Stories_Rokko’s Adventures im EVOLVER #35

Rot in Rom

Luigi Cozzi, der italienische Horror-Filmemacher, Dokumentarist, Buchautor und Geschäftsführer des römischen "Profondo Rosso" wurde beim diesjährigen Sitges Film Festival mit dem Nosferatu Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Thomas Fröhlich hat ihn schon 2010 in seiner Heimatstadt besucht.    24.10.2011

Rokko's Adventures ist - so steht es im Impressum - eine "unabhängige, überparteiliche sowie übermenschliche Publikation" und "setzt sich mit Leben, Kunst, Musik und Literatur auseinander". Der EVOLVER präsentiert (mit freundlicher Genehmigung) in regelmäßigen Abständen ausgewählte Beiträge.

 

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Von einem, der auszog, um ein Leben als Fan zu führen. Und zwar in der Ewigen Stadt. In la piccola bottega degli orrori.

 

La Terza Madre

 

Wir schreiben Mittwoch, den 18. Mai 2010. In drei Tagen ist Pfingstsonntag. Ganz Rom befindet sich - noch mehr als sonst - in den Händen der katholischen Kirche. Die Soutanendichte auf Straßen und Gassen übersteigt derzeit jene der römischen Straßenkatzen bei weitem. Hunderttausende betende Hände werden gen Himmel gereckt und ebenso viele geschmeidig geschmierte Kehlen frohlocken um die Wette: ein flächendeckendes Ave Maria urbi et orbi.

Wirklich ganz Rom?

Nein.

Ein kleines, unbeugsames Geschäft in der Via Gracchi, nicht weit vom Petersplatz entfernt gelegen, frönt anderer Lustbarkeiten. Ein Sammelsurium aus Horror(film)devotionalien von Puppen und Masken über T-Shirts und Häferln bis hin zu DVDs mit ungeschnittenen Filmraritäten, prächtigen Bildbänden und kenntnisreich geschriebenen Fachbüchern harrt der Besucherinnen und Besucher, die ihre Schritte zum Profondo Rosso lenken. Und so wie der Schreiber dieser Zeilen tun sie das andächtig und ergriffen (also gar nicht so anders als der durchschnittliche Papst-Tourist dieser Tage).

Denn das Profondo Rosso gehört ja ihm.

Dario Argento.

Dem Regisseur und Godfather des modernen Horrorfilms. Beziehungsweise jener Spielart, die man bis vor einigen Jahren ehrfurchtsvoll als Italo-Horror bezeichnet hat.

Gut, um der Wahrheit Genüge zu tun, Argento selbst hat seit etwa zwanzig Jahren keinen vernünftigen Film mehr zustandegebracht hat; über sein mediokres "La Terza Madre" (2008), den dritten und schwächsten Teil seiner so genannten Drei Mütter-Trilogie mußte man sich ja schon freuen. Doch davor, in den 1970er Jahren, erfand er gleichsam den Horrorfilm neu: stylish, mit barock überbordenden Tableaus und voller ausgesucht perfider Gewaltdarstellungen.

Das Profondo Rosso atmet noch ein wenig den Geist jener Tage. Und hat auch den Anschluß ans 21. Jahrhundert nicht verpaßt. Es ist Verkaufslokal, Treffpunkt, Infobörse und Material gewordener Geisteszustand in einem. Und das auf engstem Raum: la piccola bottega degli orrori.

 

Am Nachmittag des 18. Mai also betreten meine Lebensgefährtin und ich das aus allen Nähten platzende, scheinbar bloß zehn Quadratmeter große Profondo Rosso. Draußen donnert’s - ein Gewitter scheint sich nach mehreren Tagen frühsommerlichen Schönwetters seinen Weg in die Ewige Stadt zu bahnen. Wie passend.

