Kolumnen_Miststück der Woche III/38

Manfred Prescher: "Verdammtes Miststück!"

Fans und Kritiker dieser Kolumne wissen, daß es an dieser Stelle um viel mehr als "nur" Musik geht. Das Leben, das Universum und der ganze Rest finden hier statt. Und genau deshalb ist das "Miststücke"-Elektrobuch so wichtig - meinen die Chefetagen von EVOLVER und EVOLVER BOOKS. Manfred Prescher bedankt sich artig für sein "E-Book für die Ewigkeit".    17.06.2013

Manche Dinge ändern sich einfach nie: Du wachst morgens auf - und noch bevor sich das Hirn einschaltet, singst du, daß du nur noch die Welt retten mußt oder daß Geld guat brenna tuat. Widerstand ist absolut zwecklos, das Miststück setzt sich in dir fest. Begleitet dich ins Bad, zum Frühstück und in den Job. Manchmal freust du dich, weil dir zufällig ein alter Bekannter durch die Denkmurmel stromert, manchmal ist es dir schlicht peinlich. Wer will schon gern über sieben Brücken gehen oder von Jürgen Drews in den Tag geleitet werden?

In dieser Kolumne geht es um hinterhältige und fiese Lieder, die sich in dir festsetzen.

 

Am Anfang war das Wort. Genauer gesagt, waren es 719. Denn so viele Worte brauchte ich für die allererste "Miststück"-Kolumne. Wobei die allerersten 25 gar nicht von mir, sondern von Chefredakteur Jürgen Fichtinger stammten. Anläßlich des ersten Miststücks, das Madonnas "Hung Up" gewidmet war, floß es am 31. Oktober 2005 genial aus dessen Edelfeder: "Die Jungfrauennummer hat man ihr nie abgenommen ..." Danach stand für mich fest, daß ich es mir nie anmaßen dürfen würde können, mich nach Fichtingers Qualität zu strecken. Ich unterließ es daher in den Folgejahren, mir überhaupt ein Bild von ihm zu machen. Ich machte mir lieber welche von Künstlern, die ich sehr mag - oder von solchen, die ich nicht einmal an meine Ohren lassen würde, wenn ich (wie einst der alte Beethoven) vollends das Gehör verloren hätte.

Mittlerweile ist ziemlich viel Wasser die Donau hinuntergeflossen oder ab und zu auch über die Ufer getreten - und selbst wenn es manchmal so aussah, als ginge die Welt irgendwie unter: Das "Miststück der Woche" gibt es immer noch. Für euch, liebe Leser, und für mich, der die Arbeitswoche traditionell mit dem Schreiben einer launigen Kolumne beginnt, ist diese Tatsache überaus trostreich.

Die längere Zwangspause in der Kolumnengeschichte wollen wir an dieser Stelle lieber verschweigen; die Geschichte rückt sowieso alles gerade. All die Trends und musikalischen Innovationen verblassen nämlich genauso schnell wie die Irrtümer und Bosheiten - ob man nun einem singenden Propheten unterstellt, er würde bald übers Wasser gehen, oder über wuchtige Künstler schreibt, die aufgrund ihrer molekularen Masse praktisch nie untergehen können. So wie seinerzeit "Milky Way", das ja bekanntlich auf Milch schwimmen konnte. Ich hab´ das als Kind selbst getestet: es funktionierte, bis man hineinbiß. Der restliche Riegel verschwand in der Flüssigkeit, um schließlich am Schüsselboden anzudocken ... Was für ein Bild! Vieles, das in den vergangenen siebeneinhalb Jahren von mir beschrieben wurde, ist längst versunken wie ein angefressenes Stück Schokodingens, das in den USA übrigens "3 Musketeers" heißt (nur, falls der Herr Jauch das einmal von euch wissen will). Und allen, denen jetzt schon die Folgefrage durch die Denkmurmel schwurbelt, sei gesagt, daß in Obama-Land "Milky Way" unserem "Mars" entspricht. Wie war das noch mit Mars? Ach ja: macht mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel. Da fällt mir übrigens ein Kalauer aus Sponti-Zeiten ein: "Warum darf man auf dem Mars keinen Atommüll lagern?" Genau: "Weil Mars verbrauchte Energie sofort zurückbringt."

