Video_In 3 Tagen bist du tot

Ich schlitz´ in Austria ...

Im Salzkammergut, da kann man nicht nur gut lustig sein ... Seit vergangenem Jahr wird dort auch fest zugestochen, wie Andreas Prochaskas österreichischer Genrefilm jetzt auf DVD vorführt.    16.07.2007

Filme aus der Alpenrepublik sind meist ein Grauen - zumindest zum Anschauen. Bei Andreas Prochaskas Horrorstreifen ist diese Wirkung jedoch beabsichtigt.

Nachdem sich erst 2005 mit Marco Kalantari endlich wieder ein österreichischer Filmemacher im SF-Genre versuchte, lieferte Prochaska vergangenes Jahr den ersten heimischen Teenie-Slasher. Anstatt dem hiesigen Cineasten-/Kunstkino zu frönen und unfokussierte Gedankenkonstrukte auf schlecht geschriebene Alltagsgeschichten treffen zu lassen (die dann meist in Seidlscher Hinterhofpuderei oder Exkursen um die Freuden der gemeinsamen Monatsblutung gipfeln), wollten beide Regisseure anständiges Leinwand-Popcorn fabrizieren und zeigen, daß "Made in Austria" auch anders aussehen kann.

Dummerweise erwies sich Kalantaris "Ainoa" als erzähltechnische Seifenblase, sah aber wenigstens gut aus und ließ Österreich zur Abwechslung als Kulisse eines futuristischen Abenteuers erstrahlen, anstatt die ekelhaften Gemeindebauten zu servieren, die man schon im richtigen Leben meidet. Der handwerklich erfahrenere Prochaska wollte wiederum beweisen, daß es durchaus möglich ist, auch hierzulande eine spannende Horrorgeschichte zu erzählen, und ging bei "In 3 Tagen bist du tot" um einiges professioneller an die Arbeit.

 

Gemeinsam mit Thomas Baum schrieb der gebürtige Wiener den im Salzkammergut angesiedelten Teenie-Schlitzer rund um fünf frischgebackene Maturanten, denen eine böse SMS das titelgebende Ultimatum verkündet.

Ein unbekannter Killer dezimiert daraufhin die Buben- und Mäderl-Clique aus Ebensee Stück für Stück, bis die örtlichen Dorf-Sheriffs die Nachricht endlich ernst nehmen. Doch da glauben die Teens bereits zu wissen, wo der Boogeyman zu finden ist, und versuchen ihn selbst zur Strecke zu bringen ...

Obwohl die erste Dreiviertelstunde des Films eher gemächlich vor sich hinplätschert, gewinnt der Alpenhorror danach an Zugkraft und liefert einen ordentlichen dritten Akt, mit Spannung, Blut und allem, was dazugehört. So etwas hat man in und aus diesem Land schon lange nicht mehr gesehen.

Mit viel Lokalkolorit und einigen Schauspielnovizen (die ihren Profikollegen jedoch um nichts nachstehen) ist es Prochaska tatsächlich gelungen, in Österreich einen funktionierenden Teenie-Slasher zu drehen. Da sprechen die Figuren glaubwürdig im Dialekt, man erkennt Bekanntes wieder und freut sich, daß es endlich einer probiert hat.

Wenn Sie also hin und wieder gern handelsübliche Horrorfilme sehen, sich aber nicht so gut auskennen, kaufen Sie diesen Film oder borgen Sie ihn sich zumindest aus der Videothek aus. (Und greifen Sie bei dieser Gelegenheit auch gleich zu Gerald Kargls Serienkillerstreifen "Angst" aus dem Jahr 1983.) Kenner des Genres erwartet hingegen der übliche Schema-F-Teenie-Schlitzer, aber das wenigstens auf internationalem Niveau: Ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit, ein Killer im dunklen weiten Ölgewand - damit ging erst vor ein paar Jahren die "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast"-Reihe hausieren.

 

Prochaska bezeichnete sich selbst in einem Interview als "nicht der klassische Horrorfilm-Nerd" und will sich Filme wie "Hostel" gar nicht ansehen. Um einen originären Schocker mit einem originellen Skript zu kreieren, ist das bestimmt nicht nötig - wer jedoch einen glasklaren Genre-Beitrag abliefern will, sollte sich auch mit dem Genre auseinandersetzen. Vor seinen deutschen Nachbarn, Stefan Ruzowitzkys "Anatomie"- Zweiteiler, Robert Sigls "School´s Out"-Duo oder Michael Karens "Flashback - Mörderische Fähigkeiten" braucht sich "In 3 Tagen ..." trotzdem nicht zu verstecken ...

Zur DVD-Umsetzung des meistbesuchten österreichischen Films 2006 werden Deleted Scenes, ein Making-of, ein Premieren-Special und gleich zwei Audiokommentare mitgeliefert. Prochaska weiß im Regiekommentar einiges zum Dreh und der Gestaltung zu erzählen, gleitet jedoch stellenweise zu sehr ins Deskriptive ab. Leider geht er nicht näher auf die Entstehung des Films selbst, die Drehbuchphase und vor allem die Situation des Genres innerhalb der heimischen Filmlandschaft sowie etwaige Hürden in Sachen Finanzierung ein. Das hätte mit Sicherheit einen interessanten Einblick in den österreichischen Förderungsdschungel ergeben können.

 

allegro film entwickelt übrigens derzeit neben dem Sequel zu "In 3 Tagen bist du tot" (das Drehbuch stammt von einem gewissen Stefan Hafner) mit "Asylum" (Drehbuchautor: Simon Aeby) noch einen weiteren Genrebeitrag: Während die Hälfte der Kurzbeschreibung rund um alte Wiener Irrenanstalten vielversprechend klingt, erstickt der Zugang via Filmstudent, der dort einen Horrorfilm drehen will, die Hoffnung gleich wieder im Keim. Sofern die Marketing-Verantwortlichen jedoch die Web-Möglichkeiten und die Macht des Fandoms geschickt nutzen, stehen die Chancen nicht schlecht, auch österreichischen Stoff bald bei den Amis auf DVD verbraten zu können. Wir freuen uns jedenfalls über diese Entwicklung und hoffen, daß Sabrina Reiter im Sequel neben ihren schauspielerischen Fähigkeiten auch ihr Talent als Scream-Queen unter Beweis stellen kann ...

In diesem Sinne: Schrei, Mariandl, schrei!

Jürgen Fichtinger

In 3 Tagen bist du tot

Film: ØØØ / DVD ØØØØ


Impuls Home Entertainment (Ö 2006)

DVD Region 2

93 Min. + 40 Min. Zusatzmaterial, dt. OF mit engl. UT

Features: Audiokommentar von Andreas Prochaska, Audiokommentar der Hauptdarsteller, Deleted Scenes, Making of, Premieren-Special

Regie: Andreas Prochaska

Darsteller: Sabrina Reiter, Julia Rosa Stöckl, Michael Steinocher u. a.

Links:

DVD-Verlosung


Der EVOLVER verlost gemeinsam mit Impuls Home Entertainment GmbH drei Exemplare des Silberlings inklusive Filmposter.

Links:

Mona ... verzweifelt gesucht

die Fortsetzung im EVOLVER


Der Vorgänger brachte es zum meistbesuchten österreichischen Film 2006. In der Fortsetzung wagt sich Slasher-Heldin Nina ins Tiroler Schneegestöber. Leider erwartet einen dort auch als Zuschauer eine frostige Überraschung ...

Links:

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