Kino_Film-Tips Dezember 2018

Unter Drogen, unter Wasser ...

Hans Langsteiner liest Gaspar Noe die Leviten. Peter Hiess taucht mit Aquaman ab. Das alles und mehr im Dezember-Kino. Ho ho ho!    12.12.2018

EVOLVER-Redaktion

Unknown User: Dark Web

Filmstart: 6. Dezember

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Daß Hollywood und alle seine Unterabteilungen mit den mittlerweile auch schon uralten "neuen Medien" nicht fertigwerden, zeigt sich in Novelty-Movies, die (wie gewagt!) mit dem iPhone gedreht werden, das Internet als Thema oder gar Handlungsort in den Mittelpunkt rücken beziehungsweise fast komplett auf dem Computerbildschirm spielen - aber halt trotzdem so gar nichts mit dem realen irrealen Leben vor dem Monitor (der heute für die meisten eh nur mehr Smartphone-Größe hat) zu tun haben. Der erste Teil von "Unknown User", der dann irgendwie doch den Titel "Unfriended" bekam, war ein solcher Bildschirmstreifen, der sich mit den tödlich langweiligen sozialen Medien befaßte und gegen Ende noch eine übernatürliche Wendung nahm. Für die B-Film-Experten von Blumhouse Productions muß er genug eingespielt haben, daß sich eine Fortsetzung lohnte ... und genau die ist jetzt da.

Wie der "deutsche" Titel schon verrät, führt uns die optisch wenig abwechslungsreiche Reise diesmal ins "Dark Web" - einen Internet-Popanz, der auch schon seit ein paar Jahren von den Mainstream-Medien über die digitalen Highways getrieben wird und über den sich Humoristen wie die Macher der genialen Zeichentrickserie "Paradise P.D." bereits zu Recht lustig machen. Mit dem Zeigefinger eines Märchenerzählers läßt Regiedebütant Stephen Susco seine Protagonisten neugierig mit einem gefundenen Laptop in besagtem Finsternetz herumspielen, wo gar schröckliche Hacker mit gar grauslichen Online-Videos lauern - und die Eindringlinge ihrerseits beobachten und bedrohen. Das mit dem Echtzeit-Skypen und im Web herumstierln geht sich aber nicht einmal im gesamten Film aus, weil das Böse dann doch vor der Tür der jungen Leute auftaucht. Ein paar Schockmomente im Film funktionieren trotz ihrer Berechenbarkeit, aber insgesamt kann man sich das Machwerk durchaus am Handy-Monitor anschauen, wenn irgendein Unhold es ins Darkweb stellt.

Die nächste Fortsetzung wird dann vielleicht den Russen zeigen, wie er Wahlen manipuliert oder "Fake News" (das immer noch aktuelle Schlagwort der Idioten, die dauernd selber Fehlinformationen lancieren) verbreitet. "Unknown User: Putin´s Trolls" oder so ...  (ph)

 

 

 

Climax

Filmstart: 7. Dezember

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Eine Tanzprobe läuft aus dem Ruder, nachdem jemand Trips in den Sangria geschüttet hat. Allen wird schlecht, viele sterben. Das war´s auch schon an Inhalt, was den jüngsten Streich des selbsternannten Regie-Enfant-terribles Gaspar Noé ("Irreversible") betrifft. Mögen da die Kollegen (in erstaunlichem Gleichklang) von Mut und Unkonventionalität schwärmen - dieser Film ist ein aufgeblasen-prätentiöses Nichts, bei dem man, wie Christoph Huber zu einem anderen Noé-Film einmal geschrieben hat, den Gehirnzellen einzeln beim Absterben zusehen kann. Zugegeben: Die einleitende Tanzszene hat noch was, zumal sie in einer einzigen Plansequenz gedreht wurde, doch sobald das Gift im Glas seine Wirkung tut, ist es um den Film geschehen. Die Leute winden sich am Boden, die Kamera kriecht ihnen nach, stellt die dumpfrot eingefärbten Bilder auf den Kopf, und den Nachspann hat man - Gipfel der Originalität! - schon am Beginn gesehen. Das Ganze ist so lärmend wie lähmend und des Tiefsinnsuchens nicht wert. Ich hab´ mir jedenfalls geschworen: Nie! Wieder! Gaspar Noe!!!  (HL)

