Games_Army Of Two: The Devil´s Cartel

Geteiltes Leid ist doppelter Spaß

Third-Person-Deckungs-Shooter gibt es wie Sand am Meer. Heutzutage muß ein solches Spiel schon etwas Besonderes bieten, um sich von Konkurrenten wie "Uncharted", "Tomb Raider" oder "Gears of War" abzusetzen. "Army Of Two" setzt dabei auf seinen Koop-Modus. Ob das reicht?    29.04.2013

Zu den schönsten Erinnerungen vieler Spieler zählen die Momente, als man mit dem besten Freund vor dem Fernseher saß und gemeinsam Königreiche befreite, Bösewichte in Grund und Boden prügelte oder Rennen fuhr - zuweilen auch gegeneinander. Dieses Vergnügen verdanken wir einem Feature, das während der PS2-Ära beinahe zum guten Ton für Spiele gehörte und heute scheinbar vom Aussterben bedroht ist: der Splitscreen. Ein Online-Mehrspieler-Modus ist zwar auch unterhaltsam, doch nichts geht über die Befriedigung, Freunde im Zweikampf zu besiegen und sie anschließend triumphierend auszulachen, nur um dann im Zuge eines spontanen Racheakts vom Sofa getreten zu werden. Es sind solche Momente des direkten Miteinanders, die ein Online-Match einfach nicht reproduzieren kann. Natürlich kann man via Splitscreen auch kooperieren, um Seite an Seite Abenteuer zu bestehen. Mit letzterem lockt die "Army Of Two"-Reihe seit dem Serienstart 2008.

 

Gleich vorweg: Wer sich sehr an der Verherrlichung von Gewalt stört, sollte um dieses Spiel einen weiten Bogen machen. In "Army Of Two" übernimmt man nämlich die Rolle eines Söldners. Das bedeutet, daß man für Geld tötet. Nun ist es ja durchaus legitim, sich eines solchen Themas anzunehmen - aber bitte nicht auf die Art und Weise, wie es die Episode "The Devil´s Cartel" tut. Das Töten wird in diesem Game bis zur Unkenntlichkeit verharmlost und beinahe wie ein Sport behandelt. Besonders "schöne" Kills werden mit "Beautiful!" oder "Headshot, fuck yeah!" kommentiert; für die kassiert man dann auch mehr Bares. Bereits nach kurzer Zeit vergißt der Spieler, daß er (wenigstens virtuelle) menschliche Wesen umnietet, sondern sieht nur noch Ziele. Und davon gibt es massenweise. Die schiere Menge an Feinden ist stellenweise so überwältigend, daß sogar die Hauptcharaktere hier und da selbstironische Kommentare von sich geben ("Did this guy hire half of Mexico?!”). Oft macht es den Anschein, als würde die Spielzeit dadurch künstlich in die Länge gezogen werden.

Doch das ist nicht so wild, da die Ballereien durchaus Spaß machen. Die Steuerung ist ganz klassisch für einen Third-Person-Shooter und funktioniert dementsprechend gut. Das Deckungs-Feature ist teilweise fummelig und gehorcht nicht immer dem Willen des Spielers. Doch auch das ist nur eine Sache der Gewöhnung; es dauert nicht lange, bis sich ein angenehmer Spielfluß aus Laufen-Töten-Deckung-Töten-Laufen entwickelt.

Ganz klar ist, daß "Army Of Two: The Devil´s Cartel" für zwei Spieler ausgelegt ist. Im Singleplayer-Modus verkommt es zu einem unterdurchschnittlichen Shooter mit hübschem Leveldesign, doch zu zweit lassen die Schußwechsel richtig Freude aufkommen. Allerdings ist Teamplay nur auf den höheren Schwierigkeitsgraden wirklich notwendig, auf "Leicht" und "Normal" kommt man auch problemlos ohne Flankieren und Feuerschutz aus. Etwas problematisch ist allerdings, daß die Gefechte den Hauptteil des Spiels ausmachen - und sich dabei fast immer gleich spielen. Einzig das abwechslungsreiche Leveldesign rettet die Schießereien davor, zum absoluten Einheitsbrei zu verkommen. Minenschächte, Dörfer, ein Flugzeugfriedhof, ein Drogenlabor ... Hier wird rein optisch einiges geboten, und die verschiedenen Gebiete erfordern auch jeweils leicht variiende Spielweisen. Davon abgesehen ist die Optik aber nur Durchschnitt.

 

Interessant sind hingegen die Möglichkeiten zur Individualisierung. Die für die Spielreihe charakteristischen Masken können frei gestaltet werden, dazu gibt es jede Menge freischaltbarer Waffen und Zubehör. Besonders an den Masken und Schießeisen läßt sich sehr viel herumschrauben, bis man endlich seine ideale Bleispritze und seinen "Idealsöldner” zusammen hat - das motiviert. Die Identifikation mit den Charakteren fällt diesmal schon dadurch leichter, daß die ehemaligen Protagonisten Rios und Salem im neuen Spiel zwar als Akteure vorkommen, die Spieler aber die Kontrolle über Alpha und Bravo übernehmen, zwei Neulinge bei der Söldnerfirma TWO: kein Name, weniger eigene Identität. Und es gibt tatsächlich eine Story, die anfangs jedoch noch sehr seicht ist, genau wie ihre Charaktere und deren Dialoge. Nach einiger Zeit wird sie aber immer dramatischer, wenn auch nicht komplexer.

"Army Of Two: The Devil´s Cartel" wäre ohne sein Koop-Feature (offline und online) keinen zweiten Blick wert. Weder das Gameplay noch die Story sind im direkten Vergleich mit der Konkurrenz der Rede wert. Und zartbesaitete Gemüter sollten sich sowieso davon fernhalten. Wer sich allerdings nach den guten alten Zeiten des Offline-Koop zurücksehnt, der nimmt, was er kriegen kann. Und zusammen mit einem Freund kann man mit "Army Of Two" definitiv viele unterhaltsame Stunden verbringen. Wichtig ist nur, dabei stets im Hinterkopf zu behalten, daß Gewalt nichts ist, was man im realen Leben mit "HELL YEAH!” kommentieren sollte. Wenigstens nicht allzu laut ...

 

Philipp Grüll

Army Of Two: The Devil´s Cartel

ØØØ

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(Visceral Montreal/EA Montreal)

Erhältlich für: PS3, Xbox 360

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