Drinnen im Geschäft, hinter einem unter DVDs und gestapelten Magazinen verschwindenden Verkaufstisch, steht ein weißhaariger, gepflegt aussehender Herr und fragt mit einem herzlichen Lächeln auf Englisch, ob er behilflich sein könne. Man ist versucht, mit großer Geste aufs gesamte Lokal zu deuten und zu sagen: "Bitte alles einpacken!", tut es aber aus naheliegenden Gründen dann doch nicht. Stattdessen erwirbt man, gleichsam in einer Aufwärmrunde, ein Profondo Rosso-Kaffeehäferl (mit hübschen fotorealistischen Darstellungen abgeschnittener Köpfe und mordgieriger Katzen mit ausgefahrenen Krallen), zwei T-Shirts und ein Buch über den stilbildenden Horror- und SciFi-Regisseur sowie Argento-Vorbild Mario Bava, geschrieben von einem gewissen Luigi Cozzi, auf den wir später noch zu sprechen kommen.

 

Danach sieht man sich ein wenig im Keller unterm Profondo Rosso um. Dort befindet sich das Museo degli orrore di Dario Argento, das sich trotz der schelmisch gestellten Frage des Weißhaarigen "Ticket one way only or way back, too?" als recht harmlose, etwas zusammengewürfelte, gleichwohl ansprechend gestaltete, begehbare Geisterbahn mit Sujets diverser Italo-Horror-Filmen plus Swamp Thing und Freddy Krueger - natürlich in Lebensgröße - herausstellt.

Draußen beginnt’s einstweilen gehörig zu schütten, und so frage ich nach getanem Aufstieg aus der Unterwelt den netten Herrn, ob er nicht ein nahegelegenes Kino wüßte, in dem der in Rom ausgiebig plakatierte Film des jungen Horror-Shooting Stars Federico Zampaglione, "Shadow" gegeben würde. Der Weißhaarige schnalzt darob erfreut mit der Zunge, deutet auf ein Foto des Regisseurs, der - no na - natürlich im Profondo Rosso auf Besuch war, hält einen Kurzvortrag über Zampaglione und den Film und erklärt uns in wohlgesetzten englischen Worten, wie man das nahegelegene Teatro Adriano erreichen könne. Unseren Gesichtsausdrücken entnehmend, daß uns die römische Topographie eher unbekannt sei, schlüpft er in eine Jacke und bedeutet einer apart aussehenden schwarz gekleideten Dame im Profondo Rosso, doch bitte kurzfristig die Geschäfte zu übernehmen. Dann gehen wir zu dritt hinaus in den Gewitterregen. Der Weißhaarige führt uns so nahe ans Kino heran, daß es nun auch der Dümmste (vulgo Tourist) nicht mehr verfehlen kann. Dann verabschiedet er sich mit Händedruck und macht kehrt. Ich will noch nach seinem Namen fragen, doch da ist er schon weg.

Zehn Minuten später sitzen wir in einem schönen, alten Kinosaal und genießen den sich in den Südtiroler Alpen bei ähnlichem Sauwetter abspielenden "Shadow".

Eineinhalb Stunden später stehen wir wieder draußen vorm Kino; der Regen hat in der Zwischenzeit aufgehört.

Zwei Wochen später schreibe ich eine Dankmail ans Profondo Rosso, in der ich auch ankündige, gerne einmal eine Story über diesen kleinen, aber feinen Laden verfassen zu wollen. Sie wird vom freundlichen Geschäftsführer umgehend erwidert.

Unterschrift: Luigi Cozzi.

 

Und das ist dann einer jener Momente, in denen man sich vor lauter Peinlichkeit am liebsten selbst in den Hintern beißen würde.

Wenn man könnte.

 

Profondo Rosso

 

Denn besagter Luigi Cozzi ist nicht irgendwer. Er ist Regisseur, Schriftsteller, Argento-Kollaborateur, Sammler, Fan. Und natürlich Geschäftsführer des Profondo Rosso. Sein aktiver Beitrag zur Filmgeschichte mag überschaubar sein - und doch sähe vieles anders, ärmer aus, wenn es ihn nicht gäbe. Zum Beispiel das Profondo Rosso selbst.

Der Name stammt vom gleichnamigen Argento-Klassiker aus dem Jahre 1975 mit David "Blow Up" Hemmings in der Hauptrolle. Ein Film, in dem Argentos surreale Flamboyanz in der Darstellung einen ersten und prototypischen Höhepunkt erreichte, und der auch den traditionellen Giallo (also jene italienischen Krimi-Reißer, die nach den gelben Einbänden einschlägiger Taschenbücher benannt sind) endgültig in den Horror/Terror-Hafen einlaufen ließ.

