Stories_ Print-Tips/Special: Backwoods

Ein Männlein steht im Walde ...

Anläßlich seiner Aufarbeitung des amerikanischen Hinterlands und dessen fiktiver Bewohner hat es sich Martin Compart am Lagerfeuer bequem gemacht. Die folgenden Buchtips gewähren einen ersten Einblick ins Backwoods-Subgenre.    24.06.2013

Aufmerksame Studenten der amerikanischen Populärkultur wissen spätestens seit Tobe Hoopers "The Texas Chainsaw Massacre" und John Boormans "Deliverance", was sie im Hinterland der Vereinigten Staaten erwartet. Martin Compart packt das Banjo ein, schlüpft in die Regenjacke und erkundet die Ursprünge des Backwoods-Genres. Was er herausgefunden hat, lesen Sie hier.

Martin Compart

James Dickey - Flußfahrt

(Deliverance)

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Der Klassiker - dazu noch ein "literarisch anerkanntes" Buch (was immer das bedeuten mag). Bevor eine ganze Wald- und Flußregion in einem neuen Stausee versinkt, wollen vier Städter noch einmal den Genuß an der urwüchsigen Natur erleben und den Wasserlauf befahren. Und dann kriegen sie Ärger mit den einheimischen Rednecks. Die Szene, in der einer der Städter vergewaltigt wird, war damals nicht nur extrem schockierend, sondern setzte auch Maßstäbe für die vorherrschende sexuelle Brutalität des Genres.

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Charles Williams - Das Mädchen vom Fluß

(River Girl)

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... ist ein Beispiel für den Noir-Thriller als Backwoods-Story: Die Leidenschaft zu einer verheirateten Hinterwäldlerin treibt einen Cop in den Kreislauf der Noir-Tragödie. Williams Backwoods-Romane haben weniger mit den Horror-Geschichten von heute zu tun; diese Paperback-Originals sind eher von den Southern-Romanen Erskine Caldwells beeinflußt.

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David Osborn - Jagdzeit

(Open Season)

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Auch hier hatte der Roman das Glück einer exzellenten Verfilmung (von Peter Collinson mit Peter Fonda und dem unterschätztesten Hollywood-Star überhaupt, William Holden). Ein Update der klassischen "Graf Zaroff"-Geschichte von Richard Connell. Nur sind es diesmal durchgeknallte Vietnamveteranen, die aus der Stadt das Unheil aufs Land bringen.

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Jack Ketchum - Beutezeit

(Off Season)

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Ketchum gehört wie Joe Lansdale zu den Autoren, deren schwächere Bücher immer noch weit über dem Durchschnitt liegen - und die außerdem immer wieder für ein Meisterwerk gut sind. Nicht so grauenerregend und furchtbar wie "Evil", ist "Off Season" immerhin einer der stilbildendsten Romane des Genres und der Klassiker des Kannibalen-Backwoods-Thrillers, an dem sich alle anderen messen lassen müssen. Ketchums Brutalität ist erschreckender und glaubwürdiger als der pubertäre Horror, den Laymon verbreitet.

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Edward Lee - Creekers

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Man kann über diesen unbeständigen Autor denken, was man will, aber dieser 1994 veröffentlichte Roman ist ein herausragendes Werk der Gattung. Phil Straker, einst erfolgreicher Großstadtbulle, ist wieder "im guten alten Crick City, der Welthauptstadt der Idioten" gelandet. Und hier hat er es nicht nur mit einigen verkommenen Hillbillys zu tun, sondern auch mit den Creekers, einem Clan, der unter primitivsten Bedingungen seit Jahrhunderten durch Inzucht degeneriert.

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Richard Laymon - Die Insel

(Island)

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Natürlich erreicht Laymon auch hier nicht die Dimensionen eines William Golding. Aber dies ist ein überzeugender Insel-Backwoods-Roman. Mit dem eigenwilligen Ich-Erzähler gelingt es Laymon hier, seinen üblichen pubertären Sex & Torture-Kram glaubwürdiger und erschreckender darzubieten.

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David Morrell - Rambo

(First Blood)

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Nicht nur der erste "Rambo"-Film war hervorragend (im Gegensatz zu den Sequels), auch die Romanvorlage ist ein moderner Klassiker des Thrillers: Der Vietnamveteran John Rambo gerät mit Rednecks aneinander und trägt den Guerilla-Krieg dorthin, wo er hingehört. Allerdings in weitaus martialischerer Form als in der Filmadaption. 

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Richard Laymon - In den finsteren Wäldern

(The Woods are dark)

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Dieser frühe Roman (1982) gehört zu Laymons schwächeren Werken. Aber in ihm ist geradezu beispielhaft angelegt, wie die Klischees des Kannibalen-Backwoods-Thrillers funktionieren. Als Roman eher bescheiden, ist das Buch so etwas wie eine "idealtypische" Drehbuchvorlage für ein genrespezifisches B-Picture.

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Der Boß im Hinterwald: Joe R. Lansdale


Ob Horror-Geschichten, Weird-Western oder Thriller - bei Joe Lansdale spielen die Backwoods von Ost-Texas fast immer eine entscheidende Rolle. Er ist der König des Backwoods-Thrillers, da er das Genre am effektivsten und immer wieder originell zu nutzen weiß. Qualitätssteigernd kommt hinzu, daß er einer der besten Thriller-Autoren überhaupt ist und immer wieder frische, unverbrauchte Erzählungen aus bekannten Klischeegenres gewinnt. Es ist alleine schon beeindruckend, wie er bei seiner ungewöhnlich hohen Produktivität sein Niveau hält und sogar immer wieder steigert.

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