 

Mortal Engines: Krieg der Städte

Filmstart: 13. Dezember

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Aquaman und Spiderman lauern schon in den Startlöchern, doch dieses SF-Epos um (nach einer globalen Katastrophe) wandernde und kämpfende Städte will ihnen den Rang als diesjähriger Weihnachts-Blockbuster ablaufen. Beworben mit dem Namen Peter Jackson, der hier aber nur koproduziert und am Drehbuch mitgeschrieben hat, erinnert vieles in der Tat ein wenig an die "Herr der Ringe"-Serie, manches aber auch an "Snowpiercer", "Der Wüstenplanet", "Metropolis", "Frankenstein" usw. usf. Man sieht: Originalität ist nicht unbedingt die Stärke dieser reichlich vorhersehbaren Geschichte, in der sich ein jugendliches Heldenpaar gegen einen bösen Intriganten behaupten muß - doch auch "Star Wars" lebte, Hand aufs Herz, seinerzeit weniger vom Plot als von den Special Effects. Und die sind hier wirklich toll: Alles schaut Bigger than Life, dabei vernutzt und staubig aus, es gibt jede Menge herrlicher schmetterlingsähnlicher Flugkörper, kühner Bauten (eine Kleinstadt, die sich in Sekundenschnelle zusammenfaltet!) - und die berühmten Schutzbrillen sind auch fleißig in Gebrauch. Mit einem Wort: Für Steampunk-Fans ist dies ein feuchter Traum, alle anderen könnten sich doch etwas langweilen. Drei Fortsetzungen sollen noch kommen, aber schaumermal ...  (HL)

 

Aquaman

Filmstart: 21. Dezember

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Bisher hat das "DC Extended Universe" es noch nicht geschafft, die Herzen und Brieftaschen der Kinobesucher auch nur annähernd so erfolgreich zu erobern wie das "Marvel Cinematic Universe". Die eher düsteren und zäh inszenierten letzten paar Filme um Superman und Batman sowie das "Justice League"-Drama ließen Fans der DC-Superhelden lieber auf die einschlägigen TV-Serien zurückgreifen. (Alle anderen fragen sich sowieso, wann wir eigentlich in diesem unsäglichen Franchise-Paralleluniversum gelandet sind, das tendenziell nur noch Blockbuster-Kinderfilme produziert ...) Und "Wonder Woman" wurde von den superengagierten Hollywood-Schneeflöckchen und der Filmjournaille, die alle dem galoppierenden Feminismus zum Opfer gefallen sind, zwar abgefeiert, ist aber auch keine wahre Offenbarung.

Und jetzt kommt "Aquaman", der Unterwasserherrscher. Inszeniert hat den mit 139 Minuten überüberlangen Streifen James Wan, der mit "Saw", "Insidious" und "Fast & Furious 7" durchaus Talent bewiesen hat und für die Warner-Gebrüder etwas ähnlich Leichtfüßiges inszenieren sollte wie "Thor: Tag der Entscheidung". Das ist nur zum Teil gelungen, weil: viel zu viele Handlungselemente, viel zu viele Personen und unterseeische Völker, viel zu viel Digital-Krachbumm und -Firlefanz. Und Hauptdarsteller Jason "Game of Thrones" Momoa, der ausschaut wie ein Raskuxer und schon als Conan keine Chance gegen unseren Arnold hatte. Trotzdem ist "Aquaman" natürlich ein Spektakel, das im Kino unterhalten kann und genauso schnell vergessen ist wie das meiste Superhero-Material dieser Art. Wer sich also neben den Marvel-Pflichtbesuchen im Lichtspieltheater noch ein paar Termine einhandeln will, sollte hingehen. Vielleicht wird´s ja doch einmal was mit DC.  (ph)

 

 

 

 

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