Video_House of the Dead

Zombiedebakel hoch zehn

Nach "Resident Evil" mußte nun ein weiteres Untoten-Horror-Videospiel kinomäßig dran glauben. Das Ergebnis ist wahrlich zum Fürchten.

   22.12.2004

Mit der Kinoadaption des gleichnamigen Ego-Shooters "House of the Dead" aus dem Hause Sega hat Deutschlandexport Uwe Boll wohl einen der schlechtesten Zombiefilme aller Zeiten "inszeniert" (sofern man bei seinem offensichtlichen Untalent davon sprechen kann).

Kurz zur Geschichte: Ein paar Teens machen einen Ausflug auf die Insel der Toten, wo natürlich die Zombies warten. Was folgt, sind eineinhalb Stunden wahrer Tortur, die nicht einmal hartgesottene Trash/Genre-Fans aushalten werden. Boll, der in einem der auf der DVD enthaltenen Interviews seine Vorliebe für die Romero-Zombies gesteht, hat scheinbar in seinem Leben keinen einzigen davon zu Gesicht bekommen, sonst wären ihm vielleicht ein paar der vielen, vielen miesen Szenen wenigstens auf atmosphärischer Ebene geglückt.

Das Drehbuch könnte ein zurückgebliebener zehnjähriger Analphabet besser schreiben, die visuelle Auflösung jeder deutschen Soap wirkt dagegen wie ein durchdachter Genuß vom Schlage Conrad Halls, und die Schauspieler - ganz abgesehen vom mißlungenen Casting - können wahrscheinlich nichts dafür.

Das Ergebnis könnte man wohl als "Zombies unter Kannibalen" meets "Matrix 2" bezeichnen, da Boll keine Gelegenheit ungenützt läßt, die inzwischen ohnehin inflationär eingesetzte "Bullet Time" an den Mann zu bringen. Auch die zahlreichen Gore-Effekte sowie reichlich zur Schau gestelltes Frauenfleisch helfen da nicht weiter.

Amüsanterweise existiert im Web ein offener Brief von Boll, in dem der Mistfabrikant erklärt, warum sein Film nicht so schlecht ist, wie die ganze Welt - leider zu Recht - behauptet.

Wir raten Ihnen dringend, von dieser DVD mindestens zehn Meter Abstand zu halten. Pfui Deibel!

 

PS: Warum man den Nichtskönner Boll mit der Regie der "Alone in the Dark"-Kinoadaption betraut hat, bleibt wohl eines der größten Geheimnisse des Universums.

Jürgen Fichtinger

House of the Dead

Ø


Kinowelt (USA 2003)

DVD Region 2

ca. 87 Min., dt. Fassung oder engl. OF, wahlweise mit dt. UT (DD 5.1)

Features: Audiokommentar von Uwe Boll (Regie), Mathias Neumann (Kamera) und Wolfgang Herold (Produzent), "Making of", zwei Musiktitel, Trailer, zehn Interviews

Regie: Uwe Boll

Darsteller: Jonathan Cherry, Jürgen Prochnow, Ona Grauer u. a.

 

Links:

Kommentare_

Kommentar verfassen

Video
Blu-ray-/DVD-Tips 4/2014

Blaue Ruinen und heilige Berge

Es knallt, es kracht - und es wird esoterisch. Zücken Sie die Fernbedienungen und lehnen Sie sich für unsere Heimkinoempfehlungen gemütlich im Fernsehsessel zurück.  

Video
Blu-ray-/DVD-Tips 3/2014

Bye, bye, A.I.?

Der große, böse Wolf kommt neuerdings aus Israel, Roy Battys Low-Budget-Nachfolgerin dafür aus Großbritannien. Dazwischen tummeln sich die Anarcho-Trickfilmfiguren Ren und Stimpy, US-Sexualforscher sowie jede Menge Genrekost.  

Video
Blu-ray-/DVD-Tips 2/2014

Schau mir in die Augen, Kleines!

Lernen Sie, wie man am besten durch Drogen reich wird. Sehen Sie zu, wenn Orson Welles mit Charlton Heston Schlitten fährt. Oder reisen Sie mit den Mystic Knights of the Oingo Boingo per Anhalter durch die Heimkino-Galaxis.  

Video
Blu-ray-/DVD-Tips 1/2014

Plasma an!

Arm gegen reich, Profitgier gegen Rückgrat - und natürlich jede Menge Blei: unsere aktuellen Heimkinoempfehlungen sind angerichtet.  

Video
DVD-Tips 12/2013

"Do I feel lucky?"

"Well, do ya, punk?" Eine amerikanische Doku widmet sich dem Verfasser dieser Zeilen. Wem das nicht gefällt, der darf mit Quentin Dupieux Hundefänger spielen oder den Fernsehabend mit Dr. Lecter verbringen. Wohl bekomm´s!  

Video
DVD-Tips 8/2013

Halali im Heimkino

Mel Gibson ist auf der Flucht, Sly Stallone auf der Jagd - während Michael Shannon und Chloë Sevigny den Finger stets am Abzug haben und Kevin Spacey im Weißen Haus nicht nur die Puppen tanzen läßt.