Games_Batman: Arkham City

Why so serious?

Der dunkle Ritter von Gotham City kehrt zurück - besser und stärker als je zuvor. Wurde "Arkham Asylum" bereits hochgejubelt, erlebt "Arkham City" nun noch eine Steigerung. Es sei nicht nur das beste Superhelden-Spiel sondern sogar generell eines der besten Games aller Zeiten. Das stimmt zwar im Grunde, verschweigt aber auch manchen Schönheitsfehler.    05.11.2011

Es ist gang und gäbe in der Branche, daß es zu Comic-Verfilmungen auch eine Konsolen-Auskopplung gibt. Egal ob "Captain America", "Green Lantern" oder "Thor". Sowohl von ihrer graphischen Gestaltung als auch vom Gameplay her reißen diese Spiele jedoch kaum einen Kritiker vom Hocker. Zu lieb- und leblos wirken sie als kommerzielle Auftragsarbeiten.

Kein Wunder also, daß gerade der nicht auf einem Film aufbauende "Batman: Arkham Asylum" vor zwei Jahren als das am besten rezipierte Superhelden-Spiel aller Zeiten ins Guiness-Buch der Rekorde kam und durchweg Bewertungen im 9er Bereich erhielt. Ebensowenig verwundert, daß nun ein Nachfolger erschien.

 

Durfte sich Batman im Vorgänger auf dem Gelände des Titelspendenden Arkham Asylums austoben, greift in "Batman: Arkham City" nun das Konzept der Open World. Ein großer verslumter Teil von Gotham City wird von Quincy Sharp, dem Ex-Direktor des Arkham Asylum und nunmehrigen Bürgermeister von Gotham, zur Gefängnisstadt Arkham City umfunktioniert.

Zu dessen Direktor ernennt Sharp den Psychiater Hugo Strange, der jedoch seine eigenen Pläne mit Arkham City hat. Zu Beginn des Spiels wirft er Bruce Wayne, den er als Alter Ego von Batman ausgemacht hat, in die Gefängnisstadt. Hier gilt es für Batman unter anderem das mysteriöse Protokoll 10, das Strange im Tagesverlauf initiieren will, zu stoppen.

 

Letztlich ist Protokoll 10 jedoch nur eine Art MacGuffin, der zwar als Hauptstrang der Handlung herhält, was in "Batman: Arkham City" jedoch wenig heißt. Denn an Missionen mangelt es Batman dieses Mal keineswegs, im Gegenteil. So blieb dem Joker durch die Vorfälle der Titaninjektion aus "Arkham Asylum" eine Vergiftung, mit der er nun auch Batman und die Bevölkerung von Gotham angesteckt hat.

So muß Batman nicht nur herausfinden, was Protokoll 10 eigentlich ist und wie er, natürlich mit Komplikationen verbunden, an eine Heilung für die Titanvergiftung kommt; auch andere altbekannte Weggefährten wie Zsasz, Deadshot und der Riddler halten Überraschungen und Aufgaben für den dunklen Ritter bereit.

 

Und bisweilen geschieht dies alles auf einmal, was einen als Spieler etwas überfordert zurücklassen kann, wenn einerseits herausgefunden und gestoppt werden muß, was Hugo Strange plant, es andererseits jedoch auch gilt, eine Heilung für einen selbst und die Bürger Gothams zu besorgen ... und dann zudem noch Geiseln befreit sowie Todesfälle aufgeklärt werden sollen.

So kann es passieren, daß je nach persönlicher Hierarchie der Missionen die Haupthandlung von "Batman: Arkham City" zu Ende gespielt ist, während das Gros der Nebenmissionen noch nach Lösungen sucht. Wer also chronologisch das Beste zum Schluß wünscht, sollte sich zügig an die Aufgaben der B-Gegner machen, denn die Uhr tickt.

 

Erschwert wird das Ganze dadurch, daß, obschon das Gameplay nicht sonderlich schwer ist, es doch nach dem Prinzip learning-by-doing praktiziert wird. So wartet Rocksteady mit einer unfaßbaren Menge an Kombo-Möglichkeiten und Schlagtechniken auf, die jedoch im sprichwörtlichen Eifer des Gefechtes wenig Raum zur Anwendung finden.

