Video_DVD-Tips 5/2004

Käfer, Knutscher, Kreaturen

Getauschte Körper, gewalttätige Väter, verliebte Teens und Obskures aus den Siebzigern finden sich diesmal in den DVD-Tips.    02.06.2004

 

Jürgen Fichtinger

Starship Troopers 2: Held der Federation


(USA 2004/Region 2/Columbia Tristar)

Die Käfer krabbeln wieder. Elf Jahre nach Paul Verhoevens umstrittener Heinlein-Adaption haben sich Jon Davison, Ed Neumeier und VX-Altmeister Phil Tippett zusammengetan, um die Troopers erneut marschieren zu lassen. War Teil 1 ihr "Aliens", so sollte "Hero of the Federation" die kostengünstige (und auf Sonys 24p gedrehte) "Alien"-Alternative sein. Um das Budget des Streifens möglichst niedrig zu halten, wurde Tippett (dessen Studio für die Effekte verantwortlich zeichnet) kurzerhand der Regiestuhl gereicht; schließlich diente er bereits unter Lucas, Spielberg etc. und mußte während seiner Set-Zeit etwas gelernt haben. Scheinbar ist dem nicht so, denn Tippett dürfte nur zwei Einstellungsgrößen kennen: Nahe & Halbnahe, was man sich außen ja noch einreden ließe (remember: low budget), doch das Konzept wird auch innen beibehalten. Dem Mann sollte man eindeutig einen Nachhilfekurs in Sachen Szenenauflösung verpassen, denn jedes 5-Dollar-C-Action-Movie aus den Achtzigern wirkt dagegen wie ein Meisterwerk. Was Kameramann Christian Sebaldt sich dabei gedacht hat, würde man auch gern wissen, ebenso, warum sämtliche Sets des lange verlassenen Außenpostens so verdammt sauber sind. Fazit: Trotz Profi-Crew amateurhafter Pfusch, von dem selbst Hardcore-Komplettisten ihre Finger lassen sollten! Eine Schande...

 

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Freaky Friday


(USA 2003/Region 2/ Buena Vista Home Entertainment)

Überraschend frisch und liebenswert präsentiert sich die "Ich bin Du"- Themenvariation aus dem Hause Disney mit Jamie Lee Curtis und Lindsay Lohan. Ein magischer Glückskeks beim Chinesen sorgt für Mutter/Tochter-Körpertausch und Unterhaltung beim Zuseher. Denn Mamas Hochzeit steht knapp bevor, und das pubertierende Töchterlein soll nebst erster Liebelei bei einer "Battle of the Bands" die Lead-Gitarre quälen. Das Remake eines Seventies-Films präsentiert sich als charmant origineller Neuaufguß einer altbewährten Formel. Als Special Features stehen neben einem "Behind the Scenes" unter anderem entfallene Szenen sowie ein alternativer Schluß zur Verfügung.

 

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Die letzte Kriegerin


(Neuseeland 1994/Region 2/Kinowelt Home Entertainment)

Neuauflage von Lee Tamahoris meisterlicher Verfilmung des gleichnamigen Romans (OT: "Once Were Warriors") von Alan Duff. Wer die Geschichte über die Maori-Familie Heke einmal gesehen hat, wird sie garantiert nie wieder vergessen, allein schon wegen der hervorragenden Leistung der Schauspieler, allen voran Rena Owen und Temuera Morrison. Ein immer noch beeindruckender Film, die DVD leider immer noch ohne Extras.

