Video_DVD-Tips 5/2007

Von Zeitreisen und singenden Phantomen

Zur Abwechslung ohne richtigen Horrorfilm, dafür mit jeder Menge Gesang und wunderbaren Seventies-Reminiszenzen: unsere aktuellen DVD-Empfehlungen.    10.07.2007

Jürgen Fichtinger

Phantom of the Paradise - Special Edition


(USA 1974/Region 2/Capelight)

 

Vergessen Sie Lerouxs "Das Phantom der Oper" oder Goethes "Faust"! Schauen Sie sich lieber Brian De Palmas "Das Phantom im Paradies" an. Komponist Paul Williams gibt darin den bösen Label-Boß Swan, der einst einen Pakt mit dem Teufel einging und im Gegenzug ewiges Leben und viel, viel Erfolg erhielt. Als er dem schwerverliebten Musiker Winslow Leach (William Finley) jedoch nicht nur dessen Hits, sondern auch gleich noch die Angebete klaut, gerät sein teuflisches Glamour-Paradies in Gefahr. Trotz entstellten Gesichts kann Leach es nämlich gar nicht leiden, wenn man aus seinen ruhigen Balladen Beach-Boys-mäßige Pop-Hits macht ...

Wie gut und von den Kritikern geachtet De Palma als Thriller-Regisseur auch sein mag - die meisten Fans verdankt der Regisseur von Nervenkitzlern wie "Sisters", "Carrie" oder "Blow Out" dieser Mixtur aus klassischen Horrormotiven und 70er-Jahre-Musical. Absoluter Konsumzwang, auch wegen der Filmmusik von Paul Williams ("Good for nothing, bad in bed, nobody likes you, you´re better off dead ..."), der jahrelang nur als sündteurer Japan-Import erhältlich war. Die längst überfällige deutsche DVD-Umsetzung basiert übrigens auf der französischen Edition.

Links:

Schweinchen Wilbur und seine Freunde


(USA 2006/Region 2/Paramount)

 

Die erste Realverfilmung des bekannten Kinderbuchs von E. B. White heißt in Wahrheit (wie die literarische Vorlage) "Charlotte´s Web" und erzählt von einem Schweinchen namens Wilbur, das unschuldig und ohne Vorurteile Freundschaft mit der Spinne Charlotte schließt. Als das Weihnachtsfest näherrückt und sich das Schweinderl mit etwas bäuerlicher Nachhilfe in Speck verwandeln soll, verspricht das Krabbeltier, Wilbur aus der Bredouille zu helfen. Die Geschichte ist zwar absolut vorhersehbar, aber trotzdem ein nettes Nachmittagsprogramm für Kinder. An Spezialeffekten interessierte Erwachsene können danach Gary Winicks Regiekommentar oder dem Audiokommentar von Produzent Jordan Kerner und dem für die Visual Effects zuständigen John Andrew Berton Jr. lauschen.

Links:

Serienfieber


Life On Mars - Season 1

(GB 2006/Region 2/BBC Germany/KSM)

 

70er Jahre, die erste: Der Londoner Cop Sam Tyler (John Simm) will eigentlich einen Killer schnappen, landet jedoch nach einem schweren Autounfall genau in dem Jahrzehnt, in dem "Die Profis" in Großbritannien oder Shaft und Jimmy "Popeye" Doyle in den USA für Recht und Ordnung sorgten. Sein Vorgesetzter (Philip Glenister als DCI Gene Hunt) im London von seinerzeit würde sich mit Gene Hackmans unvergeßlichem Charakter aus William Friedkins "The French Connection" zwar blendend verstehen, aber Tyler hat da natürlich seine Probleme. Immerhin kommt er aus einer Zeit, in der Ermittler Täterprofile erstellen und auch die Verbrecher Rechte haben. Hunt und seine Adlaten wissen hingegen noch den gepflegten Nierenschlag zu schätzen und lassen psychatrische Gutachten schon einmal unter den Tisch fallen ...

Intelligente Drehbücher, spannende Fälle und großartige Schmähs sorgen dafür, daß man als Zuschauer gern vergißt, daß sich die Zeitreise in Wirklichkeit vielleicht doch nur im Kopf des komatösen Protagonisten abspielt und mit der Aufklärung eines Verbrechens aus der Gegenwart zu tun hat. "Life On Mars" ist jedenfalls eine zu Recht vielfach ausgezeichnete neue Serie - und solange uns die Erfinder am Ende nicht mit dem "Jacob´s Ladder/Carnival of Souls"-Twist daherkommen, definitiv sehenswert.