Die Kämpfe selbst profitieren von einer verbesserten KI der Gegner, die, in der Gruppe mit Schutzschildern, Messern und Tasern ausgestattet, Batman ebenso vor lebensgefährliche Herausforderungen stellen können wie mit Zielgewehren bewaffnet auf den Hausdächern von Arkham.

 

Abwechslungsreich ist das neue "Batman"-Spiel somit allemal, wenn unzugängliche Schalter mit Hilfe eines ferngesteuerten Batarang ausgeschaltet werden müssen oder im Gleit- wie Sturzflug mit dem Batcape Parkourszenen geflogen werden. Aber auch mittels des großflächigen Arkham City und dem Open-World-Charakter des Spiels wird eine an "Assassin’s Creed" erinnernde Atmosphäre beschworen.

Hinzu kommt mit Catwoman noch eine neue Figur, die sich für weitere Nebenmissionen an bestimmten Stellen in Arkham City aktivieren läßt und ihr eigenes Süppchen kocht. Mit ihr erwartet den Spieler ein gänzlich anderes Gameplay und in Poison Ivy auch eine Antagonistin, die im Gegensatz zu "Arkham Asylum" dieses Mal für Batman keine Rolle spielt.

 

Ebenso abwechslungsreich ist auch die Handlung selbst. Emmy-Preisträger und "Batman"-Experte Paul Dini ("Batman Beyond") erhöhte die Zahl der Antagonisten und sorgt dabei für eine Art Best Of. Bei bekannteren Namen wie dem Pinguin und Mr. Freeze, weniger vertrauten Charakteren wie dem Mad Hatter oder einigen Überraschungsgästen aus dem Batman-Universum dürfte dem Comic-Fan das Herz aufgehen.

Diese Vielfalt an Gegenspielern hat jedoch den Nachteil, daß die meisten von ihnen nur sporadisch zum Einsatz kommen. Zudem setzt man sich meist nicht einmal persönlich mit ihnen auseinander, sondern  bloß mit ihren Handlangern, was am Ende zu einer Zwischensequenz führt. Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen, da speziell klassische Figuren wie Two-Face verschenkt wirken.

 

Ohnehin liegt der Fokus in "Batman: Arkham City" mehr auf den Möglichkeiten des Gameplays in der Open World als auf einer zusammenhängenden und unterhaltsamen Handlung. Wo Uncharted 2: Among Thieves wie ein spielbarer Kinofilm wirkte, ist das jüngste "Batman"-Abenteuer – ein dritter Teil wird im Übrigen an verschiedenen Stellen des Spiels bereits angedeutet – eher eine Ansammlung kleinerer Episoden.

Selbst die Haupthandlungsstränge um Hugo Strange und Joker wirken mehr wie ein erzwungenes Fazit unter einer Geschichte, die um des Erzählens willen aufbereitet wurde und nicht wegen ihres Inhalts. Dies ist im Falle eines Videospiels natürlich legitim, funktioniert jedoch besser und stringenter, wenn eine simple und glaubwürdige Handlungsprämisse existiert.

 

Sieht man also über die unnötig aufgeblähte Zahl der Gegenspieler hinweg, sowie ihre bisweilen gewöhnungsbedürftige Umsetzung (beispielsweise beim Pinguin), bleibt ein Spiel, das zwar gelegentlich an den Nerven zerrt, das jedoch stundenlanges Vergnügen verspricht, sowie eine weitestgehend offene und umfangreich bevölkerte Welt.

Insofern ist Rocksteady sicher das überzeugendste Superhelden-Spiel bisher gelungen und zugleich für andere Spielbeiträge des Genres ebenso Gradmesser wie für den eigenen Nachfolger. Dieser wiederum dürfte angesichts der Entwicklungen in "Batman: Arkham City" womöglich einige der Schwächen ausmerzen – was auch die letzten Schönheitsfehler beseitigen würde.

Florian Lieb

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Batman: Arkham City

ØØØØ

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(Rocksteady Studios)

 

Erhältlich für: PlayStation 3, Xbox 360, PC

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