Video_DVD-Tips 6/2013

Kleine und große Fische

Robert Mitchum und Nick Nolte ziehen die Hüte. Zwei Haie laden zum Einkaufsbummel. Und eine norwegische Dokumentation berichtet über Exorzisten im 21. Jahrhundert.    01.07.2013

Jürgen Fichtinger

Bait - Haie im Supermarkt

ØØØ

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(Australien/China 2012/Region 2/SquareOne Entertainment/Universum)

 

Und der Haifisch, der hat Zähne, und die trägt er neuerdings sogar im Supermarkt. Im australischen Creature-Feature "Bait" landen gleich zwei große Weiße mitten in einem unterirdischen Einkaufszentrum. Eine gigantische Tsunami-Welle hat sie dorthin befördert und einen gerade stattfindenden Überfall samt Räubern, Kundschaft und Angestellten sprichwörtlich ins Wasser fallen lassen. Was folgt, sind eineinhalb kurzweilige Stunden für Genrefreunde, in denen man genau das bekommt, was man erwartet: kreischende Menschen, keine Überraschungen und zwei Haie beim Einkaufsbummel in der Frischfleischabteilung. Regisseur Kimble Rendall zeichnete zuletzt für den Aussie-Slasher "Cut" (2000) verantwortlich und bastelt gerade am "Taken"-Verschnitt "Blowback".

 

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The Exorcist in the 21st Century

ØØ 1/2

Import-Tip

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(Norwegen 2012/Region 1/The Disinformation Company)

 

Wandelte zuletzt Anthony Hopkins in "The Rite" auf den Spuren Max von Sydows, so ist es seither wieder recht still um das Thema Exorzismus geworden. Weder Daniel Stamms "The Last Exorcism" noch William Brent Bells "Devil Inside" stellten mit ihrem schalen "found footage"-Schmäh eine echte Bereicherung für das Genre dar. Auftritt des jungen norwegischen Dokumentarfilmemachers Fredrik Horn Akselsen: Für seine zweite Regiearbeit führte er unter anderem Gespräche mit dem norwegischen Erzbischof Bernt Ivar Eidsvig, Gabriel Amorth (Exorzist der Diozöse Rom und Mitbegründer der "International Association of Exorcists") sowie dem spanischen Teufelsaustreiber Vater José Antonio Fortea. Letzteren begleitete er auch zu Veranstaltungen, bei denen die Gläubigen Fortea fast wie einen Rockstar anhimmeln; ansonsten läßt der Regisseur die geistlichen Herren allesamt aus dem dämonologischen Nähkästchen plaudern. "The Exorcist in the 21st Century" widmet sich seinem Thema auf nüchterne Art und verzichtet dabei zur Gänze auf publikumswirksame Inszenierungsmethoden. Leider verzichtet Akselsen ebenso auf fundierte Hintergrundrecherche oder Fallbeispiele aus der jüngeren Vergangenheit. Wer dergleichen sucht, dem legen wir Matt Baglios "Die Schule der Exorzisten" ans Herz. Freunde von atmosphärisch beleuchteten Exorzismen oder schrillen Beschimpfungen greifen nach wie vor zu Friedkins - sowohl von Amorth als auch Fortea geschätztem -  Original oder hören sich einfach die Tonbandaufzeichnungen des Falls Anneliese Michel an. Über "The Last Exorcism 2: The Beginning of the End" breiten wir an dieser Stelle lieber den Mantel des Schweigens. Apropos: Denselben hat die katholische Kirche in Österreich 2011 über den Begriff "Exorzist" gelegt. Seither muß man "Beauftragter im Befreiungsdienst" sagen. Na dann ...

 

 

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Fast Forward


Nach eigenen Regeln
ØØØ1/2

(USA 1996/Region 2/Concorde Home Entertainment)

 

Vergessen Sie den derzeit im Handel erhältlichen "Gangster Squad" und gönnen Sie sich stattdessen einen weitaus jüngeren Nick Nolte aus dem Jahr 1996: In Lee Tamahoris US-Debüt "Mulholland Falls" schickt der "Once Were Warriors"-Regisseur Nolte gemeinsam mit seiner "Hat Squad" (Chazz Palminteri, Michael Madsen und Chris Penn) aus, um im L.A. der 50er Jahre einen Mordfall aufzuklären. Sehenswerter Neo-Noir, der ein Jahr vor Curtis Hansons kongenialem "L. A. Confidential" Fedoras zurück auf die Leinwand brachte und im Rahmen von Concordes "Cinema Noir"-Reihe neu auf DVD erscheint.

 

 

 

Fahr zur Hölle, Liebling
ØØØ1/2

(USA 1975/Region 2/Concorde Home Entertainment)

 

Robert Mitchum gibt Chandlers private eye Philip Marlowe, teilt Faustwatschen aus und bringt Puffmüttern Manieren bei. Dick Richards Verfilmung von "Farewell, My Lovely" gehört zu den gelungensten Chandler-Adaptionen und zeigt einen Mitchum in Höchstform. (Die DVD ist ebenfalls Teil der "Cinema Noir"-Reihe.)

 

 

 

Pan Am - Die komplette Season
ØØ1/2

(USA 2011/Region 2/Sony)

 

Seit gut fünf Jahren verfolgen wir bereits die wunderbar verrauchten Sechziger-Jahre-Abenteuer rund um Don Draper und seine "Mad Men". Zur ungefähr gleichen Zeit spielt auch die Serie "Pan Am" mit Christina Ricci als Stewardeß der einst lässigen Fluglinie. Leider mangelt es der seit kurzem auch bei uns zu habenden Serie an sämtlichen Qualitäten der Weinerschen Kreation. Statt dichten Scripts und überstylishem Ambiente bietet "Pan Am" soapy Postkarten-Nostalgie ohne Biß oder Chic. Sparen Sie sich das Mitfliegen.

 

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