Print_Chuck Palahniuk - Invisible Monsters

Ohne Netz, mit doppeltem Boden

"Fight Club" war erst der Anfang. Diese böse Satire auf Model-Welt, Konsumwahn und den amerikanischen Alptraum macht Lust aufs Immerweiterlesen.    16.09.2002

Chuck Palahniuk schrieb die Romanvorlage zu "Fight Club" - und die ist mindestens so genial wie der Film.

Mehr bräuchte man in einer idealen Welt eigentlich nicht zu sagen, um jemanden zum Kauf sämtlicher Werke dieses Autors zu bewegen. Aber diese Welt ist eben alles andere als ideal, wie Sie vielleicht schon bemerkt haben. Also: Palahniuk hat mehrere Bücher verfaßt, die nicht alle auf deutsch vorliegen: "Invisible Monsters" z. B., das als scharfe Kritik an der oberflächlichen Welt der Models und Fashion-Konsumentinnen beginnt, dort jedoch noch lange nicht aufhört. Wofür Bret Easton Ellis ungefähr zur selben Zeit einen ganzen Roman brauchte ("Glamorama"), das erledigt Palahniuk nämlich auf 20 Seiten. Und dann geht´s erst richtig los...

Die namenlose Erzählerin war in der Modebranche tätig, bis ihr ein anonymer Täter den Unterkiefer wegschoß. Jetzt ist sie ein verschleiertes "unsichtbares Ungeheuer", bereist mit der Drag-Queen Brandy Alexander und einem Fan die USA und Kanada, klaut Drogen aus Luxushäusern und betrachtet zynisch die völlig sinnentleerte Konsumwelt, durch die sich treiben läßt. Die Typen, denen sie auf ihren Reisen und in Rückblicken begegnet, machen aus dem Roman das bessere Road-Movie - und all die "Offenbarungen" in den letzten Kapiteln lassen einerseits das "Fight Club"-Überraschungsende alt aussehen, wirken aber andererseits in ihrer Häufung wie eine böse Parodie auf nette Doris-Day-Verwechslungskomödien. Kurz und gut: Das MUSS man gelesen haben.

 

Peter Hiess

Chuck Palahniuk - Invisible Monsters

ØØØØØ


W. W. Norton & Co. (New York/London 1999)

 

Photo © by Shawn Grant

 

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