"Dario hatte die Idee 1988", erzählt Signore Cozzi mir ein paar Wochen später nach unserem unabsichtlichen Blind Date. "Im Frühjahr 1989 - wir drehten gerade 'Two Evil Eyes' miteinander - fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte, sein Partner zu werden und den Laden persönlich zu führen, was ich gerne tat. Wir eröffneten 1989. Seitdem verkaufen wir alles aus den Bereichen Fantasy und Horror: DVDs, Bücher, Masken, Kostüme, Action-Figuren, Spielzeug, Soundtracks." Und er ergänzt: "Zu Beginn hielten uns alle für verrückt. Und dann begannen sie uns zu kopieren."

Denn auch wenn Argento die Grundidee beim Besuch des Psychotronic Shops in den USA gekommen war, handelt es sich beim Profondo Rosso doch um eine genuin europäische Institution. Was nicht zuletzt die Unmengen an Büchern zum europäischen, vor allem italienischen Horrorfilm und zur einschlägigen Literatur des Alten Kontinents unter Beweis stellen, die zum Teil von Cozzi selbst stammen. Daß das alles de facto nur auf Italienisch aufliegt, sollte niemanden bekümmern sondern Auslöser für einen g’scheiten Italienischkurs sein. "Und seit der Eröffnung ist es ein Riesenerfolg", setzt er stolz hinzu.

Wie es dann zum Museo degli orrore kam?

 

"Dario wollte sein Horrormuseum von Anfang an. Wir schufen es gleichsam mit den Original-Props aus seinen und meinen Filmen; und seit 1992 hat es die Stadt Rom offiziell als ’neues, interessantes Museum’ akzeptiert. Die Leute besuchen uns aus der ganzen Welt! Und Dario selbst liebt es sehr. Er kommt auch oft her."

Man darf klarerweise die berechtigte Frage stellen, welche Faszination ein nicht eben sehr großes, etwas muffiges, statisches Old School-Museum im Zeitalter von 3D und der global grassierenden Vororte-Megaplexomanie überhaupt noch auslösen kann. Die beste Antwort geben wohl die Fans selbst, die die Lokalität einer Weihestätte gleich stürmen. Und unter diesen sind auch klingende Namen wie Eli "Hostel" Roth, der FX-Guru Tom Savini, Federico "Shadow" Zampaglione oder der Grandsigneur des Horrorfilms, Vincent Price, der es sich nicht nehmen ließ, als einer der ersten das Profondo Rosso persönlich aufzusuchen.

Fans, zu denen Cozzi selbst zählt.

Denn sein Leben ist im Grunde perfektioniertes Fantum.

 

Die Brut des Schreckens

 

Geboren wurde Cozzi, der sich als Regisseur auch den amerikanisierten Namen Lewis Coates gab, am 7. 9. 1947 im italienischen Busto Ariziso. Von Kindheit an sammelte er alles, was mit Horror, Science-Fiction oder Fantasy zu tun hatte. Und schon bald wuchs der Wunsch in ihm, sich aktiv am Geschehen zu beteiligen. So konzipierte er mit Freunden im Jahre 1968 die beiden SciFi-Kurzfilmprojekte "Il Tunnel Sotto Il Mondo" sowie "A Dream Isabell", bei denen er sich erstmals auch als Regisseur versuchte.

Doch hauptberuflich arbeitete er in den 60er-Jahren als freier Journalist und Kritiker und hatte so einen guten Zugang zu den Darstellern, Regisseuren und Produzenten des italienischen Films. Seine fachliche Kompetenz und charmante Weise, diese zu vermitteln, öffneten ihm einige Türen. Was ihn 1969 direkt in die Arme von Dario Argento führen sollte. Der war selbst Kritiker und stellte gerade seinen Debüt-Film "L’Uccello dalle Piume di Cristallo" ("Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe") fertig.

Cozzi interviewte ihn, woraus bald ein mehrstündiges Gespräch unter Fachleuten wurde. Sie befanden sich beide auf einer ähnlichen Wellenlänge, was in eine Freundschaft mündete, die bis heute anhält. Argento lud Cozzi ein, ihn in seinem dritten Film "Quattro Mosche di Velluto Grigio" ("Vier Fliegen auf grauem Samt", 1971) als Co-Autor und Co-Regisseur zu unterstützen. Zudem durfte Cozzi in die Rolle des Killers schlüpfen. Auch Argentos bis dato einzige Polit-Komödie "Le Cinque Giornate" ("Die Halunken", 1973) mit Adriano Celentano in der Hauptrolle weist Cozzi als wesentlichen Mitarbeiter aus.

