Musik_Manowar - Gods Of War

Odin und Stumpfsinn

Vier halbnackte Männer, denen fünf (wieso fünf?) ganz nackte Frauen zu Füßen liegen: Manowar sind wieder da! Auf ihrem Weg nach Walhalla fürchten sie weiterhin nichts und niemanden. Aber vielleicht sollten sie das lieber ...    27.03.2007

Bevor man sich dem neuen Werk der Helden in Strumpfhosen ernsthaft (soweit das möglich ist) annähert, sollte man kurz zwei Dinge klarstellen. Erstens: Joey DeMaio hat definitiv einen schweren Hieb (man erinnere sich an den legendären Bierbecher-Konzertabbruch in der Libro-Halle oder das nicht minder legendäre "Bist du bereit zu sterben?"-Interview im "Rock Hard"). Aber - und daher zweitens: Manowar-Alben wie "Battle Hymns", "Hail To England" oder "Kings Of Metal" dürfen in keiner anspruchsvollen Metal-Kollektion fehlen, und Hymnen wie "Shell Shock", "Guyana" oder "Blood Of My Enemies" sollte man nicht nur als Fan frühmorgens im Halbkoma auswendig vortragen können. Wer´s nicht schafft, muß zur Strafe dreimal die neue Korn hören ...

Bleiben noch all die Klischees, all der Kitsch, all das (ähem) "Image" der Band. "Kurier"-Redakteur Guido Tartarotti bezeichnete Manowar im Rahmen der "Metal In Wien"-Story des Autors dieser Zeilen beispielsweise als "dumpfen, faschistoiden, frauenfeindlichen Unterschicht-Metal für geistig Arme". Das kann einen (wenn man politisch korrekte Snobs ablehnt) automatisch für die Band einnehmen - oder aber man kann ewig über diese bedeutende Ansicht diskutieren.

Muß man aber nicht. Man kann die Musik der vier geistigen Nackerpatzerln ja auch einfach hören und sich dabei freuen. Zumindest war das früher so, als Manowar noch für großartigen, mitunter bombastischen, "epischen" Heavy Metal standen. Im Laufe der Zeit wich diese Ausrichtung jedoch immer mehr einer "True Metal"-Attitüde, und der Sound wurde "straighter", wenn auch leider nicht immer besser ... Trauriger Höhepunkt: diverse Bikerfest-Schunkel-Songs und zuletzt ein Tribute an den "King" und das "Star Spangled Banner". Auweh.

Jetzt aber kündigen Manowar zumindest stilistisch ein "Back to the roots" an, mit viel Bombast und noch mehr Pathos, bei Odin! Womit wir endlich beim Thema - dem neuen Album - wären. (Wir danken für Ihre Geduld.) Das Ding heißt "Gods Of War", und konsequenterweise wurden nicht nur der Titel, sondern auch alle Songtexte im Booklet in Runen abgedruckt. Auf der letzten Seite gibt´s dafür aber auch eine Runen-Übersetzungstafel.

Wie gesagt, ein schwerer Hieb ...

 

"Overture To The Hymn Of The Immortal Warriors" erweist sich, der Titel läßt es erahnen, lediglich als Intro. Wagner für Arme, wie immer halt, nichts Neues in Playmobil-Valley, aber dafür mit sieben Minuten nicht allzu quälend lang.

Es folgt "The Ascension", eine Fortsetzung der einleitenden "Overture“. Irgendwann setzt eine - Überraschung! - Erzählstimme (der kleine Bruder von Christopher Lee?) ein: Fire, water, earth and sky, die Lage spitzt sich zu. Little Wagner und Little Lee steigern sich, und endlich ist sie erstmals da. Sie. Die Stimme. Die Stimme von Eric Adams. Der Typ ist kleiner als ein Überraschungsei-Gimmick, spärlicher bekleidet als Paris im Auto und hält Harvard und Oxford möglicherweise für nordische Gottheiten. Aber, meine Damen und Herren, wenn Eric Adams zu singen beginnt, dann ist die (Metal)-Welt wieder für eine Weile in Ordnung.

