder tauben Hobbykoch mit Alkohol- und Beziehungsproblemen. Reacher bleibt mysteriös. Zuviel über ihn zu wissen, wäre das Ende der Serienfigur. Nach dem ersten Buch dachte ich, der Kerl ist viel zu barbarisch für weibliche Leser. Ich hatte mich total geirrt. Frauen sind die größten Fans."

In jedem seiner Bücher findet man allerdings auch starke Frauen, die jedem Ballermann-Macho den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Reacher verbindet Schwarzeneggers körperliche Kraft mit der analytischen Brillanz eines Sherlock Holmes und der militärischen Ausbildung eines Special-Forces-Soldaten: "Braungebrannt und in bester Form, wie ein mit Walnüssen vollgestopftes Kondom." Trotzdem ist Reacher eher eine Hard-boiled-Version von Neal Cassady als ein Marvel-Held - denn im Grunde ist er auf der Flucht vor Enge, Uniformität und Erstarrung. Der Noir-Held als Beat.

Nirgends Verwandte, er schuldet niemanden Geld, hat nie jemanden betrogen oder irgendwelche Kinder gezeugt. Sein Name steht auf so wenigen Dokumenten, wie es einem Menschen überhaupt möglich ist. Der ruhelose Rumtreiber, der fast sein ganzes Leben außerhalb der USA verbracht hat, bewegt sich wie ein Außerirdischer durch God´s Own Country. Eine Inspiration für Reacher war John D. MacDonalds großartige Travis-McGee-Serie.

 

Mit seinem distanzierten Blick gelingen dem Autor treffende Schilderungen der amerikanischen Landschaft, der diese Spannung aus Realität und Mythos innewohnt. Nebenbei erklärt er, wie mies die Mythologen des freien Unternehmertums heute Geschäfte machen und dabei begeistert über Leichen trampeln.

Der verwahrloste Kontinent liefert die Weite, die er braucht. Die Unabhängigkeit und Bindungslosigkeit von Reacher ermöglicht es Child, mit jedem Roman eine andere Art von Thriller zu schreiben.

 

Als alter Fernsehprofi weiß ich natürlich genau, auf welche starken Strukturen ich verzichte, indem ich meinem Helden keine Soap-opera-Elemente mitgebe, die Leser oft an Serienfiguren binden. Andererseits kann ich einen Roman als psychologisches Kanmmerspiel machen und den nächsten als Polit-Thriller auf höchster Ebene. So halte ich die Serie frisch, ohne daß sie in ihren eigenen Klischees erstickt.

 

Seine Mischung aus Hard-boiled-Krimi und faktengespicktem Polit-Thriller ist derzeit im Genre das heißeste, sein Thriller-Konzept (eine zeitgemäße Mischung aus Ian Fleming, Peter O´Donnell und John D. MacDonald) schafft es, aus längst dahingestorbenen Plots noch Vitalität zu holen. Obwohl - auch das muß gesagt werden: Abgewichste Krimi-Fans durchschauen die Handlung auf halber Strecke. Trotzdem bleibt man dran, was für Childs Erzählkunst spricht.

Sein Stil hat nichts mit dem expressionistischen Minimalismus der Hammett-Ästhetik zu tun, sondern ist eine gelungene Synthese aus britischem Suspense-Thriller und amerikanischer Hard-boiled-Literatur. Die Reacher-Romane sind süchtigmachende Page-Turner, und die Fans bitten flehentlich darum, ihnen jährlich statt einem Roman doch bitte zwei in den Rachen zu rammen.

Seit 1998 lebt Lee Child in Westchester, New York - mit seiner Frau Jane, der erwachsenen Tochter Ruth und der kleinen Hündin Jenny.

 

"Deshalb komme ich so gerne nach Europa: um andere Raucher zu treffen", sagt Lee Child und steckt sich eine weitere Zigarette an. Und was hätte er gern auf seinem Grabstein stehen? "Hier liegt ein Kerl, der niemanden bösartig behandelt hat und seinen Unterhalt bestritt, ohne den Planeten auszuplündern."

Unseren Segen hat er!

Martin Compart

Lee Child


The Killing Floor, 1997 ("Größenwahn", Heyne).

Die Trying, 1998 ("Ausgeliefert", Heyne).

Tripwire, 1999 ("Sein wahres Gesicht", Blanvalet).