 

Aufgrund dieser Zusammenarbeit erhielt Cozzi rasch diverse Regieangebote. Der Giallo "L’Assassino è Costretto ad Uccidere Ancora" ("The Killer Must Kill Again", 1975) sowie der Erotikfilm "La Portiera nuda" ("The Naked Porter", 1976) waren Auftragsarbeiten für das italienische Fernsehen und verhalfen dem Namen Cozzi zu lokaler Bekanntheit. Vor allem "L’Assassino ..." ist ein schönes Beispiel für einen klassischen, atmosphärisch dichten Giallo mit hübschen Plottwists. Inszenatorisch wirkt manches ein wenig laienhaft (ein Zustand, der sich bei Cozzi im Laufe der Jahre nur unwesentlich änderte), doch ist in beiden Fällen die Begeisterung und Leidenschaft für den Genrefilm spürbar, sodaß man über gelegentliches filmisches Holpern gnädig hinwegsehen mag.

Cozzis Traum war aber der große Science-Fiction-Film mit verwegen-aufwendigen Special Effects. Ein Treatment hatte er in der Tasche; nicht vorhanden war leider das Interesse bei potentiellen Geldgebern.

Doch dann kam 1977 "Star Wars" ("Krieg der Sterne") in die Kinos. Dieser erste amtliche Blockbuster der Filmgeschichte änderte vieles. Unter anderem auch die Bereitschaft italienischer Investoren, ein ansehnliches Budget für eine internationale SciFi-Großproduktion bereitzustellen.

1978 wurde Cozzis "Star Crash", eine Space Opera mit jeder Menge Phantastikelementen, in Italien uraufgeführt. Rückblickend gesehen fallen zwei Dinge auf: eine auch nach damaligen Maßstäben miserable FX, und Caroline Munro im Weltraum-Bikini, mit eigenartig anmutenden Schußwaffen herumfuchtelnd. Verglichen mit George Lucas’ keimfreier Hochglanzmaschinerie handelt es sich hier um Trash pur.

Einzig der SciFi-Boom der späten 70er sorgte dafür, daß "Star Crash" damals in die ganze Welt verkauft werden konnte und auch das Mainstream-Publikum ins Kino zog. Und doch merkt man der Produktion den Spaß aller Beteiligten beim Drehen an. Hier war ein Fan am Werk, der auch Kaffeeuntertassen als UFOs verwendet hätte, wenn dadurch auch nur der Hauch seiner Vision spürbar geworden wäre. Und so sexy wie hier hat man die Munro, die auch als James Bond-Gegenspielerin in "The Spy Who Loved Me" ("Der Spion der mich liebte", 1977) eine gute (Bikini-)Figur machte, nie wieder gesehen.

 

Anfang der 80er-Jahre orientierte sich der italienische Genrefilm nahezu ausschließlich an US-amerikanischen Vorbildern. Man ging daran, Rip-Offs von allem zu fertigen, was über den großen Teich kam. Hervorragend eigneten sich da Action-, Horror- und SciFi-Knaller, die man mit einheimischem Personal - deren Namen man gerne amerikanisierte - und geringem Budget nachstellte. Mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen. Denn das Fehlen gigantischer Special Effects-Abteilungen sowie der "familienfreundlichen" US-amerikanischen Prüderie hatte zur Folge, daß man zwar weniger FX, dafür mehr nackte Brüste bewundern durfte. Die Produktionen verfügten mitunter über eine Sleazeness, die bei damaligen US-Elaboraten undenkbar gewesen wäre. Was in den damals aufkommenden Videotheken gebührend begrüßt wurde.

Auch Cozzi nutzte seine Chance. Zumindest versuchte er das.

Denn während Argento danach trachtete, in Hollywood Fuß zu fassen und internationale Anerkennung zu erreichen (was ihm nur zum Teil gelang), saß Cozzi in Italien ziemlich auf dem Trockenen. Erst die "italienische Antwort" auf "Alien" ("Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt", 1979) sollte seine Rückkehr auf den Regiestuhl einläuten.