 

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La Boum 1 & 2 - Special Edition


(F 1980/82/Region 2/ UFA/Universum Film)

Behandelten Filme wie "The Sure Thing", "Ich glaub´, ich steh´ im Wald" oder "American Pie" die Problemchen hormongetriebener Teens auf der biergetränkten Zielgerade, so war es ein anderer, der sich auf herrlich kitschige Art dem Schwellenübertritt von der 12 auf die magische 13 widmete und dem es vielmehr um das erste Knüpfen zarter Bande unschuldiger "Gerade-Teen-Gewordener" ging . Die Rede ist von "La Boum", dem französischen Kassenschlager mit Claude Brasseur und der damals 13jährigen Sophie Marceau in ihrem Leinwanddebüt als pubertierendes Töchterlein. (Die Tatsache, daß sich Brasseur und Marceau Jahre später in "Descente aux enfers" als Liebende schwitzend auf der Matratze wälzen sollten, sorgte seinerzeit für einen Skandal im schönen Frankreich.) Nach den beiden recht mager ausgestatteten Einzelveröffentlichungen liegen mit der im Digipack erschienenen "Special Edition" beide Teile plus einer zusätzlichen Special-Features-Scheibe als ordentliche DVD-Umsetzung vor. Neben knapp 150 Minuten Bonusmaterial gibt es jeweils einen Audiokommentar vom Regisseur.

 

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Swimming Pool


(F 2003/Region 2/Highlight)

Der wohl mysteriöseste Film der vergangenen Filmsaison war wohl dieses Vexierspiel um ein denkwürdiges Zusammentreffen einer schreibblockierten Autorin und einer nymphomanen Verlegerstochter in einem entlegenen Landhaus (samt titelspendendem Swimmingpool). "Ein unerhörtes Biest von einem Film, eine subtile Reflexion über den Autorenfilm selbst, im Gewand des psychologisch motivierten, sexy um die eigenen Erwartungshaltungen tänzelnden Thrillers", hieß es damals in der EVOLVER-Rezension. Es ist ein Biest, das auch ein knappes Jahr später als DVD-Release mit aller Vehemenz zuzubeißen imstande ist. Der Streifen, der Haneke wohl nie so gelingen wird.

 

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Das Geheimnis des verborgenen Tempels


(USA 1985/Region 2/ Paramount Home Video)

Alt, aber immer noch liebenswert - Steven Spielbergs Beitrag zur Sherlock-Holmes-Mythologie mit seinerzeit bahnbrechenden Effekten und inszeniert von Barry Levinson. Sozusagen die Jugendjahre des kriminalistischen Masterminds. Ein Wunder, daß es bis heute kein Sequel gibt.

 

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Sherlock Holmes: Der Hund von Baskerville


(GB 1988/Region 2/polyband)

Sherlock, die zweite, diesmal ganz traditionell mit dem erwachsenen Meisterdetektiv. Die legendäre Mär vom bösen Teufelshund aus einer Reihe britischer Neuverfilmungen fürs Fernsehen aus den Achtzigern . Im Vergleich zum Basil-Rathbone-Klassiker atmosphärisch leider etwas blaß, dafür mit einer interessanten Holmes-Interpretation von Hauptdarsteller Jeremy Brett. Durchaus einen Blick wert. Als Zusatz gibt es einen informativen Audiokommentar des Holmes-Experten Michael Ross.

 

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Undead


(Australien 2003/Region 2/ I-ON New Media)

Ließ der erste Trailer zum australischen Zombie-Spaß noch die Herzen höher schlagen, kommt mit der Sichtung die Ernüchterung. Herausgekommen ist nämlich ein halbgares B-Movie, das in seinen besten Momenten zwar an Jacksons "Bad Taste" erinnert, letztlich aber enttäuscht und sich maximal als Partyfilm eignet. Schade.

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The Howling


(USA 1980/Region 2/ Kinowelt Home Entertainment)

Joe "Gremlins" Dantes Statement zur Werwolfthematik mit SFX von Rob Bottin. Ein paar Monate, bevor John Landis mit seinem schwarzhumorigen "American Werewolf in London" das Genre revolutionieren sollte (vor allem in Hinblick auf die Metamorphose), bewies Dante, daß auch Lykanthropen eine Seele haben und dafür zwangsläufig einen Seelenklempner brauchen. Mit dabei Robert (der "Voyager-Doc") Picardo und umfangreiche Special Features. Statt des Audiokommentars der US-Version verfügt die Doppel-DVD über eine extra produzierte (und gelungene) Dokumentation.