The Visitor (auch: Running Blind), 2000 ("Zeit der Rache", Blanvalet)

Echo Burning, 2001 ("In letzter Sekunde", Blanvalet)

Without Fail, 2002 ("Tödliche Absicht", Blanvalet)

Pursuader, 2003. ("Der Janusmann", Blanvalet)

The Enemy, 2004 ("Die Abschussliste", Blanvalet)

One Shot, 2005

The Hard Way, 2006

Bad Luck and Trouble, 2007

 

Photo © Blanche Mackey

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Kommentare_

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Alexander Trabert - 03.07.2008 : 17.59
Dem Kommentar von Herrn Compart ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, außer, dass die Thriller von Lee Child manchmal etwas zu brutal und actionlastig sind, obwohl sie solche Dinge gar nicht nötig haben bei dem Erzähltalent von Mr. Child. Besonders den "Janusmann" und "Tödliche Absicht" fand ich nicht so gelungen, das Letztgenannte habe ich gar nicht zu Ende gelesen. Aber ansonsten sind die anderen Bücher schon ganz okay. Freue mich schon auf "Bad Luck and Trouble".
ALexander - 26.05.2011 : 17.33
Ich muss meine Einschätzung von "Tödliche Absicht" revidieren. Ich habe mir das Buch nochmal vorgenommen und finde es jetzt richtig gut. Vor allem hat mir gefallen, das in diesem Roman die Beziehung Reachers zu seinem Bruder näher beleuchtet wurde.
Den "Janusmann" finde ich aber immer noch zu brutal und actionlastig.
Armin - 04.01.2013 : 17.43
Der britisch-amerikanische Krimiautor Lee Child (Jim Grant) hatte in den vergangenen Jahren mit seinen „Jack Reacher“-Romanen großen Erfolg.
Ich hatte begonnen, seinen ersten Roman „Größenwahn (Killing Floor)“ zu lesen, jedoch bereits nach knapp 100 Seiten wieder aufgehört. Ähnlich lief es noch mit „Ausgeliefert“, auch da wollte der Funke nicht überspringen, dann war für mich das Thema Lee Child durch:

Ein ehemaliger Angehöriger der Militärpolizei, der nun ohne festen Wohnsitz durchs Land vagabundiert, wird von einer Provinzpolizei festgenommen und schikaniert. Der Beginn von „Größenwahn (Killing Floor)“ aus dem Jahre 1997, erinnert nicht nur an „Rambo“, sondern auch an „In der Hitze der Nacht“. Dabei ist der Charakter des ehemaligen Militärpolizisten, der nun wie der klassische Westerner durchs Land zieht, zum Ende des 20. Jahrhunderts doch sehr weit hergeholt.
Und dass dieser Jack Reacher nur eine Zahnbürste dabei haben soll, ansonsten nicht einmal zusätzliche Kleidung, was schon aus hygienischen Gründen unsinnig ist, läßt die Figur wirken, als wollte der Autor derart viele unterschiedliche Leserschichten ansprechen, dass der Charakter eher künstlich als künstlerisch wirkt, was auch noch dadurch verstärkt wird, dass die Romane mal in der dritten, dann wieder in der ersten Person geschrieben wurden:
Allein schon die Vorstellung, dass jemand völlig ohne Gepäck, ja selbst ohne Rucksack, ohne Essen und Trinken, ohne zusätzliche Klamotten und gar ohne Waffe (Schon ungewöhnlich für einen Krimihelden) durch die verlassenen Weiten Amerikas zieht, ist unrealistisch und total absurd.

„Mein Name ist Mike Hammer, ich bin Privatdetektiv.“ Wo früher ein solch einfacher Satz ausreichte, um den Helden vorzustellen und, nomen est omen, zu charakterisieren, scheint Lee Child der Ansicht zu sein, den Helden möglichst kompliziert darstellen zu müssen.
Zugegeben:Auch zu Mickey Spillanes Zeiten gab es Nachahmer von Mike Hammer, wie Michael Avallones New Yorker Privatdetektiv Ed Noon oder Ernest Tidymans schwarzer P.I John Shaft, aber zu jener Zeit gab es eben viele Gemeinsamkeiten und Auffälligkeiten im Genre. In den 1970ern etablierte Robert B. Parker seinen Privatdetektiv Spenser. Seine Romane waren keine literarischen Meisterwerke, haben aber durch die daraus hervor gehende TV-Serie gut überlebt. Es folgten James Ellroy, dessen düstere Krimis zwar brillant geschrieben waren, aber schon viel von der Geschwätzigkeit moderner Autoren hatte. Andrew Vachss schien dort weiter zu machen, wo Mickey Spillane aufhörte:Seine Romane um den Desperado Burke führten tief hinab in eine urbane Unterwelt der Psychopathen und Kinderschänder und waren für lange, lange Zeit etwas Originelles, jedoch passte Burke nicht mehr in die patriotische After 9/11-Ära. Tom Clancys High-Tech-Romane dagegen beinhalten bodenständige Element, die vielen Krimis fehlen:Neben detaillierter Waffenkunde gestattet Tom Clancy seinen Helden zu altern und gibt in seinen letzten Romanen den Stab an die nächste Generation weiter – wenn derlei doch nur auch James Bond vergönnt wäre!

