Print_Robert Kirkman u. a. - The Walking Dead

Malen nach Qualen

"When there is no more room in hell ..." dann kehren die Zombies halt im Comic zurück. Hier bekommen Fans der Untoten, was ihnen Romero zuletzt schuldig geblieben ist.    13.06.2006

Nachdem der deutsche Cross-Cult-Verlag bereits mit den Edelveröffentlichungen von Mike Mignolas amüsanter "Hellboy"- und Frank Millers legendärer "Sin City"-Reihe zeigte, wie man anspruchsvolles Comic-Gut entsprechend umsetzt und uns auf Abenteuer in fremde Mythenwelten und verruchte Großstadtsümpfe schickte, veröffentlicht er jetzt mit "The Walking Dead" einen vergleichsweise unbekannten, aber nicht minder lesenswerten Mehrteiler.

Erzählt wird die Geschichte des jungen Officers Rick Grimes, der bei einem Schußwechsel verwundet wird und in bester "28 Days Later"-Manier allein im Krankenhaus wieder zu sich kommt. Die Stadt ist zu diesem Zeitpunkt längst leergefegt, oder besser gesagt: leergefressen. Auf der Suche nach seiner Frau und seinem Kind muß Grimes feststellen, daß auch sie längst das Weite gesucht haben - zumindest hofft er das und vermutet sie bei den Schwiegereltern im fünf Stunden entfernten Atlanta. Natürlich hat dort nicht etwa die Armee das Sagen, sondern ebenfalls Lord Zombie. Und so findet sich unser Held bald inmitten Tausender hungriger Mäuler - mit reichlich Mundgeruch - wieder.

Gerade noch rechtzeitig rettet ihn ein kleiner Junge aus der nekrotischen Großstadthölle und führt Rick zum Stadtrand, wo er nicht nur auf eine Ansammlung Überlebender trifft, sondern auch auf Frau und Kind - sowie seinen besten Freund. Doch die vermeintliche Trailer-Park-Idylle trügt, die Probleme gehen erst jetzt richtig los. Denn - always remember: Der Mensch ist schlecht.

 

Mir ist "Dawn of the Dead" allemal lieber als "Return of the Living Dead". Zombiefilme sind für mich dramatische Geschichten, die uns ins Grübeln bringen und es mit jeglichem Oscar-prämierten Mist, wie er Jahr für Jahr produziert wird, aufnehmen können. Filme, die uns veranlassen, unser gesamtes Gesellschaftsgefüge in Frage zu stellen - das ist es, was ich mag. Und gute Zombiefilme machen das am laufenden Band.

Robert Kirkman im Vorwort zu Band 1

 

Mit seiner "Walking Dead"-Reihe begibt sich Kirkman wie zuvor schon auch George A. Romero mit "Night of the Living Dead" in die Niederungen der menschlichen Spezies und entwirft ein wunderbares Was-wäre-wenn-Szenario, in dem eine bunt zusammengewürfelte Truppe, die sich unter normalen Umständen niemals verbrüdert hätte, durch die Katastrophe zusammengeschweißt wird und letztlich mehr mit ihren inneren Dämonen als mit der äußeren Bedrohung zu kämpfen hat.

 

The boys are back in town

 

Während inzwischen selbst das letzte Provinzblatt den längst überfälligen Trend zu neuen Horrorfilmen für Erwachsene festgestellt hat und auf der Leinwand endlich wieder massakriert wird, was das Zeug hält, hat auch das Zombie-Subgenre seit "Resident Evil" seine Renaissance erlebt. (Lesen Sie dazu auch das EVOLVER-Zombie-Special; Link siehe unten). Mit "Shaun of the Dead" haben die Briten die wohl amüsanteste Zombie-Komödie aller Zeiten erschaffen; demnächst darf mit "Fido" und "Zombie Honeymoon" hoffentlich ebenfalls wieder herzlich gelacht werden.

Aber auch die Uralt-Trilogie "Return of the Living Dead" hat mit "Necropolis" und "Rave to the Grave" gleich zwei Fortsetzungen erhalten - und selbst das Bollsche "House of the Dead"-Fiasko wurde mit völlig neuer Crew im Sci-Fi-Pictures-Original-Movie "House of the Dead 2: Dead Aim" fortgesetzt. Während nach Zack Snyders wunderbarem "Dawn of the Dead" in naher Zukunft ein "Day of the Dead"-Remake unter der Regie von Horror-Altstar Steve Miner ansteht und der Startschuß zu "28 Weeks Later" nur eine Frage der Zeit ist, hat vor kurzem "Highlander"-Regisseur Russell Mulcahy unter der Schirmherrschaft von Paul W. S. Anderson mit den Dreharbeiten zu "Resident Evil: Extinction" begonnen. Wenn man den Gerüchten glauben darf, soll auch Teil vier in naher Zukunft über die Bühne gehen.

Bis es soweit ist, empfiehlt sich unter anderem ein Blick in den etwas anderen Zombiefilm: den französischen "They Came Back" alias "Les Revenants", in dem die Toten zwar wiederkehren, aber keine Zombies sind. Stattdessen müssen die Verstorbenen wieder ins System integriert werden, und die Ex-Hinterbliebenen stehen vor der Aufgabe, sich mit der Rückkehr ihrer veränderten Lieben und Verwandten anzufreunden.

An der literarischen Front brachte Brian "The Rising" Keene mit "City of the Dead" ein Sequel zu seiner apokalyptischen Vision, in der selbst die Tierwelt wiederkehrt, zu Papier. Und Zombie-Godfather Romero wird sich mit "Land of the Dead 2" bald wieder höchstpersönlich in den Regiestuhl schwingen.

Wenn Sie uns fragen: ganz und gar rosig-verweste Aussichten. Bis es jedoch soweit ist, empfehlen wir die Lektüre von Kirkmans charakterlastiger Zombie-Saga und wundern uns, warum bei HBO noch niemand eine Serie zum Thema erfunden hat ...

Jürgen Fichtinger

Robert Kirkman & Charlie Adlard - The Walking Dead #2: Ein langer Weg

ØØØØØ

Cross Cult (D 2006)


 

Links:

Verlosung


Der EVOLVER verlost in Zusammenarbeit mit Cross Cult 3 x Band 1 des episch angelegten Zombie-Abenteuers: "Gute alte Zeit".

 

Wer ein Exemplar gewinnen will, muß uns sagen können, welcher Zombiestreifen sich bereits vor "Zombie Honeymoon" um die Liebe zwischen Untoten und Lebenden drehte - Vampire nicht inbegriffen. Die Antwort samt Name, Adresse und dem Betreff "BEISS MICH!" an mail[at]evolver.at.

 

Kommentare_

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Walter - 04.02.2011 : 01.56
War das mit HBO einfach gut geraten, oder war das damals schon vorhersehbar?
jf - 09.02.2011 : 00.21
Seinerzeit lediglich eine Wunschvorstellung, die mittlerweile dankenswerterweise in die Tat umgesetzt wurde. Wenngleich nicht von HBO.
Walter - 09.02.2011 : 23.48
Ahja ist ja AMC, bin da bei Hard Knocks hängen geblieben.
Ich hab mir das Book 1 bestellt, spoiler mir da wahrscheinlich die komplette zweite Staffel, aber die VÖ Agenda ist mir unklar - Season 2: November 2011. Hallo?

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