Ach, die Welt ist kompliziert! Ich habe es mir deshalb zum Auftrag gemacht, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen und schnöde Infos zu mal mehr, mal weniger oder auch gar nicht öden Songs mit allerlei Querverweisen zu versehen. Wer will, kann immer auch erfahren, wie weit ich in meinem geistigen Menstruationszyklus bin, was mich gerade umtreibt und woran ich denke, während ich für euch zum Beispiel Michael Jackson, Arcade Fire oder Tom Waits höre. Natürlich geht es immer um Musik. Aber warum erreichen und erweichen uns in speziellen Momenten bestimmte Songs besonders? Weil sie genau dann exakt in unser emotionales Feng Shui passen. Darum.

 

Während ich nun das "Miststück" Nummer 238 schreibe, ist euch ein Kindle geboren. Beziehungsweise ein Buch, das ihr in eben diesen E-Reader "betten" dürft. Natürlich könnt ihr es auch als Epub für andere Reader oder über diverse Apps für iPhone, iPod, iPad, Android und die Kindle-Software für Mac und PC lesen. Ihr braucht es nur einmal zu kaufen und dürft es dann beliebig oft auf eurem Elektronikschrott verteilen. Und genau das solltet ihr auch tun, damit es den Geschichten, die ich rund um Popsongs gestrickt habe, nicht so geht wie den Dingen, die Udo Jürgens in seinem uralten, längst aus den Gedächtnisspeichern der meisten Menschen gelöschten Lied "Auf der Straße der Vergessenheit" besingt: "Kronen, die man gestern stolz getragen/Werden zu Staub, zerfallen und zerschlagen/Stumme Zeugen der Vergänglichkeit/Auf der Straße der Vergessenheit." Außerdem wollen der Autor und die mächtigen Männer von EVOLVER BOOKS auch was verdienen - am liebsten mit ordentlicher deutsch-österreichischer Wertarbeit.

Eigenlob stinkt, sagt man, aber ich habe in all den Kolumnen meist ganz selbstlos andere Menschen gelobt. Beim nochmaligen Lesen der alten Texte ist mir jedoch aufgefallen, daß viele auch unabhängig vom eigentlichen Thema charmant, geistreich, witzig und erhaltenswert sind. Wer erinnert sich zum Beispiel noch an The Futureheads, The Mitchell Brothers oder Sam Sparro? Kein Schwein, wahrscheinlich. Doch die Beiträge zu den Songs sind wirklich gar nicht so übel; die kann man immer wieder lesen. In diesem Sinne, ihr "Miststück"-Fans zwischen Alpenhauptkamm und Holsteinischer Tiefebene: Kauft das E-Book mit den ersten 200 Kolumnen, lest daraus vor, erzählt euren dann staunenden Kindern und Kindeskindern davon - und schützt sie so nachhaltig vor der um sich greifenden kulturellen Verblödung.

Die nächste neue Kolumne wird´s natürlich kommende Woche hier bei EVOLVER geben. Dann geht es um Black Sabbath. Über die für heute versprochenen Sportfreunde Stiller fabuliere ich dann in 14 Tagen - Indianerehrenwort! Falls ihr schon vorher was über die drei Bayern-Popstars lesen wollt, auch gut: Blättert einfach im E-Book zur Kolumne Numero 34. Außerdem habe ich für die nächsten Wochen Vampire Weekend, Gilbert O´Sullivan (!), Buddy Knox und Beady Eye auf dem Schirm. Schließlich wird der Montag erst mit dem "Miststück der Woche" schön.

Übrigens: Diese Kolumne schwimmt nicht nur auf Milch, sondern - wenn´s sein muß - auch auf Red Bull oder Jackie-Cola.

Manfred Prescher

Manfred Prescher: "Verdammtes Miststück!"

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hans-peter - 23.06.2013 : 19.19
das sind ja gute nachrichten, werde ich mir gleich besorgen!

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