Mit einem Mini-Budget ausgestattet, drehte er 1982 "Contamination" ("Astaron - Die Brut des Schreckens"). Die zusammengestoppelte Mär über Aliens, explodierende grüne Eier, Geheimagenten und blöde Militärs, abgeschmeckt mit gepflegtem Splatter, weiß durchaus zu unterhalten. Nicht zufällig nannte sich Mitte der 80er ein aus dem Wiener Blue Box-Umfeld stammendes Frauen-Wave/Synthie-Duo Astaron - Das Grauen aus dem All. Doch für Cozzi geriet "Contamination" zum Fiasko. Die Distributionsfirma ging kurz nach Fertigstellung in Konkurs; und kurzfristig sah es so aus, als wäre der Film noch vor seiner Premiere Geschichte. In Italien selbst ist er bis heute nicht veröffentlicht worden, ganz im Gegensatz zu Deutschland, Österreich, Großbritannien und den USA, wo "Contamination" - mit Hilfe nicht ganz legaler Lizenzen - ein kleiner Videothekenhit wurde und heutzutage als Cozzis bekanntester Film gilt.


Trotz zweier 1983 und 1985 gedrehter, von "Conan" inspirierter "Hercules"-Filme und Drehbucharbeiten für Lamberto Bava und Dario Argento lag für Cozzi Ende der 80er-Jahre vieles im Argen. 1989 setzte er den Rockmusik-und-Satanismus-Slasher "Paganini Horror" in die Welt, über den man auch bei bestem Willen den Mantel des Schweigens breiten sollte. Tätigkeiten wie die Mitarbeit als FX-Koordinator bei Augusto Caminitos "Nosferatu a Venezia" ("Nosferatu in Venedig", 1988) mit Klaus Kinski in der Titelrolle kamen zwar für die Lebenshaltungskosten auf, doch letztendlich mußte sich Cozzi sein Scheitern auf künstlerischer und kommerzieller Ebene eingestehen.

Seine letzte reguläre Regiearbeit, "Il Gatto Nero" ("The Black Cat", 1989), ein - damals - möglicher dritter Teil zu Argentos geplanter Drei Mütter-Hexen-Trilogie, die mit "Suspiria" ("Suspiria", 1977) und "Inferno" ("Horror Infernal", 1980) begann, hat ihre schönen Momente, bleibt aber Stückwerk. Die Schwarze Katze ist jedoch das eindrucksvolle Statement eines Fans, eine - wenn auch unbeholfene - Liebeserklärung an den italienischen Horrorfim und seinen Großmeister Dario Argento.

 

Cozzilla

 

Und es scheint, als hätte Cozzi seine Lektion gelernt: Seitdem macht er hervorragende Dokumentarfilme, schreibt kenntnisreich und witzig Bücher über seine Idole und leitet, gleichsam als Propagandaminister des Italo-Horror, das Profondo Rosso.

Er ist gerngesehener Gast auf internationalen Festivals und darf sich nun ein wenig im Ruhm dessen sonnen, was er - als Fan für Fans - ermöglicht hat. Und wo man auch seine äußerst rare 1977er-Petitesse "Godzilla" zu schätzen weiß: Cozzis Farbvariante und Erweiterung des Klassikers aus dem Jahr 1954, von ihm selbst oft scherzhaft als "Cozzilla" bezeichnet.

Ansonsten steht er gelassen und abgeklärt im Profondo Rosso und ist jederzeit einem fachkundig-charmanten Plausch nicht abgeneigt. Und auch seine Einschätzung vom italienischen Horrorfilm des beginnenden 21. Jahrhunderts klingt vielversprechend: "Es interessieren sich wieder sehr viele Junge für italienischen Horror, fragen nach mehr - ich glaube jedenfalls, daß schon bald was Neues in dem Bereich passieren wird." Sein Wort in Gottes Ohr.

 

Cozzi ist auf jeden Fall einer, der mit Herzblut bei der Sache ist.

Mit tiefrotem Blut.

Profondo Rosso.

 

Rokko’s Adventures

aus: Rokko’s Adventures No. 8


Text und Interview: Thomas Fröhlich
Photos: Profondo Rosso, Internet

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