 

Die wilden Siebziger! - Season 3

(USA 1998-2006/Region 2/Sunfilm)

 

70er Jahre, die zweite: Auch in der dritten Staffel von "That 70s Show" darf herzlichst gelacht werden, da die Herrschaften rund um Familie Forman hier unter anderem mit Mister Ted Nugent, den erzieherischen Folgen des Marihuana-Konsums, dem Phänomen der Rollschuh-Disco und vielen anderen Dingen Bekanntschaft schließen, die man mit den Siebzigern in Verbindung bringt und die das Team mit viel Liebe fürs Detail in Szene gesetzt hat. Bleibt zu hoffen, daß Staffel vier die stetig steigende Qualitätskurve in neue Höhen führt.

 

Simon Templar - Collector´s Box 2
(GB 1966/67/Region 2/Koch Media)

 

Statt Nostalgie/Retro-Effekt hier "the real thing": Roger Moore gibt wieder den Saint, der in 22 bunt zusammengewürfelten Episoden inmitten damals hochmodischer Dekors und leichtbekleideter Damen als Rächer der Enterbten fungiert. Warum Koch sich für wildes Season-Hopping entschieden hat (zwei Folgen entstammen der ersten Staffel, vier der dritten und der Rest der sechsten) wäre wohl ein ideales Rätsel für das Team von "Department S" ...

Wenigstens gibt es endlich die allererste "The Saint"-Folge zu sehen sowie zwei hierzulande bisher unausgestrahlte Episoden, einen Audiokommentar von Moore und mehr als eine Stunde Bonusmaterial.

 

Preview: The Sarah Connor Chronicles

 

Nach wunderbaren 60s- und 70s-Reminiszenen zum Schluß ein kurzer Abstecher in die Zukunft, Marke achtziger Jahre: Bevor in "Terminator 4" die Maschinen nämlich endgültig die Herrschaft übernehmen, werden fürs Fernsehen die "Sarah Connor Chronicles" produziert, zu denen mittlerweile der erste Trailer vorliegt. Und der schaut leider gar nicht gut aus ...

Links:

Fast Forward


Wassup Rockers

(USA 2005/Region 2/e-m-s)

 

Als "Kids meets Warriors" bezeichnete der US-Profi-Skater Chad Muska diesen Streifen um eine Handvoll junger Ghetto-Latinos, die auf ihren Boards zur musikalischen Begleitung treibender Punk-Nummern einen Ausfug nach Beverly Hills unternehmen und es dort mit reichen Schnöseln, Ordnungshütern und einem Charlton-Heston-Verschnitt zu tun bekommen. (Der Typ mag es gar nicht, wenn man unerlaubt sein Grundstück betritt ...)

Trotz ähnlicher Rahmenbedingungen hat der Larry-Clark-Streifen mit Walter Hills 70er-Jahre-Spektakel natürlich nichts gemein, ist für Freunde des Regisseurs aber trotzdem sehenswert.

 

Chaos & Kadaver

(USA 2003/Region 2/>impuls)

 

Ein frischvermähltes Paar will seine Flitterwochen in einem abgelegenen Schloßhotel verbringen und platzt mitten in die jährliche Versammlung der Leichenbestatter, Einbalsamierer und Totengräber. Bis die beiden das jedoch überrissen haben, stecken sie bereits bis über beide Ohren in einem Intrigenspiel und haben neben einer Leiche noch einige andere Probleme am Hals, die sehr zur Unterhaltung des Zusehers beitragen. Nette, makabre britische Komödie für zwischendurch.

 

Road House 2

(USA 2006/Region 2/Sony)

 

Nicht nur die Wege des Herrn sind unergründlich, auch die Sony-Herrschaften sind immer für eine Überraschung gut. Daß man Direct-to-Video-Sequels von Streifen wie "Hollow Man" produziert, kann man ja noch nachvollziehen; daß es das vorliegende Kleinod nur auf DVD gibt, ist jedoch eine Überraschung. Falls Sie den Vorgänger nicht kennen - in "Road House" beeindruckte Patrick Swayze als knallharter Bar-Rausschmeißer mit jeder Menge Faustwatschen und Südstaaten-Country-Charme. Die Guten waren die Guten, die Bösen die Bösen, jeder bekam, was er verdiente, und der Film war ein gerngesehener Blödsinn im TV-Nachtprogramm. Das Sequel spielt in Australien, kommt ohne Herrn "Dirty Dancing" aus und liefert stattdessen noch mehr Raufereien sowie einen "catfight", wie man ihn nur selten zu sehen bekommt.