Und in dieser Welt sind unsere vier Freunde von der Tankstelle natürlich die einzig wahren "Kings Of Kings"; und so nennt sich dann auch der dritte Track. Die Drums (?) scheppern, das Keyboard macht "ohoho", in der Mitte kommt wieder Lees Jüngster zu Wort, und einem kurzen balladesken Teil folgen rasante Gitarren. Leben tut das in Summe durchschnittliche Stück trotzdem von besagter Stimme.

Nachdem Manowar vorhin ganze 4 Minuten und 18 Sekunden lang Metal-Musik gemacht haben, ist jetzt wieder ein wenig orchestraler Blödsinn angesagt. "Army Of The Dead, Part I" nennt sich der Zweiminüter, der genau zwei Minuten zu lange dauert. Dafür stellt Song Nummer fünf, "Sleipnir" (Gesundheit!) das bisherige Highlight der Scheibe dar. Dem zweiten richtigen Metal-Song folgt mit "Loki God Of Fire" gleich der nächste nach. Darüber soll man sich wohl dermaßen freuen, daß man über die Durchschnittlichkeit dieses Liedchens, das auf "Sign Of The Hammer" von den anderen Songs ausgelacht, verachtet, ja, gesteinigt worden wäre, hinwegsieht - oder wie?

"Blood Brothers" beginnt dann angenehm ruhig und steigert sich im Laufe seiner knapp fünf Minuten zu einer richtigen Power-Ballade. Eine erneut von den Adamsäpfeln getragene, am Ende dann leider mit Marschtrommeln, Orchestra-Trara und Gitarrenwänden etwas verschandelte Hymne an die, no na, Bruderschaft der tapferen und treuen Manowarriors; Pathos, bis das Herz (und der Zuhörer) bricht. Aber: Würde man all den musikalischen Kitsch und Bombast abziehen, man hätte eine ebenso schlichte wie schöne Ballade, die man sich gerne auch zwei- oder dreimal hintereinander anhört.

Der Titeltrack von "Gods Of War” vereint einige Nummern später auf sieben und einer halben Minute Chorgesang, Orchester, zur Schlacht bittende Posaunen, Marschgewitter, Eric Adams in Höchstform, Gitarren, polternde Drums und Ohrwurm-Refrains. Das letzte "reguläre" Stück, "Hymn Of The Immortal Warriors" (natürlich ...), ist dann ein recht angenehm ins Ohr gehendes balladeskes Werk, selbstverständlich wieder mit etwas Orchester, ein klein wenig Pathos und auch Klaus-Rüdiger (oder wie auch immer) Lee darf noch einmal reinplappern. Der Song - immerhin, ein Song - entschädigt dann, wie ein paar Tracks vorher das Titelstück, die "Blood Brothers"-Ballade oder "Sleipnir", ein wenig für die vielen langatmigen, sich immer wieder wiederholenden Passagen auf "Gods Of War". Es ist halt leider ein Album mit wenig richtigen Songs - vor allem mit ganz wenig wirklich guten richtigen Songs. Ein Album, das eher als "Gesamtkunstwerk", als imaginärer Soundtrack, als Abschlußarbeit der "Heute: Richard Wagner"-Stunde in der True-Metal-Schule von nebenan zu verstehen sein mag. Ein Album, das man sich als Fan kaufen kann, aber bei Gott - pardon, bei Odin - nicht muß.

Als "Bonus Track" titulieren die phantastischen Vier aus Walhalla dann noch das finale "Die For Metal": ein plattes 08/15-Mitgröl-Liedchen, bei dem nicht einmal das mit dem Mitgrölen so richtig klappen will. Manowar haben den Song angeblich bei irgendeiner Kasperl-Veranstaltung auf PRO7 gespielt; genau dort gehört das Stück - das originellerweise mit dem eh erst 665mal geklauten "Kashmir" von Led Zeppelin beginnt - auch hin: zwischen Elton, Pocher und all die anderen Witzfiguren. Solche waren, sind und werden Manowar nämlich auch immer sein.

Früher haben sie dabei wenigstens noch gute Musik gemacht.

Andi Appel

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GIN GIN - 28.04.2007 : 19.34
ODINISTISCHE GRÜSSE AUS DER MÜLLERSTRASSE IN BERLIN-WEDDING

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