Kino_28 Days Later

Zombie Nation

Ich sehe untote Menschen: Das grimmige Endzeit-Szenario des Ober-Trainspotters Danny Boyle erweckt den Zombiefilm von den Toten.    26.05.2003

Hallo? Ist da jemand? Man muß kein Faible für postapokalyptische Szenarien à la "Day of the Triffids" haben, um die Einstiegsszenen des neuen Films von Danny Boyle zu schätzen. Immerhin verkörpert der Regisseur nach seinem stylishen, den Junkie-Lifestyle salonfähig machenden "Trainspotting" neben Mr. Ritchie den Protagonisten eines neuen britischen Hipster-Kinos. Da läuft ein eben aus dem Koma erwachter Fahrradkurier (Cillian Murphy) durch die Straßen eines entvölkerten, verwüsteten London, in dem keine Menschenseele zu sehen ist - einfache, eindrucksvolle, beklemmende Bilder. Und doch ist da etwas: blutrünstige, durch ein freigesetztes Virus infizierte, sich rasend schnell auf alles Lebendige stürzende Kreaturen, die bald auch schon hinter ihm her sind. Untote, im wahrsten Sinne des Wortes. Zuflucht findet er bei einer Gruppe Überlebender, die gemeinsam Kontakt mit weiteren Nicht-Infizierten aufnehmen wollen.

So nachhaltig "28 Days Later" auch eröffnet - spätestens im Finale gehen Boyles gewagtem Parforce-Ritt aus Seuchen-Thriller, Endzeitparabel und Zombie-Flick einigermaßen Luft, Ideenfluß und Spannungsbogen aus. Wenn auch die Bilder fahl und grimmig, die Atmosphäre drückend, Gewaltausstoß und Blutgepritschel auf konstant hohem Level bleiben, wirkt Boyles Comeback-Versuch bei all der im Vorbeigehen abgehandelten Zivilisationskritik stellenweise doch sehr konstruiert. Dennoch ein guter, weil alles andere als blutleerer Ansatz. Die Meßlatte lag ja auch verdammt hoch.

Christoph Prenner

28 Days Later

ØØØ 1/2


112 Min.

dt. Fassung und engl. OF

Regie: Danny Boyle

Darsteller: Cillian Murphy, Naomie Harris, Brendan Gleeson u. a.

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