Martin Compart - Der Sodom-Kontrakt
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Alexander-Verlag (Berlin 2007)
Das perverse politische Gebilde EU ist ideal für einen klassischen Noir-Plot: die Korruption, der Beamtenapparat und der Versuch, einen ganzen Kontinent unter die Diktatur neokapitalistischer Verbrecher zu zwingen. Schwärzer und grausamer geht´s gar nicht - wie dieser Roman eindrucksvoll zeigt. 26.06.2007
Wie viele Kinder hat ein Belgier? Zwei - eines im Garten und eines auf Video ...
Martin Compart versteht einiges von Noir-Literatur; nicht umsonst wird er von vielen als "Deutschlands Krimi-Papst" bezeichnet. Nachdem er bei Verlagen wie Ullstein, Bastei und zuletzt bei DuMont anspruchsvolle Krimireihen herausgegeben hat, schrieb er seinen Debütroman "Der Sodom-Kontrakt", der nun in einer von ihm selbst überarbeiteten Taschenbuchfassung auf die Menschheit losgelassen wird. Und der Thriller ist - wie man es von einem Mann mit Comparts Lebenserfahrung und literarischen Sozialisation erwarten darf - tiefschwarz, düster-zynisch und noch dazu purer Trash von der Sorte, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.
Der "politisch inkorrekte Anti-EU-Thriller" hält alles, was sein Untertitel verspricht. Er beginnt in Witten an der Ruhr, der Heimatstadt Comparts, wo der Privatdetektiv und Exsöldner Gill von seinem alten Freund Brenner um Hilfe gebeten wird, da nach einem schiefgegangenen Erpressungsversuch Auftragsmörder hinter ihm her sind. Doch Gill kann Brenner nicht davor bewahren, von den sadistischen Killern Schmidt und Schneider brutal dahingemetzelt zu werden. Zu allem Unglück wird er danach noch von der Polizei als Mordverdächtiger gejagt und muß sich bemühen, die Hintergründe des Falls selbst aufzuklären.
Seine Ermittlungen führen ihn von der lokalen Puff- und Pornoszene in die völlig korrupte Politik Wittens und Deutschlands sowie der Europäischen Union, deren Machtzentrum in Brüssel nur die scheinheilige Fassade für eine großangelegte Verschwörung ist. Kinderschändung, finstere Millionengeschäfte, skrupelloser Mord und der Verrat an der irregeleiteten Bevölkerung eines ganzen Kontinents sind da nur die Spitzen des Eisbergs.
"Die Initialzündung für den 'Sodom-Kontrakt' war Wut", sagt Compart über seinen Roman. "Wut über Politiker, die in ihrer grenzenlosen Arroganz und Machtgeilheit zu den widerwärtigsten Verbrechen fähig sind. Ihre ganze Ekelhaftigkeit zeigte sich in der Affäre Dutroux, die für mich - durch Beschäftigung mit der Korruption in der EU - sofort eine politische Dimension hatte. Zuerst wollte ich ein Sachbuch schreiben, aber kein angesprochener Verlag wollte die relativ teure Recherche finanzieren. Außerdem war klar, daß ich sehr schnell an juristische Grenzen stoßen würde. Also wählte ich die Form des Romans, gespickt mit Tatsachen, Zitaten aus Magazinen und Fußnoten. Und beim Schreiben wurde mir schnell klar, daß die perverseste Phantasie mit der Realität nicht mithalten kann."
Compart erzählt seine Story ohne Rücksicht auf Verluste und mit einer Rasanz, die an einen literarisch anspruchsvollen "Mister Dynamit"-Krimi erinnert. Vor allem Leser, die den selbstherrlichen EU-Knallchargen nie über den Weg getraut haben, werden dieses Buch lieben. Und wer heute immer noch an die Illusion vom "Vereinten Europa" glaubt, dem wird nach der Lektüre des "Sodom-Kontrakts" klar, daß gegen Brüssel das gute böse alte "Chinatown" ein harmloser Vergnügungspark für Kinder ist ...