Von derlei Originalität sind Lee Child und Jack Reacher weit entfernt:„Größenwahn“ liest sich wie der Roman eines Autors, der zu viele Filme und Serien gesehen hat und man merkt deutlich, dass der Autor vom (britischen) Fernsehen kommt. Leider hat der Autor vergessen, dass TV und Literatur zwei völlig unterschiedliche Medien sind und was im einen Medium funktioniert, gerät im anderen rasch zum Rohrkrepierer wie eben bei „Größenwahn“. Das Motiv des rastlos Umherziehenden Einzelgängers ohne festen Wohnsitz gab es ja schon in einigen Fernsehserien („Auf der Flucht (The Fugitive)“, „The A-Team“, „Renegade – Gnadenlose Jagd“) – wäre derlei aber in literarischer Form veröffentlicht worden, wäre das Ergebnis wenig überzeugend geraten, weil ein Buch eben mehr Zeit in Anspruch nimmt als die Episode einer Fernsehserie, also wird man über das Gelesene auch mehr nachdenken.

Und während ein Quentin Tarantino bewußt Freude an Nostalgie und Zitaten hat, reiht Lee Child eher uninspiriert und insgesamt leidenschaftslos Elemente und Motive des Genres aneinander. Lee Child und seine Krimifigur Jack Reacher sind ein Rückfall in jene Zeit, als Krimifiguren nur dazu da waren, um Verbrechen aufzuklären und Gangster durch dunkle Gassen zu jagen und niemals über ein Privatleben mit eigenen Interessen verfügten.
Edgar Wallace holte sich seine Inspirationen aus Zeitungsberichten und Gerichtsverhandlungen; Mickey Spillane hatte selbst am zweiten Weltkrieg teilgenommen und konnte daher auch die Gewalt in seinen Krimis glaubhaft darstellen, Andrew Vachss erhält Inspirationen aus seiner Arbeit als Anwalt. Lee Child dagegen scheint sich nur aus anderer Fiktion wie TV und Kino zu bedienen und so wirken die Situationen auch stets sehr konstruiert:Reacher wird zusammen mit einer Frau entführt; Reacher wird als Anhalter mitgenommen und bekommt einen Mordauftrag; Reacher fährt in der U-Bahn und enttarnt einen Selbstmordattentäter – wahrlich, dagegen wirken die Fälle eines Mike Hammer fast schon realistisch, selbst der nach seinem Tod veröffentlichte „The Goliath Bone“ (Der Post-9/11-Mike Hammer!).
Auch die Waffenkunde scheint Lee Child aus zweiter und dritter Hand zu haben, bestenfalls aus Fachbüchern, schlimmstenfalls aus Film und Fernsehen, wodurch seine Waffenbeschreibungen auf „Jerry Cotton“-Niveau rangiert. Das war vor rund 30 Jahren noch halbwegs akzeptabel, aber seit Tom Clancy darf der Leser erwarten, dass die Autoren eines solchen Genres mit derlei praktisch vertraut sind!
Die Figur Jack Reacher wirkt, als hätte jemand die Gutmenschenhaltung des biederen Jerry Cotton mit der rauen Hau-drauf-Mentalität eines Mike Hammer und dem nüchternen Realismus eines Tom Clancy kreuzen wollen. Dadurch ist Jack Reacher jedoch reichlich beliebig und ohne echte Eigenschaften geraten – ein modern-künstliches Produkt!

Seine Stärken hat der Roman „Größenwahn“ jenseits des Charakters und der eigentlichen Krimihandlung:Zwischen den Zeilen schimmert gelungene Kritik am amerikanischen Kapitalismus durch:Den Ermittlungsbehörden ist Jack Reacher schon allein dadurch verdächtig, dass er keinen festen Wohnsitz hat, von seiner Abfindung, die er vom Militär erhalten hat, lebt, und gar nicht daran denkt, nun einer geregelten Arbeit nachzugehen. Offenbar ist God's Own Country nur dann das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wenn man sein Leben irgendeiner stumpfsinnigen Arbeit widmet, um so mit seinen Steuern das kapitalistische System aufrechtzuerhalten.

Warum sich der Autor Lee Child so sehr auf den amerikanischen Markt fokussiert, obwohl die USA gerade mal rund 290 Millionen Einwohner haben im Verhältnis zu einer Erdbevölkerung von über 7 Milliarden, scheint doch ziemlich unsinnig.