Außerdem mit dabei: Jake Busey, der scheinbar endgültig in die Fußstapfen des Herrn Papa treten will und den Unteroberbösewicht spielt. Straight inszeniert und ohne Möchtegern-Coolheiten gibt sich "Road House 2" als glasklarer Action-Baddie, bei dem es weder Überraschungen noch Langeweile gibt. Gut so.

Links:

Karli Sackbauer


(Ö 2007/Region 2/Bonusfilm)

 

Die Liste der sehenswerten Serien des ORF ist etwa so lang wie die der Naturdokumentationen auf dem QVC-Shopping-Kanal. Zwei wirklich gelungene Produktionen hat das österreichische Fernsehen jedoch hervorgebracht: die Patzak/Zenker-Blödelei "Kottan ermittelt" und Ernst Hinterbergers Serie "Ein echter Wiener geht nicht unter". Mundls Abenteuer zeigen auch heute noch, daß der vielgerühmte Realismus der aktuellen österreichischen Sozialdramen in Wirklichkeit ein Haufen schlechtgeschriebener Unsinn ist.

Amüsanterweise sehen die verantwortlichen Herrschaften am Küniglberg die goldene Gans nicht einmal 30 Jahre nach ihrer Entstehungszeit, wie man anhand der lieblosen DVD-Veröffentlichungen erkennen konnte. Umso mehr freut es, daß Klaus Rott seine Rolle als Karli Sackbauer 2003 für das jetzt auf DVD vorliegende Soloprogramm wiederaufleben ließ - nicht nur, weil man dank gelungener Schmähs knapp 80 Minuten in Nostalgie und Erinnerungen schwelgen kann, sondern weil die DVD-Verantwortlichen Teile der Originalbesetzung am Kaffeehaustisch versammelten, um über vergangene Zeiten zu plaudern. Anschauen - sonst leg ma ihna ane auf, daß ihna 14 Tag der Schädl wackelt!

Links:

Rodgers & Hammerstein Musical Collection

Nice-Price-Tip


(USA 1945-1965/Region 2/20th Century Fox)

 

Sie waren neben Stephen Sondheim die Könige des Musicals und ließen unter anderem Salzburg als Kulisse rund um die singende Familie Trapp in echtem Hollywood-Glamour erstrahlen: Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II. Das 12 DVDs umfassende Box-Set bietet um lächerliche 30 Euro die Filme "Meine Lieder, meine Träume" (so der deutsche Titel von "The Sound of Music"), "Carousel", "State Fair - Jahrmarkt der Liebe" und "Süd Pazifik" sowie Yul Brynner als glatzköpfigen König von Siam, der in "Der König und ich" mit einer Englischlehrerin anbandelt, und Rod Steiger als liebeshungrigen Cowboy in "Oklahoma". Als Zusatzmaterial gibt es u. a. Ausschnitte aus diversen Bühnenshows, Audiokommentare, zusätzliche Songs, Dokumentationen und natürlich ein Karaoke-Feature zum lustigen Mitsingen!

"Oh, what a beautiful mornin´, oh, what a beautiful day ..."

Links:

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millerair - 11.08.2008 : 09.14
Liebe LIFE ON MARS Fans!

Seit über einem Jahr warten wir jetzt nun schon vergeblich, dass KABEL EINS
endlich mit der zweiten Staffel von LIFE ON MARS Sam Tylers Schicksal auflöst.
Doch der Sender rückt diese paar Episoden einfach nicht raus!

Statt dessen vertröstet uns die kabel-eins-Zuschauerredaktion seit Monaten damit,
dass man sich zwar freue, unseren Geschmack getroffen zu haben, aber nicht wisse,
wann die acht finalen Folgen ausgestrahlt würden. Und das, obwohl der Kanal sowohl
Senderechte als auch deutsche Synchronisation für die 2. Staffel bereits eingekauft hat!

Das ist insofern doppelt tragisch, weil KABEL EINS durch das NICHTausstrahlen der
acht Folgen auch noch deren DVD-Vermarktung im deutschsprachigen Raum verhindert!!!

Grund genug, dem Sender an sein Versprechen zu erinnern.

Bitte unterzeichnet die Internet-Petition für eine Fortsetzung von LIFE ON MARS im deutschen Free-TV:

http://www.guestbook24.com/gastbuch.php?id=19320


Bitte macht diese Aktion publik! Versucht auch interessierte Freunde und Bekannte zum Unterzeichnen der Petition zu überreden. Danke.

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