Martin Compart - Der Sodom-Kontrakt
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Alexander-Verlag (Berlin 2007)

Termin-Tip Spezial: Martin Compart im Narrenturm
Christa A. Tuczay & Martin Compart: "Die Herzesser/Der Sodom-Kontrakt" (Buchpräsentationen & Lesung)
Gemeinsam mit der sommerlichen Veranstaltungsreihe "Tower of Power ´07" präsentiert der EVOLVER zwei literarische Experten in Sachen Verbrechen und Dekadenz in historischen sowie aktuellen Großreichen: die österreichische Germanistin Christa A. Tuczay, die in ihrem Buch "Die Herzesser" über dämonische Verbrechen in der Donaumonarchie berichtet - und den deutschen "Krimipapst" Martin Compart, dessen Roman "Der Sodom-Kontrakt" als spannender Thriller mit Dekadenz, organisiertem Verbrechen, Korruption und Perversion in der EU abrechnet. Ein literarisches Duell/Duett mit unvorhersehbaren Folgen ...
Wann? Donnerstag, 23. August, Einlaß: 18.30 Uhr, Beginn: 19 Uhr
Wo? Im Wiener Narrenturm
Pathologisch-anatomisches Bundesmuseum
Uni-Campus, Spitalgasse 2, 1090 Wien
(Zugang: Van-Swieten-Gasse)
Tel. 01/ 406 86 72-2
Dr. Trash empfiehlt: Denken Sie nicht nach, sondern vor. Zum Beispiel über die Frage, warum Zigaretten jetzt EU-weit dauernd ausgehen: Angeblich, weil sie einst so viele Brände verursacht haben - man erinnere sich an die lodernden Tischnachbarn im Kaffeehaus. Wer solchen Dreck glaubt, ist nicht nur geistig angeschlagen, sondern Opfer von Agenturen, die Tag für Tag Bleichmittel für die globale Gehirnwäsche erzeugen. Sogar, wenn es um Comics und Otakus geht ...
Dr. Trash empfiehlt: Gehen Sie in den Wald. Lassen Sie sich dort von sinnlosen Wandertafeln erläutern, wie man atmet und ein Bein vor das andere setzt. Denken Sie immer daran, daß sowas Beamte erfinden, die von selber tatsächlich nicht einmal Luft holen können. Verzweifeln Sie erst, wenn Ihnen ein Wegweiser mit Hinkelstein-Esoterik droht. Bleiben Sie stehen und lassen Sie Ihrer Zerstörungswut freien Lauf.
Dr. Trash empfiehlt: Freuen Sie sich darüber, daß die Ironie-Szene (Sie wissen schon, die mit den heiteren Bärtchen, strohdummen Hütchen und der schlurfigen Kleidung) Comics noch nicht wirklich für sich entdeckt hat. Vielleicht liegt’s ja daran, daß es dort weder Gestalten wie die Gebrüder Coen noch eine angeschwuchtelte Indie-Bewegung wie in der Popmusik gibt - sondern ein paar aufrechte Kämpfer, die die Tradition der Bildergeschichte hochhalten.
Dr. Trash empfiehlt: Lassen Sie sich den Begriff "Wutbürger" von den arroganten Verbrechern in Politik und Medien nicht gefallen! Denken Sie bei den miesen Charakteren, die Ihren gerechten Zorn verursacht haben, lieber an den weisen Spruch: "Today's pigs are tomorrow's bacon." Und vertiefen Sie sich - passend dazu - in die Abenteuer von "Monster Hunter International".
Drei Blunzen geben eine Pressekonferenz ... Nein. Okay, so: Treffen sich ein paar Sommerlöcher ... Auch nix. Na gut: Eine Frau kommt ins Wirtshaus und bestellt eine Portion Hirn mit Ei ... Wieder daneben. Es nützt nichts - manche Witze sind so schlecht, daß man sie einfach nicht erzählen sollte. Außer in der Sauregurkenzeit und als feministische Parteisoldatin vielleicht.
Dr. Trash empfiehlt: Kaufen Sie sich ein iPad - am besten gleich die soeben erschienene Version 2, dann sind Sie Ihrem guten Doktor auch noch ein wenig voraus. Apples Tablette gegen Ödnis und graue Desktop-Rechner ist zwar für den heftig schreibenden Geistesarbeiter nur bedingt geeignet, aber unterwegs leistet das Brett beste Dienste. Auch im Urlaub, statt der berüchtigten Reisetasche voller Bücher.
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