Texte_Hunter S. Thompson I

Good Clean Fun

Mit "Angst und Schrecken in Las Vegas" schuf der verstorbene Thompson nicht nur eines der besten Bücher der 70er, sondern auch das wohl bedeutendste Dokument der Drogenliteratur.    03.03.2005

Wir waren irgendwo bei Barstow am Rand der Wüste, als die Drogen zu wirken begannen. Ich weiß noch, daß ich so was sagte wie: 'Mir hebt sich die Schädeldecke; vielleicht solltest du fahren ...

 

Das Jahr: 1971. Der Ort: Nevada, auf der Straße von L. A. nach Las Vegas. Der Profi-Journalist Hunter S. Thompson (alias Raoul Duke) hat von einer schicken Sportzeitschrift den Auftrag bekommen, eine Story über das "Mint 400", ein grandioses Wüstenrennen für Motorräder und Buggies, zu schreiben. Er schnappt sich ein paar Spesendollars, mietet ein rotes Chevy-Cabrio (den "Großen Roten Hai") und lädt seinen schwergewichtigen samoanischen Anwalt ein, mit auf die Reise zu kommen. Die Sportveranstaltung ist den beiden naturgemäß völlig egal – in ihren Köpfen hat sich die wirre Vorstellung festgesetzt, in der Glücksspielmetropole den amerikanischen Traum zu suchen.

Wie man auf so eine Idee kommt? Dazu brauchen wir nur einen Blick auf den Reiseproviant von Duke & Co. zu werfen:

 

Der Kofferraum des Wagens sah aus wie ein mobiles Labor des Rauschgiftdezernats. Wir hatten zwei Beutel Gras, fünfundsiebzig Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, einen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und ein ganzes Spektrum vielfarbiger Upper, Downer, Heuler, Lacher ... sowie eine Flasche Tequila, eine Flasche Rum, einen Karton Budweiser, einen halben Liter unverdünnten Äther und zwei Dutzend Knick-und-Riech.

 

So beginnt Hunter S. Thompsons legendäres Werk "Angst und Schrecken in Las Vegas" ("Fear and Loathing in Las Vegas"), das von der New York Times zum "besten Buch des Drogenjahrzehnts" tituliert wurde. Mit ihm hatte der ehemalige Sport/Politikreporter und Südamerika-Korrespondent ("Ich verbrachte meine Entwicklungsjahre damit, über eine unheilige Dreieinigkeit aus Gott, Nixon und der National Football League zu schreiben"), geboren in Louisville, Kentucky, erstens genau den Nerv seiner Zeit getroffen und zweitens eigenhändig den "Gonzo-Journalismus" erfunden.

Die Abenteuer des Journalisten und seines Anwalts, die - kaum der menschlichen Sprache und eines klaren Gedankens mächtig - ein Zimmer in einem der Casino-Hotels beziehen, um sich dort ungehemmtem Rauschgift- und Schnapskonsum hinzugeben, Irrsinn zu reden, die Einrichtung komplett zu demolieren und eine unglaubliche Zimmerservice-Rechnung zu verursachen, finden ihren Höhepunkt nicht beim "Mint 400" (von dem sie kaum was mitkriegen), sondern in durch Schlafentzug gesteigerter Paranoia, irrwitzigen Dialogen, dem Abfeuern großkalibriger Waffen, Zechprellerei und schließlich der überstürzten Flucht durchs Hinterland.

 

Als ich zum Flughafengebäude kam, war ich schweißgebadet. Aber nichts Ungewöhnliches. Ich schwitze immer, wenn´s warm ist. Meine Klamotten sind klatschnaß von früh bis spät. Zuerst machte mir das Sorgen, aber als ich zu einem Arzt ging und meine normale tägliche Ration an Schnaps, Drogen und Giften beschrieb, sagte er mir, ich solle wiederkommen, wenn ich nicht mehr schwitzte. Das sei der gefährliche Moment, sagte er - ein Zeichen, daß der unheilvoll überarbeitete Widerstandsmechanismus meines Körpers absolut zusammengebrochen sei. 'Ich habe großes Vertrauen in die natürlichen Abwehrkräfte', sagte er. 'Aber in Ihrem Fall ... nun ... da bin ich hilflos, weil ich keinen Vergleich habe. Wir müssen einfach abwarten, und dann sehen, was überhaupt übrig ist.

aus "Angst und Schrecken in Las Vegas"

 

Doch kaum ist Thompson glücklich aus Las Vegas draußen, schickt ihn der "Rolling Stone" wieder hin: diesmal soll er ein Seminar über Narkotika und gefährliche Drogen besuchen, das im Rahmen der Bundeskonferenz der amerikanischen Bezirksstaatsanwälte stattfindet. Die journalistische Sorgfaltspflicht obsiegt über den Verfolgungswahn, der "Große Rote Hai" wird gegen den "Weißen Wal" ausgetauscht, der Anwalt kommt (mit einer geistesgestörten Eroberung) zurückgeflogen, eine weitere Suite wird verwüstet. Heldenmütig - und zu bis über beide Ohren - begeben sich unsere Berichterstatter in die Höhle des Löwen, um die Drogenpolitik der Vereinigten Staaten ein für allemal lächerlich zu machen:

