Musik_Königliches Larghetto an der Wien

Deutsch-italienische Freundschaft

Mit zwei grandiosen Barockproduktionen behauptete das Theater an der Wien seine Position als erstes Opernhaus für Werke abseits des Mainstreams. Nach der konzertanten Aufführung eines eher schwachen Werkes von Antonio Vivaldi zauberte man dort mit Händels Oper "Serse" eine seltene Sternstunde - in künstlerischer, musikalischer und szenischer Hinsicht.    06.11.2011

Das Theater an der Wien hat in der Saison 2011/12 den ehrgeizigen Plan, die wichtigsten Barockwerke von Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi konzertant und szenisch aufzuführen. Obwohl die Intendanz die derzeit führenden Musiker der "Szene" engagierte, schaffen auch die es nicht immer, das Publikum mit eher schwachen Werken wie Vivaldis "Orlando Furioso" total hinzureißen - so geschehen bei der konzertanten Aufführung der Oper des Protagonisten der venezianischen Schule. Antonio Vivaldi schrieb ja nicht nur seinen Wunschkonzertmagneten "Quattro Staggioni", sondern auch eine Vielzahl von Instrumental- und Vokalwerken.

Das Libretto der Oper stammt vom Dichter Ariosto aus dem 15. Jahrhundert; Vivaldi vertonte es im 18. Jahrhundert. Die Geschichte ist recht banal und rasch erzählt: Der Dichter Roland verfällt der Raserei, und nach langem Hin und Her sowie einigen Liebesgeschichten normalisiert sich sein Zustand wieder. Der venezianische Komponist schuf lange dreieinhalb Stunden mit wunderschöner und eingängiger Musik. Bei all der Schönheit und trotz der phantastischen musikalischen Umsetzung durch Jean-Christophe Spinosi und sein Ensemble Matheus war man jedoch selten fasziniert. Der Dirigent erzielte mit seinem hervorragenden Sängerensemble ein wahres Farbenspektrum an Klängen. Trotzdem wurde die Sache mit der Zeit so eintönig, daß der Rezensent ausnahmsweise schon in der Pause die Vorstellung verließ.

 

Doch fünf Tage später wurde die "Derniere" (Anm.: letzte Aufführung einer Produktion) von Händels Oper "Serse" (auch "Xerxes" genannt) zu einem veritablen Ereignis. Selten noch war eine qualitativ derart hochrangige Aufführung einer Oper zu sehen.

Abermals stand der Korse Spinosi am Pult, wieder spielte Metheus - und beide führten eindrucksvoll vor, mit welchem Klangzauber und welchen Effekten ein so kleines Ensemble aufwarten kann. Das liegt natürlich vor allem an Händels Werk. Das Libretto stammte von Nicolò Minato und wurde vom deutsch-englischen Komponisten 1738 in London uraufgeführt. Die Handlung ist ähnlich wie bei Vivaldis Oper ein eher banales Ränkespiel von Liebe, Eifersucht, Treue und Untreue (mit erwartungsgemäßem "Happy-End").

Im Gegensatz zu seinem italienischen Komponistenkollegen schuf Händel aus dem eher banalen Libretto ein trotz der mehr als drei Stunden Dauer kurzweiliges Musiktheater. Mit sieben hochrangigen Solisten beamten der großartige Spinosi und sein kongenialer Regisseurkollege Adrian Noble das Publikum in eine optische und akustische Wunderwelt. Die Musiker brachten in Kleinstbesetzung eine wahre Klangpracht zustande. Interessant übrigens, daß Spinosi im Profil sehr an den jungen Carlos Kleiber erinnert - vor allem, wenn er so begeistert und begeisternd seinen Musikern zulächelt.

Die Sängerbesetzung war schlichtweg genial. Angefangen von der Schwedin Malena Ernman als Serse, die schon zu Beginn mit dem berühmten Largho (das eigentlich ein Larghetto ist) begeisterte, der hübschen und lieblichen Danielle de Niese, dem exzellenten Countertenor Bejun Mehta usw. usf. Regisseur Noble konnte zu guter Letzt mit einer augenfreundlichen und dennoch aktiven, intelligenten und modernen Inszenierung punkten.

 

Man darf damit rechnen, daß das Theater an der Wien seinen erfolgreichen Weg als Opernhaus "abseits des Alltags" weiter fortsetzen wird. Die Produktion von Händels Oper war nciht nur in dieser Hinsicht ein wichtiger Meilenstein.

Herbert Hiess

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Antonio Vivaldi - Orlando Furioso

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Oper in zwei Akten

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Theater an der Wien

 

Ensemble Matheus/Jean-Christophe Spinosi

 

Besetzung: Delphine Galou, Marina de Liso, Kristina Hammarström u.a.

 

Konzertante Aufführung am 22. Oktober 2011

Links:

Georg Friedrich Händel - Serse

ØØØØØ

Oper in drei Akten

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Theater an der Wien

 

Ensemble Matheus/Jean-Christophe Spinosi

Arnold Schoenberg Chor

 

Regie: Adrian Noble

 

Besetzung: Bejun Mehta, Malena Ernman, Danielle de Niese u.a.

 

Premiere: 16. Oktober 2011

Reprisen: 18., 20., 23., 25 und 27. Oktober 2011

Links:

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