Musik_Motörhead - Kiss Of Death

Mit Gott an seiner Seite

Der Vorgänger "Inferno" bestach durch durchdachte Härte und galt zurecht als bestes Lemmy & Co.-Album seit langem. Nicht so hart, aber genauso gut fällt der neue Longplayer aus.    18.08.2006

"Love It Or Hate It", hält unser aller Lemmy gleich im Opener fest. Passender Titel: "Sucker". Genau. Wobei: Wer diese(s) Band/Album nicht lieb hat, der ... na ja, lassen wir das. Konzentrieren wir uns stattdessen auf die Musik.

Wo auf "Inferno" die "Iron Fist" regierte, führt bei "Kiss Of Death" Dr. Rock Regie. Soll heißen: Die Scheibe rockt. "Sucker" rockt, der folgende "One Night Stand" tut es auch, und Track drei, "Devil I Know", rockt noch viel mehr! Da wippt der Cowboy-Stiefel ganz von alleine, und der dazupassende Hut fällt ob des heftigen Im-Takt-Nickens spätestens beim Refrain runter.

Mr. Kilmister raunzt dazu: "Ain´t Gonna Change My Ways". Wozu auch? Sein Pfad ist der richtige, seit mehr als 30 Jahren Band-Geschichte. Devil I Know. Dennoch - so frisch und locker hat man den guten alten Mann schon lange nicht mehr gehört. Bei "Trigger" wird dann etwas mehr aufs (metallische) Gas gestiegen, um gleich danach bei "Under The Gun" wieder einen Gang runterzuschalten, ohne dabei an heaviness zu verlieren, ganz im Gegenteil: Im Midtempo rockt es sich oft am besten.

An dieser Stelle soll auch die Arbeit der Herren Campbell und Dee nicht unerwähnt bleiben, die - im medialen Schatten des Ober-Motörschädels - längst genauso für den unverwechselbaren Sound der Truppe verantwortlich zeichnen und auf diesem Album wirklich einen Hammer-Job abgeliefert haben. Dafür sei ihnen herzlichst gedankt.

Aber dann - mittlerweile sind wir beim sechsten Stück der Platte angelangt - folgt die große Überraschung: endlich mal wieder eine Motörhead-(Halb-)Ballade. Und was für eine! Große (zynisch-böse, aber auch traurige) Lyrik, von Lemmys raunzigen vocals perfekt umgesetzt. Leiser Beginn, ebensolcher Ausklang, und dazwischen wird´s schon mal lauter. Diese 4 Minuten und 21 Sekunden können alles. Und das weiß nicht mal der Poison(!)-Dodl C. C. Deville, der hier (warum auch immer) als Gastmusiker mitzupfen darf, zu verhindern. Nein, Lemmy, nein, God Was Never On Your Side. Schluchz.

Kurze Verschnaufpause, Träne (ach, mir ist da nur was ins Auge geflogen, blöder Wind!) weggewischt, bereit für "Living In The Past", da wird wieder ordentlich gefiedelt. Tja, und dann kommt "Christine" und die - wer immer sie sein mag - rockt wie Sau. Vergessen Sie diesen Song nicht auf Ihrer nächsten Grillparty, gleich nach Bier 7 und Tequila 5 (gern auch umgekehrt). "Sword Of Glory" bedient dann Lemmys Lieblingsthema und -hobby (Krieg!), und entsprechend intensiv singt der Mann da auch. "Be My Baby" ist der wohl am ehesten außer acht zu lassende Track auf "Kiss Of Death", aber dafür darf "Kingdom Of The Worm" wieder empfohlen werden.

Hier wird Ian K. richtig böse, grunzt seine Wut den herrlich fiesen Gitarren-Riffs entgegen, während im Hintergrund good old Mikkey seinen Gefühlen an den bemitleidenswerten Drums freien Lauf läßt. Brutales Stück. "Going Down" lautet dann der alles klarmachende Titel des Rausschmeißers, und noch einmal rockt das kultige Trio, als ob es kein Morgen gäbe.

Na ja, vielleicht gibt es ja auch keines. Dann aber hätten wir jetzt - mit dieser Platte und vor allem: mit dieser Band - wenigstens ein schönes letztes Heute erlebt.

Andi Appel

Motörhead - Kiss Of Death

ØØØØ


Steamhammer/SPV (GB 2006)

 

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