Kino_Echte Wiener - Die Sackbauer-Saga

Bericht vom Untergang

Der erfolgreichste Film des Jahres 2008 startet nun auch in bundesdeutschen Kinos - wo "der Mundl" trotz scheinheiliger Piefke-Versöhnung wahrscheinlich auf Unverständnis stoßen wird. Jedenfalls: Edmund Sackbauer ist wieder da - als wahrscheinlich letzter echter Wiener. Um ihn herum schaut´s aber leider düster aus ...    09.04.2009

Alt sind sie alle geworden: der Mundl, die Toni (obwohl sich die erstaunlich gut gehalten hat), der Karli (der Trottel), die Irmi, die Hanni, das "Nudlaug" - und vor allem der Blahovec-Kurti, der das mit dem Saufen eindeutig übertrieben hat ...

Viel anderes will einem zu "Echte Wiener", der ",Was wurde eigentlich aus ...?"-Fortsetzung der 70er-Jahre-TV-Serie "Ein echter Wiener geht nicht unter" kaum einfallen. Man freut sich, die Darsteller von damals wiederzusehen; schüttelt den Kopf darüber, wie sie sich verändert haben (oder auch nicht); fragt sich, ob man ein Gesichts-Lifting noch schrecklicher verpatzen kann als die arme Dolly Schmidinger; freut sich, wie gut die alten Sprüche noch funktionieren und wie witzig der ewig grantige, aber ach so menschliche Mundl ist. Als Nostalgie-Trip, der einem die eigene Sterblichkeit ("Mein Gott, so vü Zeit is scho vergangen?!") vor Augen führt und Tränen der Rührung aus selbigen strömen läßt, funktioniert der Film von Kurt Ockermüller erstklassig.

Das ist dann aber auch schon das einzig Gute, was man dem Kinofilm "Echte Wiener" nachsagen kann. Von der polarisierenden Wirkung, die der "Mundl" damals im Fernsehen hatte, ist nämlich gar nichts geblieben. Die Dialektsprüche, die einst noch für Skandale sorgten, stehen heute auf T-Shirts. Und die früher so realistische Darstellung des Wiener Proletariats ist purem ORF-Sozialkitsch gewichen (man fragt sich generell, was den Film von einer TV-Produktion unterscheidet), bei dem man das Gefühl kriegt, Autor Ernst Hinterberger habe seinen Biß verloren. Begleitet von Bildern aus der Fremdenverkehrswerbung präsentiert er ein Wien, in dem man sich gemütlich im ruhigen Gemeindebauhof unterhalten oder auf einer blitzsauberen Donauinsel - ungestört von Problemvölkern - ein Picknick mit Schnapsen abhalten kann. Da war wohl einer schon länger nicht mehr draußen ...

Dazu kommt, daß die Handlung (alle treffen sich wieder, um Mundls Achtziger zu feiern) nicht viel hergibt und die Geschichten um die nachgewachsenen Generationen recht banal, billig und klischeehaft sind. Das macht es den alten Darstellern (allen voran der großartigen Ingrid Burkhard und natürlich Karl Merkatz) leicht, den Rest der Belegschaft problemlos an die Wand zu spielen.

Trotzdem: Als einstiger Mundl-Fan muß man "Echte Wiener" sehen, am besten gleich mehrmals, sich später die DVD besorgen, die guten Sager mitsprechen lernen - und ein bissl weinen.

Peter Hiess

Echte Wiener - Die Sackbauer-Saga

ØØ 1/2

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Ö 2008

100 Min.

Regie: Kurt Ockermüller

Darsteller:  Karl Merkatz, Ingrid Burkhard, Klaus Rott u. a.

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