Enslaved: Odyssey to the West
ØØØ 1/2
(Namco Bandai Games)
erhältlich für: Playstation 3, Xbox 360
Wenn der Mensch etwas mehr fürchtet als sich selbst, dann eine Maschinen-Tyrannei. Mit den düsteren Welten eines "Terminator" oder "Matrix" hat "Enslaved" dann aber doch wenig zu tun und versucht sich vielmehr als romantisches Action-Abenteuer in bunter Kulisse. 06.12.2010
In Zeiten, in denen Fernsehserien mehr Qualität besitzen als so mancher Kinofilm, wundert es nicht, daß auch Videospiele immer mehr in den Fokus von Hollywood rücken. Daß sich Daniel Craig als virtueller Bond durchschlägt, ist dabei weniger spektakulär als Fälle wie "Wheelman", für das Vin Diesel Pate stand. In "Enslaved: Odyssey to the West" ist es Motion-Capture-Guru Andy Serkis, der nicht nur die Hauptfigur synchronisierte, sondern sich zugleich noch am Drehbuch des SF-Experten Alex Garland ("28 Days Later") beteiligte und als Co-Regisseur auftrat.
Was die Handlung anbelangt, orientierte sich Garland an Wu Cheng’ens "Die Reise nach Westen", einem der vier klassischen Romane Chinas. Serkis spielt und spricht Monkey, einen muskulösen Einzelgänger, der 150 Jahre in der Zukunft versklavt wird. Im Spiel-Intro wird er von Tripitaka, einer anderen "Sklavin", unfreiwillig befreit, als diese das Raumschiff zum Absturz bringt.
Notgelandet im wildbewachsenen New York City des 22. Jahrhunderts, nötigt Trip Monkey dann dazu, sie solange zu begleiten, bis sie ihren Vater in der Enklave gefunden hat. Ein Kopfband der Sklaventreiber sorgt dafür, daß Monkey Trip nicht nur nicht im Stich lassen kann, ohne Schmerzen zu empfinden, sondern daß sein Leben auch unabdingbar mit dem ihren verbunden ist.
Die übrige Geschichte ist schnell erzählt, da sich "Enslaved" fortan als munteres Maschinenprügeln anbietet. Ausgestattet mit einem wenige Sekunden haltenden Energieschild und einem optisch zwar wenig handlichen, aber erstaunlich effektiven Stab (Rohr würde es eher treffen), muß Monkey sich gegen meist mehrere sogenannte "Mechs" wehren. Dies ist ein Prozedere, das mit ansteigender Kapitelzahl zwar etwas redundant ausfällt (Abwechslung gibt es nur durch die ebenfalls steigende Zahl an Mechs, die einen angreifen), aber immerhin gelangt der Spieler nach einiger Zeit in einen Rhythmus, dem die meisten Mechs wenig entgegenzusetzen haben.
Das Gameplay wiederum erinnert ein wenig an den Genre-Bruder "Prince of Persia", wenn Monkey getreu seinem Namen hopst und hüpft, als täte man ihm keinen Gefallen, ließe man ihn über den Boden wandern. Etwas störend ist hier nur eine eingebaute "Kindersicherung", die Monkey an Abgründen halten läßt und sein Springen und Greifen ebenso idiotensicher macht. Wenn die Figur also erst einmal losgelassen ist, muß man lediglich so lange die Sprungtaste betätigen, bis Monkey an seinem Ziel angelangt ist. Etwas mehr riskantes Gameplay hätte hier nicht geschadet.
Als Ausgleich für das die meiste Zeit vorherrschende Mech-Massaker versuchten die Entwickler von Ninja Theory wohl etwas entspanntere Zwischenmomente zu integrieren, wie etwa das Jet-Ski-Fahren aus "Uncharted". So verfügt Monkey über eine sogenannte "Cloud", eine Hoverboard-Scheibe, die er jedoch nicht unentwegt, sondern nur an bestimmten Stellen vom Gürtel lösen kann. Vermag der Spieler damit beispielsweise bisweilen übers Wasser zu cruisen, so kann das (De-)Aktivieren der Cloud beim Kampf gegen einen größeren Mech ziemlich lästig werden.
Zwar reicht die Animation in "Enslaved", was die Detailverliebtheit angeht, nicht ganz an Kollegen wie "Uncharted 2: Among Thieves" oder "Heavy Rain" heran; dennoch gefällt besonders die angesichts der Umstände helle und lebendige Gestaltung des Big Apple. Daß es an Erklärungen fehlt, was nicht nur mit den übrigen Menschen, sondern auch mit anderen Lebewesen geschehen ist, stört dabei nicht wirklich - genausowenig wie die Tatsache, daß man Monkey nur bedingt durch diese Welt wandern lassen kann, weil seine Pfade weitestgehend vorprogrammiert sind.
Obschon das Spiel nicht ganz so cineastisch angelegt ist wie andere Genrekollegen, bleibt dennoch Zeit, langsam zarte Gefühle zwischen Trip und Monkey aufkeimen zu lassen. Erfreulich ist zudem, daß sich diese Zuneigung eher subtil ausdrückt und nicht zum eigenen Handlungsstrang avanciert. So ist "Enslaved: Odyssey to the West" letztlich ein unterhaltsamer Abenteuerspaß mit einem gut zu spielenden Helden; an der teilweisen Redundanz der Aufgabenverteilung könnte man vielleicht in einer möglichen Fortsetzung noch arbeiten.

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