„Größenwahn“ ist ein gutes Beispiel für moderne Krimis, in denen die Autoren einen eher dünnen Handlungsfaden auf mehreren hundert Seiten auswalzen:Die ersten 100 Seiten von „Größenwahn“ beschäftigen sich fast nur mit Jack Reachers Inhaftierung - das wäre bei klassischen Autoren wie Edgar Wallace schon der halbe Roman.
Die „Jack Reacher“-Reihe ist also eher etwas für Leser, die noch nie Mickey Spillane oder Andrew Vachss oder auch nur Robert B. Parker oder Gérard de Villiers gelesen haben.
Dass ausgerechnet der in der Vergangenheit sehr kritische Martin Compart diesen Lee Child derart lobt, macht die Sache nicht besser, aber nachdem er in einem eigenen Buch sogar die Trivialreihe „Jerry Cotton“ geadelt hat, sind die Zeiten als er hemmungslos vom Leder gezogen hat, wohl entgültig vorbei – leider …
Dr. Trash - 04.01.2013 : 18.23
Andererseits - was soll man zu einem sagen, der Tarantino gut findet ...
Da ist jeder "Jerry Cotton" besser. Und Lee Child sowieso.
Alexander - 07.01.2013 : 11.14
Ich finde Armin urteilt zu hart über Lee Child. Sicher, manche Szenen in den Büchern von Mr. Child sind zu lang und auch überflüssig.(Ich meine damit z. Bsp. die ein oder andere Actionszene in "Größenwahn" und "Ausgeliefert".)Doch es steckt auch viel Gutes in den Büchern um unseren Haudegen Jack. Sie sind häufig berechtigt kritisch mit der heutigen Gesellschaftsordnung in der USA und sie offenbaren das erzählerische Talent des Autors. Denn schreiben kann er ja. Ich finde er sollte nur langsam mal einen Non-Reacher schreiben. Es könnte vielleicht ein spannender und sozialkritischer Gesellschaftsroman im Stile von Emile Zola oder des frühen James Lee Burke sein.
Armin - 17.01.2013 : 15.11
Selbstverständlich finde ich Quentin Tarantino klasse:
Er propagiert in seinen Filmen hemmungslos die Lust an der Gewalt und nimmt keine Rücksicht auf irgendwelche Altersfreigaben. Während viele dieser Mainstream-Filmemacher irgendwelchen ästhetischen Kinderkram und modernen Unsinn produzieren (Die James-Bond-Abenteuer seit den 1990ern waren doch nur noch irgendwelche FSK12-Kindergeburtstage!), frönt Quentin Tarantino der Nostalgie, zeigt, wie amüsant frühere Produktionen waren und noch immer sind und wie ärgerlich viele der modernen Filme. Viele der modernen Filmemacher sind doch nur noch Auftragsfilmer, die alles runter kurbeln, was ihnen angeboten wird, eine eigene Handschrift haben die wenigsten, Hauptsache, sie können irgendeinen geistlosen Streifen produzieren, mit dem dann Bettwäsche, Tassen, Spielzeug und anderer Schnickschnack verkauft werden kann:Einige von ihnen zitieren sich seit Jahren nur noch selbst (Tim Burton), andere zehren vom Ruhm einiger gelungener Filme (David Fincher), haben sich vom Mainstream vereinnahmen lassen (Martin Scorsese), einstige Meister aus dem Ausland gingen im Hollywood-Kommerz unter (John Woo) oder sind gleich in ihre Heimat zurück (Paul Verhoeven). Ich vermisse echte Typen wie Francis Ford Coppola, Alfred Hitchcock, John Milius, Walter Hill. John Carpenter. Quentin Tarantino beweist also Rückgrat und Kompromisslosigkeit.
Außerdem haben seine Filme auch ein bodenständiges Element:Dienen in anderen Filmen die Dialoge oft nur dazu, die Handlung voran zu treiben oder zu erklären, drehen sich die Unterhaltungen bei Quentin Tarantino um alltägliche Dinge. Und worüber unterhalten sich viele Menschen? Eben um Filme und Musik. Man braucht sich nur mal die Eingangssequenz in „Reservoir Dogs“ anzusehen und die Dialoge anzuhören – derlei Dialoge und schräge Visagen wünsche ich mir in den „James Bond“-Filmen! Stattdessen bekommt man diesen Daniel Craig samt öden Dialogen präsentiert und auch Javier Bardem durfte in dem Kracher „Perdita Durango“ mehr zeigen als in „Skyfall“. Zugegeben:Ich fand „Skyfall“ auch klasse – aber nur während ich im Kino saß, hängen geblieben ist aus dem Film nicht allzu viel, ebenso wie bei den letzten beiden „James Bond“-Filmen. Wann kommt endlich Jack Bauer zurück? Die „James Bond“-Filme zitieren sich seit Jahren nur noch selbst und James Bond ist zu seiner eigenen Parodie geworden:Ich meine, 007 feierte 2012 sein 50jähriges Filmjubiläum, aber der Charakter ist immer noch Mitte 30 – einfach lächerlich! Und warum eigentlich? Sehr Euch mal Danny Trejo als „Machete“ an – und der ist über 60! Seitdem Timothy Dalton den besten 007 gegeben hat (Keiner war näher an der literarischen Romanvorlage und er war der einzige, der sich nicht auf die Rolle als Kleiderständer und Werbeträger reduzieren ließ, sondern den Job als Schauspieler ernst nahm. Außerdem ist „Lizenz zum töten“ noch immer der härteste und schmutzigste „James Bond“-Film!) ging die Reihe stetig den Bach runter!
Auch die Musik bleibt bei Quentin Tarantino im Ohr, bei anderen Filmen klingt der Soundtrack und Instrumental Score inzwischen derart beliebig und austauschbar. Ich erinnere an die genialen Kompositionen eines John Barry zu den klassischen „James Bond“-Filmen – versucht doch mal das „James Bond“-Thema in den neuen 007-Filmen zu finden …
Auch die neuen Komponisten bleiben weit hinter dem zurück, was Musiker wie Jerry Goldsmith, Ennio Morricone, Roy Budd, Elmer Bernstein, Dimitri Tiomkin, einst komponiert haben.
Auch wenn Quentin Tarantinos letzter Film meine Erwartungen nicht erfüllt hat (Brad Pitt und Til Schweiger passen einfach nicht in einen Quentin Tarantino-Film, genauso wenig wie Jamie Foxx und Leonardo Di Caprio im aktuellen „Django Unchained“), aber derlei Fehlbesetzungen sind leider ein Merkmal vieler moderner Filme, die lieber irgendwelche Gesichtsvermieter und Milchbubis in der Hauptrolle besetzen, derweil die wenig übriggeblieben Tough Guys in irgendwelchen B-Movies (Michael Madsen) oder in Nebenrollen (Danny Trejo, Lee Ermey) verheizt werden. Ich vermisse so Typen wie John Wayne, Lee Marvin, Steve McQueen, Richard Burton, Jean-Paul Belmondo, die auch im wirklichen Leben das waren, was sie auf der Leinwand verkörperten. Heute gibt’s nur noch diese GirlieMen, die auf der Leinwand als Actionhelden auf dicke Hose machen, sich im echten Leben aber gegen privaten Waffenbesitz engagieren und sich ohne Bodyguards nicht mehr vor die eigene Haustür trauen …

