Games_Classic Games: Darksiders - Wrath of War

Teufelsritt und Himmelssturm

Das von Kritikern und Fan-Gemeinde hochgepriesene "Darksiders II" wurde erst vor kurzem für Nintendos neues Flaggschiff am Konsolenmarkt - die WiiU - portiert. Daher liegt es nahe, in unserer neuen "Classic Games"-Reihe zum Ursprung der Franchise zurückzukehren. Konnte der Vorgänger "Darksiders - Wrath of War" dem Zahn der Zeit die Stirn bieten?    04.02.2013

Im der zeitgenössischen Gaming-Branche gilt: Ein interessantes Szenario gewinnt die Herzen aller Fans - oder wenigstens die von drei Vierteln der passionierten Spieler. Ersichtlich ist dies beispielsweise am großen Erfolg der "Assassins Creed"-Reihe, die zwar nicht unbedingt durch innovatives Gameplay überzeugt, deren Präsentation mehrerer historischer Zeitalter jedoch einen starken Reiz ausübt. Der fiktive Konflikt Templer vs. Assassinen wird vor diesem Hintergrund angenehm mysteriös erzählt. Im Fall von "Darksiders: Wrath of War" fackelte Entwickler THQ nicht lange und ließ in der ersten Szene gleich einmal die Welt untergehen.

 

Drei Königreiche existieren in der Welt von "Darksiders": der Himmel, die Hölle und das Menschenreich. Wegen eines Waffenstillstands, aufrechterhalten durch die Autorität des Flammenden Rates und dessen Vollstrecker, die vier Reiter, herrschte zwischen diesen Reichen Frieden. Erst wenn die sieben Siegel gebrochen werden, beginnt der "Endkrieg", die Apokalypse. Und in der entscheidet sich, welche der drei Parteien über die Welt herrschen wird.

Die Story des Spiels setzt ein, als sich die drei Parteien auf dem Schlachtfeld Erde zusammenfinden. Doch etwas ist schiefgelaufen: Die Apokalypse wurde verfrüht ausgelöst. Als dann als einziger der vier Apokalyptischen Reiter KRIEG den Schauplatz betritt, hat der Flammende Rat seinen Sündenbock gefunden. Er gewährt dem Herrn des Kriegs aber eine zweite Chance und schickt ihn geschwächt zurück auf die Erde, um den wahren Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.

Dem Leser wird nicht entgangen sein, daß "Darksiders" auf eine große Zahl mythologischer Themen zurückgreift. Angefangen von Samael, dem Dämon, über Azrael, den Todesengel, bis hin zu Uriel - die Entwickler haben sich offensichtlich recht intensiv mit einigen Mythen und Legenden aus dem hebräischen Raum beschäftigt. Trotzdem: Das Universum von "Darksiders" ist einzigartig. Im Lauf der Handlung entfaltet sich eine Welt voller Konflikte, Allianzen und Strukturen, die es in dieser Form noch nie zuvor gegeben hat und die somit dem Anpruch auf Originalität gerecht wird - eine seltene Qualität.

Das Gameplay wiederum erinnert stark an bereits erschienene Titel. Wer bereits einige 3D-Teile der "Zelda"-Reihe gespielt hat, dem dürfte das Rätsel-Design bekannt vorkommen; Veteranen der Hack´n´Slay-Franchises  "Devil May Cry" und "God of War" wiederum sollten sich im Kampfsystem sofort wohlfühlen. Hier wurde das Rad zwar nicht neu erfunden, jedoch verfeinert und optimiert. Die Kämpfe gehen wunderbar flüssig von der Hand.

Nach und nach gefundene Ausrüstung und beim zwielichtigen Dämonenhändler Vulgrim gegen Seelen eintauschbare Upgrades und Aktionen sorgen für ein großes Repertoire an Möglichkeiten, Dämonengulasch zu fabrizieren. So ist es dem Spieler möglich, sich auf einige Waffen und Aktionen zu spezialisieren und somit seinen ganz eigenen Kampfstil zu erschaffen. Die große Anzahl an Bewegungen läßt viel Raum für eigens ersonnene Kombinationen und taktische Überlegungen, um das Kampfgeschick zu den eigenen Gunsten zu wenden - vor allem letztere sind bei dem immensen Variantenreichtum an Gegnern bitter nötig. Ein hohes Maß an Reflexen und Fingerfertigkeit ist Voraussetzung, um zu triumphieren.

 

Selbst nach drei Jahren macht "Darksiders: Wrath of War" optisch noch eine sehr gute Figur, was vor allem am speziellen graphischen Stil des Spiels liegt: Die Designer strebten eine Balance zwischen Comic-Optik und visualisierter ernster Mythologie an; das Ergebnis erinnert ein wenig an den Stil des MMORPGs "World of Warcraft". Das literweise fließende Dämonenblut sowie vor allem die opulente Inszenierung der postapokalyptischen Welt - in der wir "Mund-Atmer" übrigens seit 100 Jahren nur noch als verwesende Untote beinahe-existieren - geben dem Game-Universum dann noch den nötigen düsteren Touch. Besonders die Zwischensequenzen sind dank ausgezeichneter englischer Synchronisation und dem herausragenden Design der durch die Bank interessanten Charaktere großartig in Szene gesetzt und ein wahrer Genuß für jeden Fan von charmant überzeichneter, origineller Fantasy.

So ein Weltuntergang ist keine Kleinigkeit. THQ hat mit diesem Titel dem Menschenreich jedenfalls ein würdiges Ende bereitet und einer neuen Franchise einen vielversprechenden Beginn geschenkt. Ob und wie es nach dem Bankrott des Entwicklers mit der Serie weitergehen wird, steht noch in den Sternen. Das ändert jedoch zum Glück nichts an der hohen Qualität der beiden existierenden Teile. Wer sich bis jetzt noch nicht mit der Reihe auseinandergesetzt hat, dem sei dringlichst geraten, dies jetzt zu tun und mit diesem Spiel zu beginnen. Inzwischen ist es für ca. 15 Euro zu haben: ein kleiner Preis für eine Reise ans Ende der Welt.

 

Philipp Grüll

Darksiders - Wrath of War

ØØØØ 1/2

Leserbewertung: (bewerten)

(THQ)

 

erhältlich für: PlayStation 3, PC

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