 

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Frank Zander


(D 2003/Region 0/ Zett Records)

"Ich bin der Ururenkel von Frankenstein..." Sagt ihnen nix? Dann werfen sie mal einen Blick in diese DVD von und über Frank Zander, der in den Achtzigern deutsche Popblödel-Geschichte schrieb.

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Tarantinoides aus Frankreich

Import-Tip: Frankreich


(USA 1994/94/93/Region 2/ div.)

Manchmal müßt´ man halt doch ein Franzos sein... Warum? Weil das Mutterland der Nouvelle Vague einfach die schönsten und edelsten DVD-Editionen bekommt, gegen die sogar die meisten US-Releases schwach aussehen (über hauseigene DVD-Produktionen wie zu den Filmen Gaspar Noes, Mathieu Kassovitzs oder Jan Kounens will man sowieso längst nicht mehr nachdenken). Gerade wieder geschehen ist dies bei "Killing Zoe", "Natural Born Killers" und "True Romance". Die Special Edition des Tony-Scott-Movies ist nahezu ident mit der wunderbaren US-Edition, zusätzlich zum Director´s Cut ist allerdings noch die Kinofassung enthalten. Der Stonesche Beitrag verfügt neben massig vorhandenem Bonusmaterial auch über ein wundervolles Layout. Den Clou allerdings stellt die Special Edition von Roger Avarys "Killing Zoe" dar, wo neben zahlreichen Special Features auch zum ersten Mal der ungeschnittene Director´s Cut präsentiert wird. Eine Gemeinheit…

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All Night Long 1-3

Import-Tip: Holland


(Japan 1992/95/96/Region 0/ Japan Shock)

Matsumura Katsuyas "All Night Long"-Reihe (OT: "Ooru naito rongu") zählt seit langem zu den begehrtesten Objekten unter japanophilen Video-Nasties-Fans. Drei verstörende Geschichten über den Soziopathen von nebenan, ebenso erzählt und definitiv (immer noch) nichts für schwache Nerven. Teil 2 war seinerzeit sogar den japanischen Kinos zu gewagt und wanderte zu den Direct-to-Video-Releases.

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Death Bed: The Bed That Eats

Import-Tip: USA


(USA 1977/Region 1/Cult Epics)

Die Siebziger waren nicht nur wild, sondern auch ganz schön wirr, wie dieses lange Zeit "verschollene" Underground-Juwel belegt. Bisher nur in dubioser VHS-Form existent, wußte nicht einmal der Regisseur, daß sein Film das Licht der Öffentlichkeit je erblickt hatte. Der offizielle DVD-Release ändert dies und läßt George Barry diese Anekdote außerdem selbst im Interview erzählen. Ein Geheimtip für Freunde des etwas anderen Films.

 

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City of God

Nice-Price-Tip


(Brasilien 2002/Region 2/Highlight DVD)

Vielfach ausgezeichnet und nicht nur visuell brillant, gibt es die Doppel-DVD des Films jetzt zum Schleuderpreis. Das ausführliche "Making of" schildert unter anderem, wie Kátia Lund und Fernando Meirelles ihre Laiendarsteller an die Schauspielerei heranführten.

 

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MGM Gold Edition

Nice-Price-Tip


Im Rahmen der "Gold Edition" aus dem Hause MGM gilt es derzeit einige üppig ausgestattete "Must-Haves" für eine Handvoll Euros zu erstehen (oder sich zu ärgern, daß man sie bereits - teuer gekauft - im Schrank stehen hat). Mit dabei: "Das Schweigen der Lämmer", "Zwei glorreiche Halunken", "Blue Velvet", "Carrie" und und und…

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Shogun


Der vorletzte Samurai: Lesen Sie dazu unsere ausführliche EVOLVER-Story.

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