 

Beim Mint 400 hatten wir es mit einer grundsätzlich verständnisvollen Meute zu tun gehabt, und wenn unser Benehmen auch obszön und empörend war ... nun, das war nur eine Frage des Auffälligkeitsgrades. Aber diesmal war schon unsere Anwesenheit allein eine Herausforderung, eine Freveltat. Wir würden uns unter Vorspiegelung falscher Tatsachen bei der Konferenz einschleichen und es von Anbeginn mit Leuten zu tun haben, deren Lebenszweck darin bestand, Typen wie uns hinter schwedische Gardinen zu bringen. Wir waren die Bedrohung - bemäntelten nichts, sondern waren offen drauf aus, Drogenmißbrauch zu treiben, und wir hatten eine schamlos ausgeflippte Tour drauf, die wir bis ins Extreme treiben wollten ... nicht um irgendeinen endgültigen soziologischen Beweis zu führen, und auch nicht, um etwa bewußt die Narcs zu verarschen: Es war hauptsächlich die Frage des Lebensstils, ein Gefühl, daß wir es unserer Sache schuldig waren, ja Pflichtbewußtsein. Wenn die Pigs sich in Las Vegas versammelten, um eine Super-Drogen-Konferenz abzuhalten, dann sollte nach unserer Meinung die Drogen-Kultur ihre Repräsentanten dabeihaben.

Außerdem war ich jetzt schon so lange bedröhnt, daß ein Job wie dieser absolut logisch erschien.

 

That´s Entertainment!

Peter Hiess

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Hunter S. Thompson (1937 - 2005)


"Bear Hunt"-Photo © by HST archives

 

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Unerwünschte Nebenwirkungen

Schwerwiegend

Dr. Trash empfiehlt: Denken Sie nicht nach, sondern vor. Zum Beispiel über die Frage, warum Zigaretten jetzt EU-weit dauernd ausgehen: Angeblich, weil sie einst so viele Brände verursacht haben - man erinnere sich an die lodernden Tischnachbarn im Kaffeehaus. Wer solchen Dreck glaubt, ist nicht nur geistig angeschlagen, sondern Opfer von Agenturen, die Tag für Tag Bleichmittel für die globale Gehirnwäsche erzeugen. Sogar, wenn es um Comics und Otakus geht ...  

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Kraftlos

Dr. Trash empfiehlt: Gehen Sie in den Wald. Lassen Sie sich dort von sinnlosen Wandertafeln erläutern, wie man atmet und ein Bein vor das andere setzt. Denken Sie immer daran, daß sowas Beamte erfinden, die von selber tatsächlich nicht einmal Luft holen können. Verzweifeln Sie erst, wenn Ihnen ein Wegweiser mit Hinkelstein-Esoterik droht. Bleiben Sie stehen und lassen Sie Ihrer Zerstörungswut freien Lauf.  

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Scharfzeichner

Dr. Trash empfiehlt: Freuen Sie sich darüber, daß die Ironie-Szene (Sie wissen schon, die mit den heiteren Bärtchen, strohdummen Hütchen und der schlurfigen Kleidung) Comics noch nicht wirklich für sich entdeckt hat. Vielleicht liegt’s ja daran, daß es dort weder Gestalten wie die Gebrüder Coen noch eine angeschwuchtelte Indie-Bewegung wie in der Popmusik gibt - sondern ein paar aufrechte Kämpfer, die die Tradition der Bildergeschichte hochhalten.  

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Feuerbauer

Dr. Trash empfiehlt: Lassen Sie sich den Begriff "Wutbürger" von den arroganten Verbrechern in Politik und Medien nicht gefallen! Denken Sie bei den miesen Charakteren, die Ihren gerechten Zorn verursacht haben, lieber an den weisen Spruch: "Today's pigs are tomorrow's bacon." Und vertiefen Sie sich - passend dazu - in die Abenteuer von "Monster Hunter International".  

Editorial
Bundeshymne NeuNeu

Heimat, bist du kleiner Hirne

Drei Blunzen geben eine Pressekonferenz ... Nein. Okay, so: Treffen sich ein paar Sommerlöcher ... Auch nix. Na gut: Eine Frau kommt ins Wirtshaus und bestellt eine Portion Hirn mit Ei ... Wieder daneben. Es nützt nichts - manche Witze sind so schlecht, daß man sie einfach nicht erzählen sollte. Außer in der Sauregurkenzeit und als feministische Parteisoldatin vielleicht.  

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Ausgestöpselt

Dr. Trash empfiehlt: Kaufen Sie sich ein iPad - am besten gleich die soeben erschienene Version 2, dann sind Sie Ihrem guten Doktor auch noch ein wenig voraus. Apples Tablette gegen Ödnis und graue Desktop-Rechner ist zwar für den heftig schreibenden Geistesarbeiter nur bedingt geeignet, aber unterwegs leistet das Brett beste Dienste. Auch im Urlaub, statt der berüchtigten Reisetasche voller Bücher.