Kino_Haus der 1000 Leichen

Rocky Horror Zombie Show

Spät, aber doch auch bei uns in den Kinos: Rob Zombies feuchtfröhliches Regiedebüt in Sachen Trash-Aufarbeitung. Mädel und Buben, laßt die Knochen krachen!
   03.06.2004

Howdy-Bowdy! Mit seinem "House of 1000 Corpses" lädt Weirdo-Liebhaber und altgedienter Rock-Maestro Rob Zombie in sein erstes ganz persönliches Sodom und Gomorrha im 24-Frames-per-Second-Style. Dabei zählt die Handlung spätestens in der Post-Chainsaw-Ära zu den ältesten Geschichten der Welt: Ein vollgeladener Wagen mit zwei Pärchen fährt durch amerikanisches Niemandsland. Während der weibliche Anhang sich langweilt, outen sich die beiden Nerd-Bubis als Jungautoren auf der Jagd nach verlorenen Straßenmythen und morbiden Kuriositäten. Und die finden sie auch, in Form einer Raststätte, die neben Zapfsäulen auch eine Gedenkstätte für Serienmörder beherbergt. Als ihnen Besitzer Captain Spaulding von der lokalen Legende Dr. Satan erzählt, ist das Frischfleisch in spe nicht mehr zu bremsen. Ab ins Auto und … genau in die Fänge der charmantesten Rednecks-Familie seit "Texas Chainsaw Massacre 2", die ganz nebenbei über einen herausragenden Innendekorateur verfügt.

Während Grandpa Hugo, Mamma Firefly und Klein-Tiny (unnatürlich deformiert und eine ständige Reminiszenz an Stuart Gordons "Castle Freak") eher harmloser Natur sind, bereiten vor allem das verrückte Töchterlein "Baby" (Sheri Moon, im übrigen Zombies Angetraute) sowie natürlich Otis (der gute Bill Moseley, besser bekannt als Chop-Top aus "TCM 2" - der freundliche Kerl mit der Stahlplatte im Kopf, wer´s nicht weiß), die starke Hand im Hause, dem Zuseher Freude. Die ersten Leichen sind jedenfalls schnell tranchiert, doch glücklicherweise alarmiert ein besorgter Vater den Sheriff, und so gibt´s bald Nachschub für das makabre Gegenstück zu den Waltons.

Was sich dem Zuseher in "House of 1000 Corpses" offenbart, ist ein 90minütiger, grellbunter Videoclip, zusammengeklaut aus ein paar Jahrzehnten Horrorfilm, ohne jegliche Spannung oder Tiefgang und mit dem Nährwert einer schillernden Luftblase. Doch was soll´s - wenigstens bietet die Hommage einen gesundem Schuß Sadismus und Verstörtheit für die MTV-Generation und weckt andererseits beim mündigen Bürger fast wehmütige Erinnerungen an Exploitation-Klassiker wie Hoopers "TCM" oder Cravens "Last House on the Left". Selbst wenn Zombies Debütstreifen recht schnell die Luft ausgeht, merkt man dem Werk die Liebe des Autor/Regisseurs zum Genre an und fragt sich insgeheim, ob die Ausstattung (besonders das übergroße Werbeplakat für "Creature from the Black Lagoon") aus einem Fundus stammen oder sowieso in Zombies Wohnzimmer herumgammeln. Szenen wie die, wenn Otis auf die zusammengeschnürten Opfer einbrüllt, während er die Haut des ehemals besorgten Vaters übergestreift hat und die armen Menschlein wiederum in übergroßen Häschenkostümen stecken, erfreuen das Herz jedes Video-Nasties-Fans. Daß das Ende nicht sonderlich originell ist, mag man verzeihen und sich stattdessen fragen, wie wohl der alternative Schluß aussieht, bzw. die 17 (manche behaupten sogar 40 Minuten), die Zombie selbst der Öffentlichkeit bisher vorenthalten hat. Die Vorbereitungen für das Sequel "The Devil´s Rejects" haben übrigens bereits begonnen. Bleibt nur zu hoffen, daß es diesmal nicht wieder drei Jahre dauert, bis sich ein "mutiger" Verleiher findet.

Oder, um es mit Rob Zombies Worten zu sagen: "Pussy Liquor, do it quicker!"

 

Jürgen Fichtinger

Haus der 1000 Leichen

ØØ 1/2

(House of 1000 Corpses)


USA 2003

88 Min.

dt. und engl. OF

Regie: Rob Zombie

Darsteller: Sid Haig, Bill Moseley, Sheri Moon u. a.

 

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Kommentare_

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Andy - 12.06.2007 : 22.44
Genialer Film!!! War doch echt zum lachen.
Rosi - 05.03.2011 : 01.43
Einer der besten Filme die ich je in meinen Leben gesehen habe.
Mit wunderbaren schwarzen Humor und einiges an Herzblut.

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