tom - 11.11.2015 : 14.09
Ich mag Jack Reacher
Gut finde ich die losen Fäden und Irrwege die in jeder Geschichte enthalten sind.
Den Kritikpunkt von USER Armin was die Waffensachkunde betrifft kann ich als jemand der berufsmässig mit Waffen zu tun hat absolut nicht bestätigen.
Fast alles was Lee Child über Waffen schreibt trifft zu . Selbst Kleinigkeiten wo ein Sicherungshebel sitzt und welche ergonomischen Probleme manche Waffen damit haben .
Dass man mit einem BARRETT nicht so ohne weiteres auf über 1 Meile einen Baum mehrfach treffen kann sei dahingestellt.
Aber die Beschreibung der Waffe/n ist absolut genau und präzise.
Conny - 16.05.2016 : 22.04
Hey, was ist denn hier los? Ichbin erstmals auf einer Krimi-Kommentarseite. Da geht es aber ernsthaft zu, als wüsste nicht jeder, dass Krimis Märchen sind, Märchen für Erwachsene und verlangt von Reacher "Realität". Reacher ist der Unabhängige, der frei Geist, den zu sein, wir uns alle manchmal wünschen. Deshalb mögen wir ihn mit seiner Zahnbürste. Im Netz habe ich über Jean Sibelius gelesen, dass er anfangs des 20. Jahrhunderts mit seinen Freunden durch Europa gezogen ist. Mit nichts, als einer Zahnbürste im Gepäck. Wenn sie neue Klamotten brauchten, haben sie sich welche gekauft. Bin fast ausgeflippt, als ich das las, noch einer! Ob Lee Child sich das bei Sibelius abgeschaut hat???

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